Schlagwort-Archiv: Thriller

Gastspiel: Interview mit James Grady

(c) Suhrkamp

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Für die BÜCHER-Ausgabe Juli/August habe ich einen größeren Beitrag über Politthriller geschrieben und dafür ein Interview mit James Grady über „Die letzten Tage des Condor“ geführt. Und wie es im Print nun einmal so ist, habe ich nur eine begrenzte Zeichenzahl zur Verfügung. Das Interview in voller Länger gibt es daher beim CrimeMag zu lesen.

Krimi-Kritik: „Angel Baby“ von Richard Lange

Eine schöne Frau verlässt ihren fiesen Ehemann in Mexiko, um mit ihrer Tochter in den USA ein neues Leben zu beginnen. So weit, so bekannt. Doch Richard Lange gelingt in seinem Thriller „Angel Baby“ weitaus mehr als die Geschichte einer Frau, die ein Leben zurücklassen will. Vielmehr durchdringt die Realität der mexikanisch-amerikanischen Grenze das Leben seiner Charaktere vollends. Sie sind gefangen in den Entscheidungen, die sie getroffen haben, in ihren Schwächen und Sehnsüchten.

(c) Heyne

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Luz ist eine hübsche junge Frau, die in jungen Jahren ein Kind bekommen hat und dann ihr Schicksal an einen falschen Mann geheftet hat. Deshalb hat sie das Baby bei ihrer Tante in Los Angeles zurückgelassen und ist mit El Samurai nach Tijuana gegangen. Sie erregte die Aufmerksamkeit von Rolando – El Principe–, dem örtlichen Drogenboss, der sie dem Samurai abnahm und heiratete, obwohl er es – wie er in einer seiner seltenen menschlichen Regungen offenbart – nicht musste: „Aber sie hatte diese Kleinigkeiten an sich, die ihn faszinierten. Die Traurigkeit, die aus jedem Lächeln ein Geschenk machte. Das sanfte Herz, das zum Vorschein kommt, wenn sie sich verletzlich zeigte. (…). All das nahm ihn für sie ein, auch wenn die Schlampe im nächsten Augenblick wieder mit einem heimlichen Blick oder bösen Wort das Herz aufschlitzte.“ Und deshalb hatte sie Macht über ihn. „Sie kannte all seine Ängste, all seine Schwächen, und wusste sie gegen ihn einzusetzen.“ Deshalb erträgt Luz mit Xanax, Valium, Vicodin und Oxycotin das Leben an der Seite von Rolando. Ein spontaner Fluchtversuch ist bereits gescheitert, ihren zweiten Anlauf hat sie ein Jahr lang sorgfältig vorbereitet und zieht ihn gnadenlos durch: Entweder wird sie zum vierten Geburtstag ihrer Tochter bei ihr sein – oder tot. Weiterlesen

Finnische Kriminalliteratur – „Die Frau ohne Gesicht“ von Pekka Hiltunen

Finnland ist das Gastland der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt und deshalb habe ich für das Magazin BÜCHER einen Beitrag über finnische Kriminalliteratur geschrieben, der – ihr werdet es euch denken können – in der Oktober-Ausgabe pünktlich zur Buchmesse erscheinen wird. Beim wochenlangen Wühlen durch finnische Kriminalliteratur habe ich tolle Bücher und Autoren entdeckt, außerdem habe ich gute Interviews geführt, die nicht alle in den Beitrag einfließen konnten. Deshalb starten heute die finnischen Kriminalwochen im Zeilenkino! Bis zur Buchmesse wird jeden Dienstag ein Interview mit einem finnischen Autor erscheinen, außerdem werde ich einige Bücher besprechen. Und als Anfang habe ich sehr bewusst Pekka Hiltunens „Die Frau ohne Gesicht“ ausgesucht.

