Schlagwort-Archiv: Nordische Filmtage

Roy Andersson (c) SFI

Kurzkritiken zu den Filmen der Nordischen Filmtage 2015, Teil 2

Und nach dem ersten Teil folgt hier die Fortsetzung der Kurzkritiken:

„Kapgang“ („Speed Walking“) von Niels Arden Oplev

©Photo: Rasmus Videbaek

©Photo: Rasmus Videbaek

Coming-of-Age-Gescichte eines 14-jährigen Jungen, dessen Mutter kurz vor seiner Konfirmation stirbt und der fortan gleichzeitig mit seiner Trauer und aufkeimenden Gefühlen sowohl für eine Klassenkameradin als auch seinen besten Freund konfrontiert wird. Durchaus ergreifend, aber insgesamt zu lang. Außerdem werden wie bei „Itsi Bitsi“ komische Szenen eingestreut, die den Film auflockern sollen – und auch hier geht es dabei meist um Sex.

„Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ von Roy Andersson

(c) Neue Visionen

(c) Neue Visionen

Ein wunderbar skurriler Film über die Absurditäten des Alltags, der großartige Momente und Tableaus schafft und den lustigsten running gag des Kinojahres hat. Dabei bleibt einem am Ende bei manchen Szenen das Lachen doch sehr im Halse stecken – und Roy Andersson vermag dem Geschehen und den Bildern immer eine Wendung zu geben. Das ist Film als Kunst! (Und selten habe ich im Nachhinein zu einem Film derart unterschiedliche Meinungen gehört.)

„Mein Leben unter der Regie von Nicolas Winding Refn“ von Liv Corfixen

©Photo: Tiberius

©Photo: Tiberius

Mit ihren zwei Kindern hat Liv Corfixen ihren Ehemann Nicolas Winding Refn zu den Dreharbeiten zu „Only God Forgives“ nach Thailand begleitet und ihre Aufenthalt dort gefilmt, um sich selbst mit der Frage auseinanderzusetzen, ob sie fortan nur die „Ehefrau von …“ sein will. Der Film liefert aber vor allem interessante Einblicke in die Arbeit von Winding Refn – und somit stellt sich leider durchaus die Frage, ob dieser Film nicht doch eher Selbstvermarktung denn Auseinandersetzung mit Rollenbildern ist.

„Turist“ („Höhere Gewalt“) von Ruben Östlund

©Photo: Fredrik Wenzel

©Photo: Fredrik Wenzel

Durch eine Lawine wird eine gut situierte schwedische Familie in ihren Grundfesten erschüttert. Formal strikter, streng durchdachter Film über moderne Rollenbilder, der nach dem Abspann zu Diskussionen führt – und einige beeindruckende Bilder bietet. Dabei bietet der Filme verschiedene Ansatz- und Interpretationspunkte, die einen noch lange beschäftigen.

„Morgen ist auch noch ein Tag“ von Johan Carlsson und Pehr Arte

Roy Andersson (c) SFI

Roy Andersson (c) SFI

Johan Carlsson und Pehr Arte haben die Dreharbeiten zu Roy Anderssons „Das jüngste Gewitter“ begleitet und geben mit ihrer Dokumentation sehr aufschlussreiche Einblicke in die Arbeitsweise des schwedischen Regisseurs, dessen Filmproduktionen immer mehrere Jahre dauern. Dabei fängt der Film Anderssons Akribie, den kunstvollen Setbau seiner Filme, die begrenzten Mittel und nicht zuletzt die Arbeit im Team sehr interessant ein und ist somit ein sehr guter Einstieg in die Welt des Roy Andersson.

„Brev til kongen“ („Brief an den König“) von Hisham Zaman

(c) NFI

(c) NFI

Flüchtlinge aus einem Heim machen einen Tagesauflug nach Oslo und nutzen die Zeit für Rendezvous, Abrechnungen und Hilfsgesuchte. Das Drehbuch ist nicht ganz ausgereift, die schauspielerischen Leistungen differieren sehr und der Rhythmus stimmt nicht immer. Aber Hisham Zaman gewinnt seinem Thema interessante Aspekte ab, außerdem ist in den Bildern sein Talent oft zu erkennen. Ich bin auf weitere Filme von ihm gespannt.

