Schlagwort-Archiv: Schweden

Ein anständiges Leben – „Drifters“ von Peter Grönlund

Schon die ersten Bilder zeigen, dass Minna (Malin Levanon) die Kontrolle über ihr Leben verloren hat. Sie steht inmitten einer unordentlichen, fast verwahrlosten Wohnung und versucht am Telefon eine lästige Anruferin abzuwimmeln, die sie offensichtlich in ihrer Wohnung aufsuchen will. Also erzählt sie ihr, sie hätte ein Vorstellungsgespräch, während sie tatsächlich Drogen in kleine Tütchen verpackt. Es wird klar: Minna spricht mit ihrer Vermieterin, die die fällige Miete haben will. Minna verkauft nun zwar ihre Drogen auf der Straße, aber das Geld reicht nicht. Also bestiehlt sie Tonni (Kalled Mustonen), den „runner“ für den Drogendealer Christer Korsbäck (Jan Mattsson) – und in ihrer Not verdrängt sie, dass hinter Christer andere Männer stehen, mit denen sie sich besser nicht anlegen sollte. Denn die Welt der Verlorenen ist klein in Stockholm. Mit dem gestohlenen Geld will sie ihre Vermieterin nun beschwichtigen, aber sie kommt zu spät, die Wohnung wird bereits geräumt und Minna bleibt nur, ihre Katze und ein paar Sachen zu packen. Sie landet erst auf der Straße, dann in einem Obdachlosenheim und macht dort schließlich die Bekanntschaft mit Katja (Lo Kauppi), die sie überzeugt, sie mit auf einen illegalen Campingplatz zu nehmen und einen Wohnwagen zu teilen.

(c) Filmfest München

(c) Filmfest München

Peter Grönlunds „Drifters“ konzentriert sich auf das Leben von Minna und Katja, das vom Überleben bestimmt. Von der Suche nach einem Bett, nach Geld, nach einem vorübergehenden Zugehörigkeitsgefühl. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen läuft „Drifters“ niemals Gefahr, die Drogensucht oder dieses Leben zu glorifizieren, zu verharmlosen oder zu verdammen. Es ist kein „Snabba Cash“, der den Blick auf das große Ganze lenkt, sondern mit nahezu dokumentarischen Gestus von dem Leben Süchtiger erzählt. Daher geht es hier nicht Macht und Kartelle, sondern um die vorübergehende Ablenkung vom Alltag, die kurze Flucht vor Sorgen und Einsamkeit, liefert der Film keine psychedelische Bilder von Drogentrips, sondern ein Porträt der Menschen, die ihre Sucht nicht aufgeben können und wollen und deshalb auch in Schweden außerhalb des sozialen Rasters bleiben. Denn es wird zwar sehr deutlich, dass es Hilfsangebote, Unterkünfte, Beratungen und Therapieangebote gibt, aber der Entzug ist die Bedingung, die Minna nicht erfüllt. Weiterlesen

Fernsehtipp: „Blutsbande“

Ab dem 9. April läuft bei ARTE die zehnteilige schwedische Serie „Blutsbande“, die 2014 dort sehr großen Erfolg hatte. Hotelbesitzerin Anna-Lisa Waldemar (Stina Ekblad) hat ihre Kinder Jonna (Aliette Opheim) und Lasse (Björn Bengtsson) in ihr Hotel auf Åland eingeladen, das sie mit ihrem Sohn Oskar (Joel Spira) betreibt. Die Kinder sind überrascht von dieser Einladung zum Familienrat – und Anna-Lisa verhält sich äußerst geheimnisvoll. Bevor sie jedoch herausfinden, was hinter dem Verhalten ihrer Mutter steckt, verschwindet sie spurlos …

Getestet: Die Skandinavien-Edition von ebook.de

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Bereits im letzten Jahre habe ich von ebook.de das Angebot erhalten, mir ihre Plattform und skandinavisches Krimi-Angebot anzusehen. Vor zehn Jahren als libri.de gestartet, kann man auf ebook.de gedruckte und elektronische Bücher kaufen, außerdem können mit der Lese-App die E-Books in Sammlungen sortiert und die Angebote von anderen Anbietern der ‚Tolino-Allianz‘ genutzt werden – Thalia, Hugendubel und buecher.de gehen also, Amazon nicht.

