Vieles an der Serie „Shrinking“ mag ich, einiges nervt mich: Die Serie ist oftmals lustig, manchmal doof, sie ist rührselig, gelegentlich kitschig, sie gibt einigen Figuren zu viel Raum, anderen zu wenig. Aber ich schaue gerne Serien, in denen erwachsene Menschen erwachsene Probleme haben. Dazu gehört in „Shrinking“, dass eine der Hauptfiguren – der von Harrison Ford gespielte Psychiater Paul Rhoades – Parkinson hat. Eine Erkrankung, die gemeinhin mit „Zittern“ verbunden wird. Das prominenteste, bei weitem aber nicht einzige Symptom (das auch nicht bei allen Erkrankten stark auftritt). In der Serie ist insbesondere anfangs das Zittern das am häufigsten gezeigte Symptom – es ist eine konstante Erinnerung an die Krankheit. Aber im Verlauf der Serie schreitet die Krankheit fort: Paul wird beim Gehen unsicher, seine Sprache wird langsamer – aber er nimmt schon die maximale Dosis der Medikamente. In Pauls Selbstbild spielen seine Intellektualität, sein Wissen, sein sprachliches Vermögen eine zentrale Rolle. Parkinson erschüttert das.
In der dritten Staffel nun haben sich durch das Fortschreiten der Krankheit und eine Harnwegsinfektion (häufig bei Parkinson) die Symptome verschlimmert, weitere kommen hinzu. In Pauls Fall auch Halluzinationen. Damit macht „Shrinking“ sehr deutlich, dass Parkinson eben nicht „nur“ eine Krankheit ist, die sich auf den Körper auswirkt. (So wie sich im Übrigen auch Demenz nicht nur auf den Geist auswirkt – anders als es viele fiktionale Bearbeitungen einen glauben lassen.) Sie wirkt sich auf den ganzen Menschen, sein Leben, sein Umfeld aus. Als ich hinterher in einem Interview gehört habe, dass der Vater von Brett Goldstein, der die Serie mitentwickelt hat, Parkinson hat, hat das genau den Eindruck bestätigt, den ich vorher hatte: Hier weiß jemand, wovon er erzählt. https://www.youtube.com/watch?v=8B3AQvqkf2U
In der dritten Staffel hat außerdem Michael J. Fox eine Gastrolle: Durch ihn sieht man regelrecht, was Parkinson mit dem Körper macht. Er bringt eine wuchtige Authentizität in die Serie, die niemals zu schwer wird. Am eindrucksvollsten wird das in einer Szene deutlich: Nach einer kurzen Begegnung im Wartezimmer verabschiedet sich der von Fox gespielte Gerry von Paul mit dem Satz „Fuck Parkinsons“. In diesen zwei Wörtern stecken fortan so viel Haltung, so viel Kraft und eine ungeheure Tiefe. Weil Michael J. Fox genau das seit über dreißig Jahren verkörpert. Und die Serie schafft es, diese Tiefe in diesen Wörtern zu erhalten.