„Blind“ von Eskil Vogt

(c) NFI

(c) NFI

Ein kunstvoll erzählter Film über eine Frau, die erblindet ist und ist nun mit ihrer neuen Situation abfinden muss. Das Spiel mit den Ebenen und Bildern ist gelungen, zumal Eskil Vogt dabei stets sehr nah bei seinen Figuren ist. Dabei bleibt er die ganze Zeit in einem hermetischen Ort – und schafft doch eine gute Atmosphäre. Auch seine Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie.

„Beatles“ von Peter Flinth

(c) NFI

(c) NFI

Die Verfilmung des Buches „Yesterday“ erzählt die Geschichte vierer Jungs im Norwegen der 1960er Jahre, die gerne genauso wie die Beatles wären. Viele Szenen sind zu lang, so dass die Lauflänge von 120 Minuten mühelos hätte gekürzt werden können. Hier fehlt eine klare Handschrift, dennoch ist der Film überraschend unterhaltsam. Dazu trägt sicherlich die Spielfreude aller Beteiligten bei. Allerdings bleibt stets der Eindruck, der Filme versuche zu sehr die Zeit wieder lebendig werden zu lassen.

„Fasandræberne“ („Schändung – Vergessene Spuren“) von Mikkel Nørgaard

© Christian Geisnaes

© Christian Geisnaes

Gut dreiviertel des Films macht Mikkel Nørgaard in seiner Verfilmung von Jussi Adler-Olsens Krimi vieles richtig, doch dann verliert er sich in der oberflächlichen Darstellung von Gewalt und Klischees. Dadurch geht die Spannung verloren – und man stellt sich die Frage, ob traumatisierte Rächerinnen grundsätzlich dunkle Kapuzenpullis tragen und dunkelhaarig sind.

„Klumpfisken“ („Mondfisch“) von Søren Balle

Kesse (Henrik Birch) (c) DFI

Kesse (Henrik Birch) (c) DFI

Fast eine Stunde lang ein erstaunlich unterhaltsamer und dank pointierte Dialoge lustiger Film über einen Fischer, der sich in eine Wissenschaftlerin verliebt und gegen den finanziellen Ruin kämpfen muss. Leider folgen unnötige, vorhersehbare Verwicklungen, so dass der Film seinen Charme verliert.

Eik (Hera Hilmarsdottir) (c) IFC

Kurzkritiken zu den Filmen der Nordischen Filmtage 2015, Teil 1

Jedes Jahr will ich zu den Filmen, die ich während der Nordischen Filmtage sehe, wenigstens kurz etwas schreiben. Allerdings bleibt während des Festivals nur wenig Zeit, da ich beständig in irgendeiner Schlange stehe oder im Kino sitze und auf den nächsten Film warte. In diesem Jahr habe ich es aber immerhin geschafft, mir zu allen gesehenen Filmen ein paar Notizen zu machen.

„1001 Gramm“ von Bent Hamer

Marie (Ane Dahl Torp) © BulBulFilm JohnChristianRosenlund

Marie (Ane Dahl Torp) © BulBulFilm JohnChristianRosenlund

Eine Tragikomödie über eine Wissenschaftlerin beim norwegischen Eichamt, die ihr eigenes Leben neu kalibrieren muss. Gut gespielt insbesondere von Hauptdarstellerin Ane Dahl Torp, unterhält „1001 Gramm“ mit typischen Bent-Hamer-Humor und vielen gut komponierten Einstellungen. Insgesamt ist die Geschichte aber zu vorhersehbar – und das Ende zu einfach.

„Miss Julie“ (Fräulein Julie) von Liv Ullmann
Warum verfilmt man ein Theaterstück, wenn man kaum filmische Mittel einsetzt? Liv Ullmanns Strindberg-Adaption ist statisches Theaterkino, viel zu lang und trotz der guten Hauptdarsteller langweilig. Lediglich am Anfang und Ende ist zu erkennen, was mit dieser Geschichte möglich gewesen wäre – vor allem, wenn sie inhaltlich abgewichen und es dadurch modernisiert hätte.

„Svenskjævel“ („Schwedenbastard“, „Underdog“) von Ronnie Sandahl

© Photo: Ita Zbroniec-Zajt

© Photo: Ita Zbroniec-Zajt

Viele gute Ansätze sind in diesem Debüt über eine Schwedin zu finden, die in Norwegen arbeiten will. Leider entscheidet sich Regisseur und Drehbuchautor Ronnie Sandahl aber dann die letztlich weniger interessante (Liebes-)Geschichte, statt dem Verhältnis der weiblichen Figuren zueinander nachzuspüren. Abgesehen davon bietet „Svenskjævel“ aber einen frischen Blick auf Jugendalkoholismus und das Verhältnis der Schweden und Norweger.