Ich hatte die Wahl zwischen Krimi-Länderpaketen (kosten je 9,99 Euro) oder der Skandinavien-Edition mit zehn Kriminalromanen aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland (29,99 Euro) und habe mich für letzteres entschieden. Daraufhin bekam ich einen Gutschein-Code, den ich beim Kauf einlösen konnte.

Der Kaufvorgang verläuft wie bei allen anderen Buchseiten auch: Ich musste ein Konto anlegen, dann habe ich die Edition in den Warenkorb gelegt, bin zur Kasse gegangen, habe den Gutschein eingelöst und konnte die Titel herunterladen – entweder auf einen E-Reader oder in eine der Lese-Apps (dafür habe ich mich entschieden). Die Seite ist sehr übersichtlich und gut zu bedienen, auch der Download klappte ohne Schwierigkeiten. Recht schnell landeten auf diese Weise also zehn Titel auf meinem Handy bzw. Tablet: Weiterlesen

Skandinavische Filme auf der Berlinale 2015

Am Donnerstagabend wird die 65. Berlinale mit Isabel Coixets Film „Nobody wants the night“ eröffnet – und auch ich werde in diesem Jahr vor Ort sein und so viele Filme wie möglich sehen. In der Hauptsektion des Wettbewerbs ist in diesem Jahr leider kein Film aus Skandinavien dabei, obwohl ich ein wenig auf Vinterbergs neuen Film gehofft hatte. Aber in den Nebensektionen sind einige Beiträge zu finden.

 

„Mot naturen“ von Ole Giæver

201507542_1_IMG_FIX_700x700Sehr freue ich mich auf den norwegischen Film „Mot naturen“, auf den ich ein Auge geworfen habe, seit ich das Plakat des Films das erste Mal gesehen habe. In dem Film erzählt Regisseur Ole Giæver von dem 36-jährigen Martin, der ein Wochenende in den Bergen verbringt und sich dabei Gedanken über sein Leben macht. Zur Kritik.

 

„Dyke Hard“ von Bitte Andersson

© Nicklas Dennermalm

© Nicklas Dennermalm

Ebenfalls im Panorama läuft Bitte Anderssons Spielfilmdebüt „Dyke Hard, ein schwedisches „Action Comedy Sci-Fi Musical“ über eine lesbische Rockgruppe, die sich nach oben schlagen will. Mit der Hilfe eines Thaiboxers. Der Film wurde nach Aussage auf der Webseite von einer Gruppe „film nerds in love with trash“ gemacht – und könnte ein großer Spaß werden. Zur Kritik.

 

„Misfits“ von Jannik Splidsboel

© Henrik Ipsen

© Henrik Ipsen

In Tulsa, Oklahoma gibt es 400.000 Einwohner, mehr als 4000 Kirchen und ein schwul-lesbisches Jugendzentrum. Dort treffen sich Jugendliche, die schwul, lesbisch oder transidentisch leben wollen – im amerikanischen „bible belt“.

In seinem dänisch-schwedische Dokumentarfilm „Misfits“ hat Jannik Splidsboel drei Jugendliche in ihrem Alltag begleitet und zeigt Vorurteile, aber auch bedingungslose Unterstützung. Zur Kritik.

 

„Fassbinder – Lieben ohne zu fordern“ von Christian Braad

(c) Dino Raymond Hansen

(c) Dino Raymond Hansen

Der dänische Filmhistoriker Christian Braad war ab 1969 mit Rainer Werner Fassbinder befreundet und hat mit „Fassbinder – Lieben ohne zu fordern“nun  eine Hommage an den Regisseur gedreht, die auf Gesprächen und Interviews basiert. Dabei soll dieser Dokumentarfilm laut Pressetext von „der anhaltenden Aktualität von Mensch und Werk“ zeugen und zur „ästhetischen, kreativen und kritischen Auseinandersetzung“ herausfordern. Mein Kollege Patrick Wellinski war begeistert.

