Zwar habe ich mich weitgehend von Social Media verabschiedet, aber weiterhin glaube ich an das Prinzip „sharing is caring“ und deshalb habe ich mir vorgenommen, hier regelmäßig Links zu posten. Wie Form und Frequenz aussehen, weiß ich noch nicht genau. Aber ich lege einfach mal los.
„Werde die eheliche Vergewaltigung kriminalisiert, könnten Ehefrauen diese Regelung missbrauchen, um sich eine Abtreibung zu erschleichen. Denn der § 218 kannte die sogenannte kriminologische Indikation, die es Schwangeren erlaubte, einen Abbruch vornehmen zu lassen, wenn die Schwangerschaft Produkt einer Vergewaltigung war.“
Catherine Davies über die Abstimmung zur Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe 1997, gegen die Friedrich Merz damals gestimmt hat. Zeigt auch sehr schön, dass damals noch nicht Partei- bzw. Fraktionsdisziplin über alles gestellt hat – und wie wirkungsvoll es sein kann, an Politiker*innen zu schreiben.
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Ein Aspekt, der mich an den sozialen Medien sehr nervt, ist das scheinbare Engagement gegen Missstände, das daraus besteht, seine Empörung mittels eines Posts kundzutun. Oftmals frage ich mich, ob es wirklich um die Sache geht oder nicht vielmehr die eigene Positierung. Aber auch abgesehen davon:
“Thinkers like Jean-Paul Sartre and Hannah Arendt warned us that the point of this deluge is not to persuade, but to overwhelm and paralyze our capacity to act. More recently, researchers have found that the viral outrage disseminated on social media in response to these ridiculous claims actually reduces the effectiveness of collective action.”
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Mely Kiyak ist – wie ich – in Niedersachsen aufgewachsen und schreibt sehr genau, was man damals denken konnte:
„Die Mitglieder der CDU meiner Jugend waren anständige Demokraten, politisch korrekt, konservativ-spiessig, im Schützenverein. Sie bügelten ihre Jeans, liebten ihren LessingGoetheSchiller, assen ihr Abendbrot mit Messer und Gabel und schämten sich für die nationalsozialistische Vergangenheit ihres Landes. Wir dachten damals wirklich, die niedersächsische CDU wäre das grösste anzunehmende Unglück unseres Lebens. Was waren wir für Dummköpfe.“
Und wenn ich dann noch daran denke, dass es mal Zeiten gab, in denen Ministerpräsidenten zurückgetreten sind, weil sie vor einem Ausschuss gelogen haben (die „Schubladen-Affäre“ von Björn Engholm), dann werde ich ganz nostalgisch. Aber Nostalgie hilft niemanden. Und die Hoffnung werde ich nicht aufgeben.
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„Sein und Streit“ ist eine meine Lieblingsradiosendungen, weil ich hinterher immer klüger bin als vorher. Eine besonders gute Folge, die mir zu einem besseren und klareren Verständnis der Gegenwart verholfen ist, lief am 9. Februar zur „Politik der Disruption“. Eine halbe Stunde, die sich sehr, sehr lohnt.
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Seit sich meine Arbeitsschwerpunkte verschoben haben, gehe ich nicht mehr auf die Berlinale – aber dieses Jahr war ich gefühlt dennoch irgendwie dabei, weil ich die Logbücher vom Katrin Doerksen und Thomas Groh redaktionell betreut habe. Beide lese ich ohnehin sehr gerne, weil sie oft einen ganz anderen Blick auf Filme und kluge Gedanken zu ihnen haben.