(c) Berlinverlag

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„Die Frau ohne Gesicht“ ist der Auftakt zu einer Thriller-Reihe, in deren Mittelpunkt ein Spezialistenteam namens „Studio“ steht. Im ersten Teil lernt die finnische Graphikerin Lia, die in London bei einer Zeitung arbeitet, in einer Bar scheinbar zufällig ihre Landesfrau Mari kennen. Sie kommen ins Gespräch, freunden sich an und schon bald erfährt Lia, dass Mari ein Talent hat: Durch genaues Beobachten und dank ihrer psychologischen Ausbildung kann sie Menschen regelrecht ‚lesen‘. Diese Fähigkeit setzt sie zusammen mit einem Team anderer Experten ein, um die Welt ein wenig besser zu machen. Lia gefällt diese Idee, also lernt sie die Mitglieder des „Studios“ kennen und schon bald wollen sie zusammen einen korrupten Politiker stürzen und einen Zwangsprostitutionsring aushebeln.

Normalerweise hätte ich bei der Formulierung „Mari könne Menschen lesen“ nicht nur einen skeptischen Gesichtsausdruck bekommen, sondern das Buch gar nicht gelesen – solche besonderen Fähigkeiten erscheinen mir im (Kriminal-)roman meist als einfache Lösung für potentielle Unstimmigkeiten im Plot. Nun ist aber gerade der zweite Teil („Das schwarze Rauschen“) der Reihe erschienen, den ich für meinen Beitrag in Betracht gezogen habe. Also griff ich zum ersten Teil – und entdeckte einen Thriller, in denen Frauen keinen Mann brauchen, um das Richtige zu tun oder mutig zu sein (ja, Lisbeth Salander, das geht!). Identifikationsfigur für den Leser ist Lia, sie hält sich für unsicher, allerdings weiß sie sich ganz gut zu behaupten und wird durch die Freundschaft zu Mari und die an sie gestellten Herausforderungen selbstbewusster und stärker. Mari ist geheimnisvoller, sie ist sehr analytisch, außerdem verfügt sie über Geld. Sie wünscht sich eine Freundin, an deren Seite sie sich auch einmal entspannen kann – und sie glaubt, sie in Lia gefunden zu haben. Durch diese Freundschaft werden beide Frauen stärker und ausgeglichener, sie füllt eine Lücke. Wie zuletzt schon in „Wie sollten wir sein?“ wird daher in diesem spannenden Thriller auch von einer überzeugenden Frauenfreundschaft erzählt. In einer Szene treffen sich Lia und Mari, um sich zu betrinken. Sie bezeichnen es als Kännit „Sie wollten nicht drunk, einfach nur betrunken werden, und auch nicht pissed, ein unangenehm und unkontrollierter Zustand, in den sich vor allem Jugendliche soffen. Sie waren erwachsene Frauen, und sie betranken sich planmäßig.“ Kännit ist „ein kameradschaftliches Saufen“, stellt Lia fest, sie trinken und diskutieren alle möglichen Themen.

Aber nicht nur diese Hauptfiguren sind bemerkenswert, sondern „Die Frau ohne Gesicht“ ist eines der wenigen Büchern, die ohne Voyeurismus von Verbrechen erzählen, bei denen Frauen mehrheitlich die Opfer sind. Als die Nachforschungen in einem Mordfall zu Zwangsprostitution führen, verliert sich Pekka Hiltunen nicht in Schilderungen der Erlebnisse der Prostituierten, die letztlich dazu dienen, sich an dem Leid zu ergötzen oder Ekel zu erzeugen, sondern belässt es bei knappen Ausführungen, die den Schrecken aber nicht vermissen lassen. Auch ist am Ende dieses Thrillers die Moral nicht einfach gegeben, sondern bleibt die Frage offen, wie viel Lüge die Wahrheit verträgt. Aufgrund dieser vielen positive Aspekte nehme ich es auch gerne, dass einem Team von Spezialisten vieles gelingt. Denn man ehrlich – in wie vielen Thrillern gibt es schon starke weibliche Hauptfiguren?