 

„Sume – Mumisitsinerup Nipaa“ von Inuk Silis Høegh

© Jørgen Bovin

© Jørgen Bovin

Und außerdem läuft im Panorama noch der Dokumentarfilm „Sume – Mumisitsinerup Nipaa“, in dem der grönländische Regisseur Inuk Silis Høegh den Einfluss der Rockband Sumé auf den grönländischen Kampf für Autonomie untersucht. Ihre Lieder wurden der Soundtrack der ersten Jugendproteste gegen die Verwaltung durch Dänemark. Dabei haben sie sich selbst in Dänemark zusammengefunden – Malik Høegh und Per Berthelsen studierten in Kopenhagen und gründeten dort die erste Rockband, die auf Gröndländisch sang.

 

„The Look of Silence“ von Joshua Oppenheimer

© Lars Skree

© Lars Skree

Als Berlinale Special läuft „The Look of Silence“, gewissermaßen das Gegenstück zu „The Act of Killing“. Nachdem sich Joshua Oppenheimer dort mit den Tätern beschäftigt hat, die im Auftrag des indonesischen Militärregimes mordeten, geht es in „The Look of Silence“ um die Angehörigen der Opfer.

 

„Virgin Mountain“ von Dagur Kári

© Rasmus Videbæk

© Rasmus Videbæk

Außerdem wird in dieser Reihe noch „Virgin Mountain“ von Dagur Kári zu sein, in dem der isländische Regisseur von dem Gepäckfahrer Fúsi erzählt. Zur Kritik.

 

Kinder- und Jugendfilme

Traditionell finden sich auch wieder einige skandinavische Kinder- und Jugendfilme in der Generation Kplus und Generation 14plus.

In dem schwedischen Film „Flocken“ erzählt Regisseurin Beata Gårdeler von den Folgen eines Vergewaltigungsvorwurfs in einem schwedischen Dorf. Zur Kritik von Rochus Wolff.

In „Min lilla syster“ dreht sich alles im Stella, die einsehen muss, dass ihre bewunderte große Schwester an einer Essstörung leidet. In dem Film hat Sanna Lenken Regie geführt.

Der dänische Animationsfilmer Jannik Hastrup erzählt in „Cykelmyggen og Minibillen“ von dem Käfer Mini, der auf eine abenteuerliche Reise geht.

Sehnsüchtig erwartet wird zudem die Fortsetzung von „Antboy“, die in Berlin ihre Premiere feiert. In „Antboy: Den Røde Furies Hævn“ wartet ein neues Abenteuer auf den Superhelden. Rochus Wolff hat den Film gesehen.

Weltpremiere feiert außerdem „Cirkeln“, die Verfilmung des gleichnamigen Erfolgsromans, in dem sich sechs jugendliche Hexen zusammenschließen, um die Welt zu retten.

Skandinavische Filme auf dem Filmfest München

München, ich komme! In diesem Jahr fahre ich zum ersten Mal zum Filmfest nach München und freue mich schon auf tolle Filme und das Wiedersehen und Kennenlernen von Kollegen. Aus Skandinavien – genauer gesagt aus Schweden, Norwegen und Dänemark – sind insgesamt fünf Filme zu sehen:


(c) Prokino

(c) Prokino

„Når dyrene drømmer“ („When Animals Dream“) aus Dänemark lief bereits in Cannes und wird mit „Låt den rätte komma in“ von Tomas Alfredson verglichen. Regisseur Jonas Alexander Arnby erzählt die Geschichte der Außenseiterin Marie, die mit ihrem Eltern in einem kleinen Küstenort lebt. Sie spürt, dass ihr Körper sich verändert, auch will sie herausfinden, warum ihre Familie nicht über ihre Vergangenheit spricht – und gerät dadurch auf Kollisionskurs mit allen um sie herum. Der Film startet auch regulär am 21. August 2018 in den deutschen Kinos. Zum Trailer. Eine Kritik folgt.



