Schlagwort-Archiv: TDDL

TDDL 2013 – Tag 1 des Lesens um den Bachmannpreis

Heute ging es wieder, das Lesen um den Bachmannpreis, das offiziell „Tage der deutschsprachigen Literatur“ heißt. Drei Tage lang lesen 14 Autorinnen und Autoren aus ihren Texten, die von einer sechsköpfigen Jury interpretiert, gedeutet, bewertet und am Sonntag teilweise ausgezeichnet werden.

Larissa Boehning (c) TDDL2013

Den Auftakt am heutigen ‚Tag des Schamhaars’ (Daniela Strigl) machte Larissa Boehning, die auf Einladung von Meike Feßmann einen Auszug aus ihrem Romanmanuskript „Zucker“ gelesen hat. Darin erzählt sie von einem Versicherungsvertreter, der sich in das Haus und Leben einer an Knochenkrebs erkrankten älteren Dame einschleicht. Während sie ihn mit allerhand altmodischen Köstlichkeiten wie Ochsenzunge und Buttercremetorte versorgt, will er ihr Alleinerbe und endlich reich werden.
Die Zusammenfassung klingt abgründiger als der Text letztlich war. Weiterlesen

Bachmann-Preis 2012 – Preisverleihung und Fazit

Gewinnern des Bachmann-Preises ist Olga Martynova (c) TDDL

Mit der Preisverleihung sind heute die Tage der deutschsprachigen Literatur zu Ende gegangen. Auf die Shortlist wählte die Jury Leopold Federmair, Lisa Kränzler, Inger-Maria Mahlke, Olga Martynova, Stefan Moster, Matthias Nawrat, Matthias Senkel und Andreas Stichmann. Bei der ersten Abstimmung siegte dann denkbar knapp mit vier gegen drei Stimmen Olga Martynova den Bachmann-Preis vor Matthias Nawrat. Damit gab die Jury einem poetischen und spielerischen Text den Vorzug vor einer Familiengeschichte. Olga Martynova wurde verschiedentlich als Favoritin gehandelt und gehörte auch zu meinen Preiskandidaten, da sie einen originellen und sprachlich raffinierten Text vorgelegt hat. Weiterlesen

Bachmann-Preis 2012 – Tag 3 der deutschsprachigen Literatur

Heute war der letzte Tag beim Bachmannpreis-Lesen, aber der Text, der mich richtig begeistert hat, ist weiterhin ausgeblieben. Stattdessen gab es erneut einige Pubertätsgeschichten zu hören – und weiterhin spielten Tiere eine wichtige Rolle.

Matthias Nawrat (c) TDDL

Den Auftakt am dritten Tag machte Matthias Nawrat mit seinem Text „Unternehmer“, in dem er von einer Schrottsammler-Familie im Schwarzwald erzählt. Mit starken Metaphern und gekonnten Wortbildungen entsteht in seiner Geschichte ein eigener Ton, darüber hinaus hat mir auch der starke Gegenwartsbezug gut gefallen: das Sammeln von Altmetall als Geldverdienst, der Traum vom Auswandern und die allgegenwärtige Arbeitslosigkeit. Leichte Schwierigkeiten hatte ich mit der Erzählerin der Geschichte. Sie ist die Tochter dieser Familie, ein fester Bestandteil als Assistentin des Vaters. Dabei wird sie sehr schön eingeführt – wie Hildegard Keller später sagte „aus dem Inneren“ heraus –, allerdings bringt sie die Veränderung in der Handlung von der Altmetall-Sammler-Familie hin zu einer Pubertätsgeschichte. Weiterlesen

Bachmannpreis 2012 – Tag 2 der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt

Die Hunde bleiben weiter präsent in den Texten, die in Klagefurt gelesen werden. Ansonsten aber war dieser zweite Tag stärker als der erste. Leider konnte ich heute keine der Lesungen live sehen, habe aber die Texte gelesen, in den Vortrag reingehört und mir anschließend die Jury-Diskussion angehört – bis auf die Diskussion zu Olga Martynova, dort wurde zweimal die Lesung anstellte der Diskussion eingestellt. Hier greife ich auf die ausführliche Zusammenfassung auf der Homepage des Bachmannpreises zurück.

Inger-Maria Mahlke (c) TDDL

Den Auftakt des heutigen Lesetages machte Inger-Maria Mahlke, die von Burghard Spinnen vorgeschlagen wurde. Ihr Romanauszug erzählt von einer allein erziehenden Mutter, die durch eine Freundin einen Job als Domina vermittelt bekommt. Bei Twitter von Wolfgang Tischer vom Literaturcafé amüsant beschrieben mit: „Das ist jetzt quasi „50 Shades of Grey“ fürs Bachmann-Publikum“, ist der eindringliche Text bei einigen Juroren auf sehr große Resonanz gestoßen. Hildegard Keller betonte die Virtuosität in der Beschreibung der Oberflächen, vermisste aber die Tiefe in dieser Selbstbefragung. Hubert Winkels lobte insbesondere die Perspektivität des Textes, sagt aber auch, dass ihm fast zu viel Geschichte ist. Für Caduff ist es ein eindringlicher Text über Ausweglosigkeit, die von einer Station zur anderen eilt, dagegen bezeichnet ihn Meike Feßmann als sprachlich öde. Mir hat ebenfalls gefallen, dass der Text eindringlich von dem Wunsch nach Kontrolle erzählt. Der Sohn Lukas kontrolliert sein Umfeld, in dem er zwanghaft ordentlich ist und kümmert sich um seine Mutter. Manchmal scheint es, als übernähme er die Verantwortung für sie. Dagegen flüchtet sich die Mutter in einen Waschzwang und bekommt schließlich die Gelegenheit, tatsächlich Kontrolle auszuüben, bleibt aber in ihrer Abhängigkeit. Weiterlesen

Bachmannpreis 2012 – Tag 1 der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt

Heute Morgen begann wieder das Lesen um den Bachmann-Preis in Klagenfurt. Bis Samstag werden 14 Autoren aus bisher unveröffentlichten Texten lesen und sich dem Urteil der Jury stellen. Mein Fazit nach dem ersten Tag: Zahnfehlstellungen als Charakteristikum für weibliche Figuren entwickeln sich zu einem Topos der Literatur und an den nächsten Tagen folgt hoffentlich noch ein Text, der mich begeistert.

Stefan Moster (c) TDDL

Den Anfang am heutigen Tag machte Stefan Moster, der in seinem Vorstellungsvideo erzählt, er habe aus der Angst, seine Sprache zu verlieren, in Finnland mit dem Schreiben deutschsprachiger Romane begonnen. Sein Text „Der Hund von Saloniki“ dreht sich vor allem um das Erinnern und Zuschreiben von Bedeutungen. Einst wurde der Ich-Erzähler seiner Geschichte von einem Hund ins Bein gebissen und hielt dieses Ereignis aufgrund der Umstände für prägend und erinnerungswürdig. Doch nun stellt er Jahrzehnte später im Urlaub mit seiner 17-jährigen Tochter fest, dass er dieses Erlebnis fast vergessen habe. Die Jury Weiterlesen