Pekka Hiltunen: Die Frau ohne Gesicht. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. Berlin Verlag 2013.

Den Haag und Serbien – Über „Tribunal“ von André Georgi

(c) Suhrkamp

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Die besten Krimis blicken über den eigenen Rand hinaus, sind – auf verschiedenste Weise – gesellschaftskritisch und regen zum Nachdenken an. Auf den ersten Blick scheint das alles auf „Tribunal“ von André Georgi zuzutreffen. Seine Hauptfigur ist die Polizistin Jasna Brandic, die seit zwei Jahren für den Schutz des Serben Marco Kovac zuständig ist. Kovac soll in Den Haag beim Kriegsverbrechertribunal der Prozess wegen des Massakers von Višegrad (dort führt Ivo Andrc’ „Brücke über die Drina“) gemacht werden, bei dem er mit 15 Mitgliedern seiner paramilitärischen Einheit „Die Wölfe“ über 4000 Moslems vergewaltigt und ermordet haben soll. Aber die Beweislage schwierig: Noch vom Gefängnis aus hat Kovac gute Verbindungen, wird vermutlich von Teilen der serbischen Regierung geschützt, viele Zeugen sind eingeschüchtert und haben Angst, gegen Kovac auszusagen. Außerdem droht ständig ein Anschlag, deshalb sind die Sicherheitsvorkehrungen sehr hoch. Dennoch kommt es zu einem Attentat und einem Zwischenfall im Gerichtssaal. Daraufhin droht der gesamte Prozess zu platzen. Jasna muss noch einmal nach Serbien reisen, um dort einen von Kovac‘ Komplizen zu finden, der angeblich bereit ist, gegen ihn auszusagen.

Der erste Teil von „Tribunal“ ist mit kurzen Sätzen, schnellen Perspektivwechsel und viel Action sehr temporeich. Durch diesen filmischen Erzählstil wird auch die Spannung langsam aufgebaut – hier schreibt also fraglos jemand, der sein Handwerk versteht. Allerdings bleibt es bei dieser oberflächlichen Spannung, denn André Georgi in seinem Thrillerdebüt nicht in die Tiefe, sondern entscheidet sich im Zweifelsfall immer für Action statt Psychologisierung. Nun könnte das im Thriller prinzipiell funktionieren, wenn nicht Jasna zunehmend persönlich in den Fall involviert wäre. Ohnehin bin ich keine große Freundin von persönlichen Verwicklungen ermittelnder Staatsbeamter in die Fälle. Als Motivation für private Ermittler mag ein persönliches Motiv notwendig sein, aber Jasna Brandic macht in erster Linie ihren Job, den sie bereits mit Besessenheit erfüllt. Außerdem stammt ihre Familie aus Serbien und so hat sie eine zusätzliche Motivation, diese Verbrechen aufzuklären. Dann stellt sich jedoch heraus, dass sie nicht nur mit einem, sondern mit zwei gesuchten Kriegsverbrechern verwandt ist. Hieraus ergeben sich viele spannende Fragen, die im Rahmen dieses Thrillers zu verhandeln möglich gewesen wäre. Wenn ich mir vorstelle, ich riskierte mein Leben, damit ein Massenvergewaltiger und -mörder vor Gericht kommt, ich habe so viele Zeugenaussagen über begangene Gräueltaten gelesen, dass mein eigenes Sexualleben darunter mehr als leidet, und erfahre, dass mein totgeglaubter Vater und Bruder an diesen Taten beteiligt waren, dann wäre ich verstört, würde mich fragen, was mit ihnen nicht stimmt – und ob mit mir vielleicht auch etwas nicht stimmt. Die Erklärung, dass sie nach dem Aufdecken der Vertreibung und Ermordung ihrer Großmutter und Tante Selbstjustiz geübt haben und sich einer Miliz angeschlossen haben, mag damals in der Situation dem Bruder und Vater als Rechtfertigung ausgereicht habe, aber auch der Tochter, die ihr Leben dem Kampf gegen solche Männer gewidmet hat? In „Tribunal“ anscheinend ja. Deshalb wird diese komplexe psychologische Situation nicht erkundet, sondern André Georgi bleibt bei äußeren Ereignissen, bei Folter und einer minutiös geschilderten Verfolgungsjagd, deren Ende bereits Seiten vorher verraten wurde. Dadurch wird weder die Identifikation mit Jasna erhöht – ein Hauptgrund für persönliche Verwicklungen – noch wird sie als Figur komplexer. Dazu hätte André Georgi zusätzlich zu den spannenden äußeren Handlungen den Figuren auch ein ausgefeiltes Innenleben geben müssen. Damit ist „Tribunal“ als Pageturner dank der handwerklichen Fertigkeiten des Autors solide. Er ist spannend, durchaus unterhaltsam und eignet sich als Vorlage für einen Fernsehfilm. Aber leider steckt dieses Buch auch voller verschenkter Möglichkeiten.