(c) NFI

(c) NFI

„Doktor Proktors Prompepulver“ („Doktor Proktors Pupspulver“) ist ein norwegischer Kinderfilm – und der skandinavische Film, den ich nicht sehen werde. Dabei ist die Geschichte durchaus ansprechend: Lise freundet sich mit dem frechen Bulle an und gemeinsam besuchen sie den schrägen Doktor Proktor, der ein Pupspulver erfunden hat, das nicht nur lautes Furzen hervorruft, sondern einen auch fliegen lässt. Zum Trailer. Zur Kritik von Rochus Wolff.



(c) Paradox

(c) Paradox

Im Mittelpunkt von „Tusen Ganger God Natt“ („A Thousand Times Good Night“) steht die Kriegsfotografin Rebecca, die eines Tages eine Selbstmordattentäterin in Kabul aufnimmt und bei dem Anschlag schwer verletzt wird. Zurück in ihrer Heimat stellt sie ihr Mann daher vor die Wahl zwischen Beruf und Familie. Der norwegische Regisseur Erik Poppe hat selbst als Kriegsfotograf gearbeitet, daher bin ich sehr gespannt, wie er von diesem Beruf erzählt. Zum Trailer. Zur Kritik.



Im Wasser

Im Wasser

Die norwegisch-schwedische Ko-Produktion „The Quiet Roar“ von Henrik Hellström erzählt von der sterbenskranken Marianne, die mithilfe psychoaktiver Drogen eine wichtige Episode in ihrer Vergangenheit noch einmal erleben möchte. Mit wenig Dialogen und teilweise beeindrucken Bildern ist dieser Film, den ich vorab bereits sehen konnte, eine berührende Meditation über das Leben und die Lieben. Zum Trailer. Zur Kritik.



Bergmans Fernsehzimmer

Bergmans Fernsehzimmer

Und schließlich ist in München noch die schwedische Dokumentation „Trespassing Bergman“ zu sehen, in dem unter anderem Claire Denis, Martin Scorsese, Woody Allen, Lars von Trier, Michael Haneke und Ang Lee erzählen, wie Ingmar Bergman sie beeinflusst hat. Da ich gerade selbst mitten in einer kleinen Bergman-Werkschau stecke, freue mich schon sehr auf diesen Film. Zum Trailer. Zur Kritik.

Das Filmfest geht vom 27.06. bis 05.07.2014 und alle weiteren Informationen über Filme, Kinos und mehr sind hier zu finden.

Berlinale 2014 – Filme aus Skandinavien

Insgesamt 13 Filme aus Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland werden bei der Berlinale vom 6. bis zum 16. Februar zu sehen sein. Abgesehen von den Kinder- und Jugendfilmen werde ich versuchen, alle während meines Berlinale-Aufenthalts zu sehen, Kritiken zu den Filmen folgen also hoffentlich. Vorab aber schon einmal eine kurze Vorstellung der jeweiligen Filme und – so weit bereits verfügbar – Trailer.

Update: Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich leider nicht zur Berlinale fahren. Deshalb hoffe ich jetzt sehr auf Kino- und DVD-Starts der Filme.

„Kraftidioten“ von Hans Petter Moland

Im Wettbewerb läuft der Film „Kraftidioten“ von Hans Petter Moland, der bereits im Jahr 2010 mit „En ganske snill mann“ („Ein Mann von Welt“) bei der Berlinale war. Abermals arbeitet er mit Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson und Hauptdarsteller Stellan Skarsgård zusammen, außerdem sind Birgitte Hjort Sørensen („Marie Krøyer“), Bruno Ganz, Pål Sverre Hagen („Kon-Tiki“), Jakob Oftebro und Tobias Santelman dabei. Laut Pressetext ist der Film eine „blutig-schwarze Komödie voller großer Bilder einer winterlich-weißen, schier endlos wirkenden Landschaft“.

„Blind“ von Eskil Vogt

In der Panorama-Sektion ist meines Erachtens der interessanteste skandinavische Beitrag zu finden. „Blind“ ist das Regiedebüt von Eskil Vogt, der mir vor allem als Drehbuchautor von Joachim Triers Filmen „Reprise“ und „Oslo, 31. August“ in Erinnerung ist. Beide Filme fand ich außergewöhnlich gut, deshalb freue ich mich sehr auf diesen Film, in dem Eskil Vogt mit „Schein und Sein spielt“ und „Plot-Konventionen ad absurdum“ führt. Außerdem hat er gerade den Drehbuch-Preis beim Sundance-Festival gewonnen.

