Neulich im Fernsehen: „Die exzentrischen Cousinen der First Lady“

(c) HBO

Schon oft habe ich darüber geschimpft, dass es gute amerikanische Fernsehfilme zu selten in das deutsche Fernsehen schaffen. Aber nun zeigte ARTE die HBO-Produktion „Grey Gardens“, die in letzten Jahr zwei Golden Globes erhalten hat. Unter dem sperrigen deutschen Titel „Die exzentrischen Cousinen der First Lady“ verbirgt sich die Geschichte von Edith Bouvier Beale und ihrer Tochter Little Edie, die im Jahr 1970 zu ungewollter Berühmtheit kamen. Damals hat das New York Magazine auf der Titelseite über das Leben dieser zwei Frauen berichtet, die in einem völlig verwahrlosten Anwesen hausten. Da Mutter und Tochter Beale zugleich Tante und Cousine von Jackie Kennedy waren, erregte diese Geschichte gerade in der Boulevardpresse große Aufmerksamkeit. Die Verwandtschaft half den Frauen schließlich, und fünf Jahre später drehten die Brüder Maysles einen Dokumentarfilm über Big Edie und Little Edie.

Die Entstehung dieses Films ist die Rahmenhandlung des sehenswerten Biopic von Michael Sucsy. Anfänglich vergnügt, aber mit zunehmend leiseren Tönen erzählt „Grey Gardens“ von dem tragischen Leben zweier unkonventioneller Frauen. Big Edie (gut wie immer: Jessica Lange) zieht sich von der Welt zurück, mit dem sicheren Gefühl, einfach nicht verstanden zu werden. Sie bindet ihre Tochter an sich, indem sie deren Ängste nutzt – und schon bald weiß auch Little Edie (Drew Barrymore), dass sie Grey Gardens wohl niemals verlassen wird. Diese Frauen scheinen aneinander gekettet, aber sie kümmern sich auch nur um sich selbst. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Filmen über Frauen aus dieser Zeit, ist bei der Geschichte der Beale-Frauen eines ist offensichtlich: Sie scheitern nicht an der Zeit, sondern insbesondere Little Edie vor allem an sich selbst. Daher habe ich mich oft gefragt, was aus ihnen hätte werden können, wenn sie ein wenig mutiger gewesen sind. Obwohl der Film nicht frei von dramaturgischen Schwächen ist, hat mich insbesondere die Geschichte von Little Edie berührt. Das liegt vor allem an der großartigen Leistung von Drew Barrymore, die mich mehr als überrascht hat. Zwar hat sie schon viele sympathische Charaktere gespielt, aber diese schauspielerischen Fertigkeiten, die sie als Little Edie zeigt, hätte ich ihr nicht zugetraut.

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