André Georgi: Tribunal. Suhrkamp 2014.

Krimi-Kritik: „Shining Girls“ von Lauren Beukes

Von dem Leuchten in ihren Augen wird Harper Collins magisch angezogen. Er hat es bei Kvirby gesehen, als er sie im Jahr 1974 das erste Mal besuchte, und 15 Jahre später kehrte er zurück, um sie zu ermorden. Jedoch misslingt ihm das Vorhaben, Kvirby überlebt schwerverletzt und ist fortan von dem Gedanken besessen, ihren Mörder zu finden. Deshalb fängt sie bei einer Zeitung an und versucht, den Kriminalreporter Dan zur Mithilfe zu überreden. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche. Mit einem haben beide allerdings nicht gerechnet: Ihr Serienmörder reist durch die Zeit.

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Die Ausgangsidee eines zeitreisenden Serienkillers ist interessant, zudem spiegelt sie sich in der Erzählstruktur wider: Die kurzen Kapitel spielen in verschiedenen Jahren zwischen 1929 und 1993 und sind aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Harper, Kvirby und Dan treten mehrfach in Erscheinung, aber auch ihre Entwicklung verläuft nicht chronologisch, sondern die Erzählung springt ebenso wie Harper durch die Zeit. Dadurch kommen Harpers andere Opfer zu Wort und beim Lesen erlebt man Chicago in den verschiedenen Zeiten und unterschiedlichen Perspektiven. Außerdem bekommt Harper die Gelegenheit, vermeintliche Fehler wieder auszugleichen – und setzt damit die Regel außer Kraft, dass jeder Mörder früher oder später einen Fehler macht.

Sofern man sich auf die Grundidee des Buches einlassen kann, die fantastischen Elemente akzeptiert und damit leben kann, dass Lauren Beukes nicht alles erklärt, ist „Shining Girls“ ein spannender und unterhaltsamer Thriller, der voller kleiner Ideen steckt und ein tolles Cover hat. Leonardo DiCaprio hat sich bereits die Filmrechte gesichert.
Lauren Beukes: Shining Girls. Übersetzt von Karolina Fell. Rowohlt 2014.

Andere:
Krimi-Welt

Verlosung:
Nachdem ich zwei Leseexemplare dieses Buch erhalten habe, darf ich mit freundlicher Erlaubnis des Rowohlt Verlags eines hier im Blog verlosen. Wenn ihr Lauren Beukes‘ Thriller gerne lesen möchte, hinterlasst bitte bis zum 14. März 2014 unter diesem Beitrag einen Kommentar mit kurzer Begründung, warum ihr das Buch gewinnen möchtet. Der Gewinner wird ausgelost. Nur eine Teilnahme pro Haushalt.