„Concerning Violence“ von Schweden Göran Olsson

(c) Lennart Malmer

(c) Lennart Malmer

Ebenfalls im Panorama läuft der Dokumentarfilm „Concerning Violence“ des Schweden Göran Olsson, der vor drei Jahren mit „Black Power Mixtapes 1967-1975“ ebenfalls in Berlin war. In seinem Film zeigt er abermals Archivbilder von schwedischen Dokumentarfilmern und Fernsehjournalisten, dieses Mal wurden sie zwischen 1966 und 1984 in Afrika aufgenommen und zeigen die Freiheitskämpfe in sechs afrikanischen Staaten.

„En du elsker“ von Pernille Christensen Fischer

(c) Rudolf Konow, Zentropa

(c) Rudolf Konow, Zentropa

Als Special Screening ist „En du elsker“ („Someone you love“) von der dänischen Regisseurin Pernille Christensen Fischer zu sehen, deren „Eine Familie“ ebenfalls bei der Berlinale 2010 lief und damals den FIPRESCI-Preis erhalten hat. Mit Trine Dyrholm, Brigitte Hjort Sjørensen und Mikael Persbrandt prominent besetzt erzählt sie in ihrem Film die Geschichte des Sängers Thomas Jacob, der sich plötzlich um seinen Enkel kümmern muss. Das Drehbuch hat sie mit Kim Fupz Aakeson geschrieben.

„Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann“ von Felix Herngren

(c) Concorde Filmverleih

(c) Concorde Filmverleih

Ein weiteres Special Screening ist „Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann“ („Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“) von Felix Hergren. Der Film basiert natürlich auf dem gleichnamigen Bestseller von Jonas Jonasson und wird am 20. März in den deutschen Kinos starten. Der deutschsprachige Trailer ist bei kino-zeit.de zu sehen.

Sehr stark ist das skandinavische Kino bei den Kinder- und Jugenfilmden vertreten, inklusive der Ko-Produktionen sind es sechs Beiträge:

„Beyond Beyond“ von Esben Tof Jacobsen

In der Generation Kplus ist „Beyond Beyond“ von Esben Tof Jacobsen zu sehen, der 2007 und 2011 mit seinen Animationsfilmen „Having a brother“ und „The Great Bear“ in Berlin war. Sein neuer Film ist ein animiertes 3D-Familienabenteuer, in dem ein kleiner Junge seine Mutter vermisst und seinen Vater vor dem Federkönig verteidigt.

„Emil & Ida i Lönneberga“ von Per Åhlin, Alicja Jaworski Björk und Lasse Persson

Bei „Emil & Ida i Lönneberga“ ( Regie: Per Åhlin, Alicja Jaworski Björk und Lasse Persson) führt Astrid Lindgrens Erzählstimme durch die Animation des hierzulande als Michel bekannten Jungen aus Lönneberga. Rochus vom Kinderfilmblog hat den Film bereits gesehen.

„MGP Missionen“ von Martin Miehe-Renard

(c) Karin Tengberg

(c) Karin Tengberg

In „MGP Missionen“ („The Contest“) von dem dänischen Regisseur Martin Miehe-Renard muss Karl mit seiner Mutter nach Kopenhagen ziehen. Die Stadt gefällt ihm nicht, in der Schule ist der Junge vom Land ein Außenseiter. Aber dann findet in Sawsan – einem Mädchen aus einer türkischen Familie – eine Freundin, die ihm das Großstadtleben näherbringt. Und auch sie hat Probleme: Sie träumt davon, an einer Castingshow teilzunehmen. Aber ihr Vater ist dagegen. Ein Trailer des Films ist auf der Seite des dänischen Filminstituts zu sehen.

„Midden in de Winternacht“ von Lourens Blok

„Midden in de Winternacht“ („A Christmoose Story“) erzählt die Geschichte des von Max, in dessen Scheune ein sprechender Elch landet. Und das ausgerechnet kurz vor Weihnachten! Der Film basiert auf Andreas Steinhöfels Roman „Es ist ein Elch entsprungen“.