„Paris nordursins“ („Paris des Nordens) von Hafsteinn Gunnar Sigurdsson

Hugi (Bjorn Thors) joggt in den Westfjorden ©Photo: IFC

Hugi (Bjorn Thors) joggt in den Westfjorden ©Photo: IFC

Man hat nur ein Leben – mit dieser simplen Botschaft lässt sich Hafsteinn Gunnar Sigurdssons Film über einen Alkoholiker zusammenfassen, der sich in ein isländisches Dorf geflüchtet hat und dort Besuch von seinem Vater bekommt. Die Vater-Sohn-Beziehung ist wenig interessant, die Treffen der Anonymen Alkoholiker in einem Ort, in dem jeder jenen kennt, schon eher. Die Musik ist ebenfalls gut, insgesamt aber fehlt dem Film Struktur und Originalität.

„Itsi Bitsi“ von Ole Christian Madsen

Eik (Joachim Fjelstrup) und Iben (Marie Tourell Søderberg) (c) DFI

Eik (Joachim Fjelstrup) und Iben (Marie Tourell Søderberg) (c) DFI

Ole Christian Madsen („SuperClásico“) ist einer der kommerziell erfolgreichsten Regisseure Dänemarks und mit „Itsi Bitsi“ wird er zumindest in seinem Heimatland wohl großen Erfolg haben. Er erzählt die Geschichte des Rebellen Eik (Joachim Fjelstrup), der sich im Dänemark der 1960er Jahre unsterblich in Iben (Marie Tourell Søderberg) verliebt, mit Drogen und Sex experimentiert und schließlich den titelgebenden Rocksong schreibt. Durch die Beschränkung auf Eiks Perspektive bleibt der Film unausgeglichen und die Liebe eher Behauptung, außerdem will Madsen der Düsternis der Geschichte mit komischen Szenen entgegensteuern, in denen es meist um Sex geht, der dadurch zum Slapstick wird. Hier hätte dem Film ein wenig mehr Ernsthaftigkeit gut getan.

„Hallåhallå“ („Hallohallo“) von Maria Blom

Disa (Maria Sid) © Photo: Peter Widing/Memfis Film

Disa (Maria Sid) © Photo: Peter Widing/Memfis Film

Eine Frau wird von ihrem Mann verlassen – und es folgt eine Coming-of-Age-Geschichte einer rund 40-jährigen, die Maria Blom mit Witz, Charme und einer tollen Hauptdarstellerin erzählt. Insgesamt ist der Film ein wenig zu weichgespült, aber dank einiger schöner Genre-Abweichungen und seiner Bodenständigkeit unterhält er gut. Daher war es wenig überraschend, dass er bei den Nordischen Filmtagen den Publikumspreis erhält.

„Lev stærkt“ („Im roten Bereich“) von Christian E. Christiansen

Martin (Jakob Oftebro), Nikolaj (Cyron Melville) und Signe (Danica Curcic) (c) DFI

Martin (Jakob Oftebro), Nikolaj (Cyron Melville) und Signe (Danica Curcic) (c) DFI

Zwei Kindheitsfreunde fahren Autorennen, an einem Unfall und einer Frau droht ihre Freundschaft zu zerbrechen. Christian E. Christiansen konnte sich in seinem Film nicht entscheiden, ob er einen Actionfilm oder ein Sozialdrama drehen will und dadurch stimmt die Atmosphäre nicht. Außerdem werden seine beiden Hauptdarsteller mühelos von Danica Curcic mühelos an die Wand gespielt, so dass man an ihr weit mehr Anteil nimmt als an den beiden Jungen.

„Vonarstræti“ („Life in a Fish Bowl“) von Baldvin Z

Eik (Hera Hilmarsdottir) (c) IFC

Eik (Hera Hilmarsdottir) (c) IFC

Klarer Höhepunkt bei den Nordischen Filmtagen. Authentisch, aufrichtig und ergreifend erzählt Baldvin Z von drei Menschen in Island vor der Finanzkrise. Großartig gespielt insbesondere von Hera Hilmarsdóttir und Thorsteinn Bachmann zeigt dieser Film, dass gute Musik, großartiges Licht und gute Schauspieler fantastische Momenten schaffen können.