Krimi-Kritik: „Kein Opfer ist vergessen“ von Michael Harvey

(c) Piper

(c) Piper

Die Fernsehserie „Cold Case“ mochte ich immer recht gerne. Die Fälle waren meist gut, die Charaktere sympathisch und lange Zeit hielten sich die privaten Verwicklungen auch im Hintergrund. Vor allem aber haben mir die Musik in den historischen Rückblenden und die leicht kitschigen zusammenfassenden Bilder am Ende der Folge gut gefallen. Dann verleidete mir eine kaum zu durchschauende Sendereihenfolge die Serie, ich wurde älter und kritischer und hörte auf, sie zu gucken. Als ich vor kurzem jedoch in dem Programm von Piper auf einen Krimi von einem der Drehbuchautoren und Entwickler der Serie stieß, dessen Cover schon an die typisch blaue Farbgebung der Serie erinnert, war meine Neugier geweckt – und dankenswerterweise bekam ich ein Rezensionsexemplar. Weiterlesen

Krimi-Kritik: „Schwarzlicht“ von Horst Eckert

Der Düsseldorfer Kommissar Vincent Che Veih wurde gerade zum kommissarischen Leiter der K11 befördert, als er es mit einem brisanten Fall zu tun bekommt: Walter Castorp, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, ist sechs Tage vor der Landtagswahl in einem Swimming Pool ertrunken. Er hatte schon einige Skandale durchlebt, zuletzt wurde ihm vorgeworfen, er hätte im Stile von Watergate die Opposition bespitzelt. Dennoch deutet bei seinem Ableben alles auf einen Unfall hin, aber Vincent will die Ermittlungen gründlich durchführen und entdeckt bald Hinweise auf einen Mord. Also ermittelt er in den höchsten Kreisen von Politik und Prominenz in Düsseldorf – und tritt manchem gehörig auf die Füße.

(c) Wunderlich

(c) Wunderlich

„Schwarzlicht“ ist ein spannender Kriminalroman, in dem Horst Eckert viele aktuelle Themen aufgreift: Das Verhältnis der Bundes- zur Landespolitik beispielsweise, die Versuche der regierenden „Mutti“, unliebsame Konkurrenten aus dem Weg zu befördern, Skandale über illegale Abhörungen, vertuschte Gelder, die zu engen Verbindungen aus Politik und Wirtschaft, die Einmischung der Politik in polizeiliche Ermittlungen und vieles mehr. Von Schwarzgeldkoffern in der Schweiz bis zum Ehrenwort spielt daher fast jeder Skandal der letzten Jahre eine Rolle in dem Kriminalroman – und von Uwe Barschel bis zu Christian Wulff lassen sich auch die jeweiligen Beteiligten wiederfinden. Dabei behält Horst Eckert die Fäden seiner Handlung aber in der Hand und verknüpft sie zu einem spannenden Plot, in dem die Enttarnung der jeweiligen Hintergründe viel Vergnügen bereitet. Weiterlesen

Krimi-Kritik: „Das Fest der Schlangen“ von Stephen Dobyns

„Wenn in einer Kleinstadt ein schreckliches Verbrechen geschieht, ist das eine Tragödie. Ein zweites ist ein Fluch.“

Brewster ist ein kleiner verschlafener Ort in Rhode Island. Normalerweise bekommt es die Polizei dort mit Verkehrssündern und Einbrechern zu tun, doch nun ist im Morgan Memorial Hospital das Baby der 16-jährigen Penny Summers verschwunden und an seiner Stelle fand die Nachtschwester Schlangen im Babybett vor. Schnell macht diese Nachricht die Runde in der Kleinstadt – und es wird nicht bei diesem einen Verbrechen bleiben. Stattdessen sehen sich der reizbare Woody und sein Partner Bobby mit angriffslustigen Kojoten, Satanisten und anderen Kulten konfrontiert, die die Ermittlungen immer undurchschaubarer machen.