„Ömheten“ von Sofia Norlin

In der Generation 14plus – also Filme, die für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen sind, ist „Ömheten“ von Sofia Norlin zu sehen. In dem Spielfilmdebüt der schwedischen Regisseurin stehen Jugendliche aus Kiruna im Mittelpunkt, deren Leben von dem Aktivitäten der Minengesellschaft vor Ort bestimmt wird.

„Obietnica“ („The Word“) von Anna Kazejak
Außerdem läuft dort die polnisch-dänische Koproduktion „Obietnica“ („The Word“) von Anna Kazejak, in der sie von der Beziehung zwischen Lia und Janek erzählt. Es kriselt zwischen ihnen, aber Lila will Janek eine letzte Chance geben – unter einer Bedingung …

Und dann laufen noch zwei skandinavische Filme im Rahmen der Retrospektive bzw. des Filmprogramms zu Karl Baumgartner:

„Hævnens Nat“ von Benjamin Christensen
In der Retrospektive läuft zudem „Haevnens Nat“ („Die Nacht der Rache“) des Dänen Benjamin Christensen, dessen für damalige Zeiten innovative Licht- und Schattensetzung den Boden für künftige Horrorfilme bereitete.

„Boheemielämää“ von Aki Kaurismäki
Karl Baumgartner wird in diesem Jahr mit der Berlinale Kameria ausgezeichnet. Aus diesem Anlass wird auch der einzige finnische Film gezeigt: „Boheemielämää“ („Das Leben der Bohème“ von Aki Kaurismäki ist der Auftakt der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und Produzenten – und dieser Film wurde auf der Berlinale 1992 mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet.

Guldbagge Awards 2014

Alle schauen in die USA und reden über die Preise der Produzentenvereinigung oder die Oscar-Nominierungen. Dabei wurden auch gerade in Schweden die alljährlichen Guldbagge Awards vergeben – also quasi das schwedische Pendant zum Oscar oder zum deutschen Filmpreis, allerdings mit deutlich höherem Frauenanteil unter den Preisträgern.

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Die Gewinner sind:

Bester Film: „Återträffen“ („The Reunion“) (Produzentin: Mathilde Dedye)
Bester Kurzfilm: „On Suffocation“ (Regisseurin: Jenifer Malmqvist)
Bester Dokumentarfilm: „Belleville Baby“ (Regisseurin: Mia Engberg)
Bester Regie: Per Fly für „Monica Z“ („Waltz for Monica“)
Beste Hauptdarstellerin: Edda Magnason für ihre Rolle als Monica Zetterlund in „Monica Z“ („Waltz for Monica“)
Bester Hauptdarsteller: Mikael Persbrandt für seine Rolle als Hasse in „Mig äger ingen“ („Nobody Owns Me“)
Beste Nebendarstellerin: Anna Bjelkerud für ihre Rolle als Pernilla in „Hotell“
Bester Nebendarsteller: Sverrir Gudnason für seine Rolle als Sture Åkerberg in „Monica Z“ („Waltz for Monica“)
Bestes Drehbuch: Anna Odell für „Återträffen“ („The Reunion“)
Beste Kamera: Petrus Sjövik für „Omheten“ („Broken Hill Blues“)
Bester Schnitt: Håkan Wärn für „Känn ingen sorg“ (Shed No Tears)
Beste Kostüme: Kicki Ilander für „Monica Z“ („Waltz for Monica“)
Bester Sound: Mattias Eklund für „Känn ingen sorg“ (Shed No Tears)
Bestes Make-up: Lisa Mustafa für „Vi är bäst“ („We Are the Best!)
Beste Musik: Matti Bye für „Faro“ („Sanctuary“)
Bestes Set-Design: Paola Holmér und Linda Janson für „Vi är bäst“ („We Are the Best!)
Bester fremdsprachiger Film: „La vie d’Adèle : Chapitres 1 et 2“ (Regisseur: Abdellatif Kechiche)
Best Achievement: Owe Svensson, sound mixing
Gullspira (Award for extraordinary contributions in films for children): Lukas Moodysson (Regisseur von für „Vi är bäst“ („We Are the Best!))
Lifetime Achievement Award: Kalle Boman, Produzent
Publikumspreis: „Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann“ („Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“)

