Cannes 2011 – Ein Blick vom Schreibtisch

Manchmal ist es schwer: Da sitze ich in meinem Arbeitszimmer in Bonn, habe viel zu tun – was für eine Freiberuflerin hervorragend ist! – und gleichzeitig läuft in Cannes ein hochinteressantes Filmfestival. Mir aber bleiben nur der sehnsüchtige Blick nach Frankreich und das Erlebnis aus zweiter Hand. Dank Twitter und Sasha Stone von Awards Daily bin ich über die Länge der Warteschlangen, verschiedene Akkreditierungsstufen und Zustände in Presseräumen bestens informiert und Guy Lodge liefert dazu das nötige Insiderwissen. Ohnehin bringen die amerikanischen Blogger meine Timeline ganz schön in Schwung, da sie ausnahmsweise mal in derselben Zeitzone arbeiten. Darüber hinaus erfahre ich im Blog des filmdienst von einem Busstreik in Cannes und bei kino-zeit.de erhalte ich einen Einblick in die Arbeitsbedingungen der Kritiker.

Owen Wilson und Marion Cottilard in "Midnight in Paris" (c) Concorde Filmverleih

Aber im Zentrum stehen natürlich die Filme, über die ich mir jenseits der Côte d´Azur dank der umfangreichen Berichterstattung einen ersten Eindruck verschaffen kann. Den Auftakt des Festivals machte am Mittwoch Woody Allens „Midnight in Paris“, der außer Konkurrenz als Eröffnungsfilm lief. Die Kritiken bezeichnen ihn als „sommerlich mundendes amuse-geule“ (kino-zeit.de)und „recht vergnüglich“ (Süddeutsche Zeitung), auch wurde er recht einhellig als guter Eröffnungsfilm bezeichnet.

Danach folgte „We Need to Talk About Kevin“ von der britischen Regisseurin Lynne Ramsey, der insbesondere von Sasha Stone enthusiastisch gefeiert wurde. Lob von vielen Seiten gab es für Tilda Swinton, aber auch kritische Bemerkungen über den Film. So bleibt bei Christina Nord von der taz das Unbehagen: „Wie ernst nimmt der Film seine Suggestion, dass aus einer scheiternden Mutter-Kind-Beziehung ein Massenmörder hervorgeht?“.

Carsten Baumgart, Chefredakteur von Filmstarts.de, sieht in „We Need to Talk About Kevin“ hingegen eine seiner Cannes-Entdeckungen – nach „Sleeping Beauty“ von Julia Leigh. Der Debütfilm der australischen Schriftstellerin stieß aber ebenfalls auf geteilte Reaktionen. Daniel Kothenschulte zeigt sich in der Berliner Zeitung enttäuscht, Christiane Peitz kommt sogar zu dem Schluss, „Sleeping Beauty“ sei „gedankenloser Voyeurismus, als Filmkunst getarnt“. Andere Stimmen wie beispielsweise Guy Lodge loben die Leistung von Hauptdarstellerin Emily Browning, der er mit diesem Film ihren Durchbruch attestiert: „forget „Sucker Punch“, if you haven’t already“.

Gespannt bin ich schon auf alle drei Filme, sofern sie denn ihren Weg nach Deutschland finden. Fest steht, dass „Midnight in Paris“ wird am 15. September 2011 hierzulande starten wird, für „We Need to Talk About Kevin“ und „Sleeping Beauty“ steht noch kein Termin fest.

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