(c) C. Bertelsmann

(c) C. Bertelsmann

In seinem Thriller „Das Fest der Schlangen“ stürzt Stephen Dobyns eine Kleinstadt in ein Chaos, das ebenso vollständig wie glaubwürdig ist. Aus einer dezidiert allwissenden Perspektive schildert der Erzähler anfangs das normale Leben in diesem Ort ebenso wie die Verbrechen, kommentiert die Ereignisse und deutet auf spätere Entwicklungen hin. Dabei stellt sich – im Gegensatz zu beispielweise Arne Dahls „Bußestunde“ – im weiteren Verlauf nicht heraus, wer dieser Erzähler ist. Vielmehr entsteht durch diese Perspektive anfangs ein langsames Erzähltempo, das nach gut 50 Seiten deutlich anzieht. Weiterlesen

„Die dunkle Treppe“ von Helen FitzGerald

Vor diesem Buch habe ich fast ein wenig gefürchtet. Dafür haben Klappen- und Pressetext gesorgt, noch dazu habe ich – obwohl ich mich durchaus als hartgesotten bezeichnen würde – immer etwas Probleme mit Folterszenen. Doch als ich Helen FitzGeralds „Die dunkle Treppe“ einmal angefangen hatte, konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen. Wortwörtlich: Ich habe dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen und habe mich willentlich bei einer Verabredung verspätet, weil ich es unbedingt fertig lesen wollte. Deshalb werde ich auch nicht allzu viel über den Inhalt verraten, obwohl er teilweise auf dem Klappentext und auch anderen Besprechungen nachzulesen ist. Doch nach meiner Einschätzung ist „Die dunkle Treppe“ ein Buch, über das man vorab so wenig wie möglich wissen sollte. Weiterlesen

DVD-Kritik: „Fire with Fire“

Jeremy (Josh Duhamel) (c) Universum Home

Der großspurige Feuerwehrmann Jeremy (Josh Duhamel) rettet aus einer brennenden Bar schnell noch eine Kiste teuren Scotch und flirtet mit einer vollbusigen Brünetten, bevor er mit seinen Kollegen einen geruhsamen Abend verbringen will. Doch dann wird der Laden, in dem er kurz ein paar Knabbereien kaufen will, überfallen. Der Ladenbesitzer und sein Sohn werden von dem Gangster David Hagan (Vincent D’Onofrio) erschossen, Jeremy kann fliehen. Er ist entschlossen, Hagan ins Gefängnis zu bringen – und dafür braucht die Polizei (u.a. Bruce Willis) seine Aussage. Aber Hagan ist sehr gefährlich, also kommt Jeremy ins Zeugenschutzprogramm – und wird in den acht Monaten, die er auf den Prozessbeginn warten muss, fast zu einem anderen Menschen. Er verliebt sich in US Marshal Talia Durham (Rosario Dawson) und plant mit ihr eine gemeinsame Zukunft. Aber Hagans Männer haben ihn schon aufgespürt, verletzten seine Freundin und zeigen ihm alle ein für allemal, dass sie ihm auf den Fersen sind. Aber Jeremy lässt sich das nicht bieten und startet einen blutigen Rachefeldzug gegen Hagan.

(c) Universum Home

„Fire with Fire“ könnte ein einfacher, aber unterhaltsamer Rachethriller sein, wären da nicht die Logiklücken im Drehbuch und der beständige Versuch von Regisseur David Barrett, aus Jeremy tatsächlich einen Helden zu machen. Ein Held bräuchte allerdings edelmütigere Motive als Jeremy, der in hölzernen Dialogen stets betont, dass er ja nur die Menschen beschütze wolle, die er liebe. Deshalb werden Jeremy beständig neue Gründe für seinen Rachefeldzug gegeben: Erst will er seine Freundin retten, dann seinen Kollegen rächen und schließlich seine Freunde beschützen. Auf die Idee, dass es zu dem Töten Alternativen gäbe, kommen weder er noch wird es im Drehbuch auch nur angerissen. Vielmehr wird mit schwülstiger Musik unterlegt gezeigt, wie er sich das Blut unter der Dusche abwäscht. Weiterlesen