Krimi-Kritik: „Gottes Zorn“ von Olle Lönnaeus

(c) Rowohlt

(c) Rowohlt

Mitten in der Nacht erhält der betrunkene Joel Lindgren einen Anruf von seinem Vater Mårten, zu dem er seit Jahrzehnten kein Kontakt mehr hat. Nun stammelt er nur „Komm her. Es ist eilig. Mir bleibt nicht mehr viel Zeit …“ ins Telefon. Widerwillig macht sich Joel auf den Weg, kämpft sich durch einen Schneesturm, legt sich fast mit einem Wildschwein an und kommt schließlich am Haus des Vaters an. Doch seine unterdrückten Befürchtungen werden bestätigt: Sein Vater hängt tot von der Decke im Wohnzimmer. Joel fällt in Ohnmacht – und als er wieder aufwacht, kommt die Erinnerung: „Er hatte die Leiche berührt, daran erinnerte er sich. Voller Grauen war er darauf zugegangen und hatte seine Finger auf eine herabhängende Hand gelegt. Sie war kalt, genau wie er es vermutet hatte. So viel wusste Joel über Tote: Man sieht innerhalb eines Augenblicks, ob es bereits zu spät ist.“

Ansonsten weiß Joel aber nicht allzu viel – weder über sich selbst noch über seinen Vater. Im Alter von 18 Jahren hat er seinen Heimatort verlassen und für ein Jahr bei einer Sekte gelebt, in der er Halt und vermeintliche Orientierung fand. Schließlich fühlte er sich dort beengt, verließ die Sekte und traf eine Frau, aber die Ehe scheitere, weil er keine Kinder wollte. Durch den Tod des Vaters wird er nun mit seinen diffusen Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend konfrontiert, die vor allem von seinem gewalttätigen Vater und dem Weggang der Mutter bestimmt sind. Als er jedoch beginnt, im Leben seines Vaters herumzuwühlen und mit Menschen zu sprechen, die seinen Vater besser kanten, geraten diese Erinnerungen ins Wanken. Allmählich erkennt er, dass er trügerischen Wahrnehmungen unterlegen war.

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Krimi-Kritik: „Korrupt“ von Robert Kviby

„Sie würde noch mehr Gründe zum Weinen haben, die Frau, die schluchzend neben dem noch nicht getrockneten Blutfleck des Ministerpräsidenten stand.“ Dessen ist sich der Erzähler von Robert Kvibys „Korrupt“ sicher. Denn der Mord an Olof Palme ist Ausgangspunkt des Aufstiegs von „neuen Zysten der schmutzig grauen Machtamöbe“, die sich in Schweden dank starker Allianzen und schweigender Polizei breit macht. Und mit einem Teil dieser Machtamöbe stößt die Polizeireporterin Annie Lander zusammen, als sie über eine Mordserie an Prostituierten schreiben will.

(c) Rowohlt

(c) Rowohlt

In dem Auftakt der Reihe um die Polizeireporterin Annie Lander und ihren Mann Max greift Robert Kviby auf bewährte Zutaten zurück: Eine Reporterin als Hauptfigur, sexuelle Folterungen von Prostituieren und die Verstrickung von Politik und Wirtschaft erinnern an Stieg Larssons „Millenium“-Trilogie und die Rolle der Balkan-Mafia lässt an Jens Lapidus‘ „Snabba Cash“-Reihe denken. Dadurch gerät gerade die erste Hälfte des Romans formelhaft: Annie ist schön, begehrt, klug und mutig; ihre Mutter wurde umgebracht, als sie noch ein Kind war. Ihr Mann Max ist als Jazzmusiker natürlich melancholisch, introvertiert und rastlos. Dennoch war es Liebe auf den ersten Blick, nun ist Annie schwanger – und sie könnten glücklich sein, würde Max nicht zu viel trinken und Annie zu viel arbeiten. Derzeit recherchiert sie in einer Serie von ungeklärten Mordfällen an Prostituierten. Dabei kommt sie einer Verschwörung auf die Spur, die bis in die höchsten Kreise der schwedischen Gesellschaft reichen. Ihr Hauptverdächtiger ist ein schwerreicher Industrieller, der zurückgezogen lebt. Er ist Chef eines Herrenbundes, der in Schweden das Sagen hat, aber weitgehend im Verborgenen agiert. Diese mächtigen Männer lassen sich von einer Reporterin jedoch nicht einschüchtern – und so gerät Annie in Lebensgefahr.

Die Verdächtigen sind in „Korrupt“ schnell ausgemacht, auch sind die privaten Schwierigkeiten von Annie und Max eher der Konvention denn dem Plot geschuldet. Glücklicherweise folgt dann jedoch eine Wendung, die originell und witzig ist, auch am Ende Ende wagt sich Robert Kviby ein wenig aus den Genreregeln heraus. Dadurch ist „Korrupt“ als Auftakt einer Reihe durchaus unterhaltsam – sofern sich Robert Kviby hier ebenfalls an Larsson und Lapidus hält. Deren Serien endeten nach drei Teilen.

Robert Kviby: Korrupt. Übersetzt von Lotta Rüegger und Holger Wolandt. Rowohlt 2013.

Ein Film über Zwangsprostitution – „Lilja-4-ever“ von Lukas Moodysson

Lilja (Oksana Akinschina) auf der Flucht (c) Arsenal

Lilja (Oksana Akinschina) auf der Flucht (c) Arsenal

Der Film „Lilja-4-ever“ beginnt mit seinem Ende: Ein verprügeltes Mädchen läuft die unwirtlichen Straßen einer Stadt entlang, dazu erklingt Rammstein mit „Mein Herz brennt“. Das Mädchen ist verstört, orientierungslos und steigt schließlich auf das Geländer einer Autobahnbrücke. Dann folgt eine Einblendung: Drei Monate früher, irgendwo in der ehemaligen Sowjetunion. Die junge Frau ist die 16-jährige Lilja, die ihrer Freundin freudestrahlend erzählt, dass sie die trostlose Satellitenstadt verlassen und mit ihrer Mutter sowie ihrem Stiefvater nach Amerika gehen wird. Ihre Freundin ist neidisch, verspricht Amerika doch Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Es folgt die Ernüchterung: Liljas Mutter verkündet, dass sie ohne sie gehen wird und belässt sie in der Obhut ihrer Tante, die sie als erstes aus der Wohnung schmeißt.

Zerstörte Hoffnungen

In der Hochhaussiedlung (c) Arsenal

In der Hochhaussiedlung (c) Arsenal

Damit beginnt Liljas unaufhaltsamer Weg in den Abgrund. Anfangs findet sie noch Halt bei Freunden und hofft auf den Brief der Mutter, die sie irgendwann nachholen will. Mit einer Freundin fährt sie in die Innenstadt, dort hat diese Sex gegen Geld mit einem älteren Mann. Lilja sagt, sie würde es nie machen. Doch als bei ihrer Freundin das Geld entdeckt wird, behauptet diese, Lilja habe es ihr gegeben. Dadurch wird sie für eine Prostituierte gehalten, ihre Freunde wenden sich ab und auch der Brief der Mutter bleibt aus. Dennoch will Lilja sich behaupten, ritzt trotzig das titelgebende „Lilja-4-ever“ in eine Bank. Als das Geld knapp wird, folgt Lilja dem Beispiel ihrer verräterischen Freundin, fährt in die Stadt und lässt sich für Sex bezahlen. Anschließend übergibt sie sich vor lauter Selbstekel, als sie aber das Geld ausgibt, versucht sie sich darüber zu freuen. Dann folgt eine leider allzu bekannte Geschichte: Beim nächsten Mal lernt sie in dem Club einen netten jungen Mann kennen, der ihr eine Zukunft in Schweden verspricht. Sie glaubt ihm und landet schließlich in einer anonymen Hochhaussiedlung, eingeschlossen in einer Wohnung, aus der sie nur herausgeholt wird, wenn sie zu einem Freier gebracht wird. Weiterlesen