NLF Logo 2014 o.D

Ausblick: Die Nordischen Filmtage 2014

Bei der Zusammenstellung eines Programms für ein Filmfestival gehe ich normalerweise folgendermaßen vor: Zuerst suche mir alle skandinavischen Filme (inklusive Finnland und Island) heraus und trage sie in den Plan ein. Dann folgen Literaturverfilmungen und alle anderen Filmen, die mich interessieren bzw. über die ich schreibe. Nur bei den Nordischen Filmtagen funktioniert dieses Vorgehen nicht, denn hier laufen abgesehen von einigen norddeutschen Filmen ausschließlich Filme aus Nordeuropa. Fünf Tage lang schaue ich also nordeuropäische Filme, schreibe und rede über sie. Und heute geht es wieder los.

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Eröffnungsfilm ist der norwegischer Film „1001 Gramm“, in dem Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Bent Hamer von Marie (Ane Dahl Torp) erzählt, die im norwegischen Eichamt arbeitet und in diesem Jahr das erste Mal nach Frankreich reist, um das norwegische Referenzkilo neu kalibrieren zu lassen. Dabei schlägt er einen ruhigen Ton, die Komik entsteht fast ausschließlich durch die Bilder und insbesondere hat mir gefallen, dass er beständig die Seherwartungen unterläuft.

Bereits in Cannes bzw. Venedig liefen „Turist“ („Höhere Gewalt“) und „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“, die nun auch in Lübeck gezeigt werden. Beide Filme haben – ebenso wie „1001 Gramm“ – einen Kinostart in Deutschland. Außerdem freue ich mich noch sehr auf „Kapgang“ von Niels Arden Oplev, der mit „Verblendung“ einen guten Film gemacht hat, und „Paris nordurins“ von Hafsteinn Gunnar Sigurdsson, dessen „Á annan veg“ mir vor zwei Jahren sehr gut gefallen hat.

Gehofft hatte ich noch auf „Sorrow and Joy“, in dem sich der dänische Regisseur Nils Malmros mit dem Tod seines Kindes auseinandersetzt, das von seiner Frau getötet wurde. Aber leider ist der dänische Oscar-Kandidat nicht in Lübeck zu sehen. Aber aus fast allen Ländern sind etablierte und neue Namen dabei, es laufen im Vorfeld bereits bekannte Filme und hochspannende Experimente wie „My Life directed by Nicolas Winding Refn“ von Liv Corfixen. Sie ist mit Refn verheiratet und hat ihn während der Dreharbeiten zu „Only God Forgives“ gefilmt und soll sich laut Pressetext in dem Film auch mit ihrer Wahrnehmung als „Frau von“ auseinandersetzen. Ich werde berichten – und freue mich nun erst einmal auf meinen ersten Film: „Miss Julie“ von Liv Ullmann.

(c) NFL

Zum Beginn der Nordischen Filmtage 2013 – Übersicht und Verlosung

"Von Pferden und Menschen" (c) IFC

„Von Pferden und Menschen“ (c) IFC

Heute beginnen in Lübeck die 55. Nordischen Filmtage 2013 – und ich bin bereits auf dem Weg in die Hansestadt. Von heute bis Sonntag werden dort 160 Filme aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Island, Lettland, Estland und Litauen gezeigt. Den Auftakt macht der isländische Film „Von Pferden und Menschen“ von Benedikt Erlingsson. Er ist einer von 16 Spielfilmen, die um den NDR-Spielfilmpreis konkurrieren. Darunter ist die Komödie „Vi är best“ („Wir sind die Besten“) von Lukas Moodysson und „I lossens time“ („In der Stunde des Luches) von Søren Kragh-Jacobsen. Sehr gespannt bin ich zudem auf „Pioner“ von Erik Skoldbjærg, „Nordvest“ von Michael Noer und „Metalhead“ von Ragnar Bragason.

Literaturverfilmungen bei den Nordischen Filmtagen

Lass sie bluten (c) SFI

Lass sie bluten (c) SFI

In der Specials-Sektion laufen gleich drei Literaturverfilmungen von Vorlagen, die hierzulande nicht nur veröffentlicht wurden, sondern erfolgreich waren: Mikkel Nørgaards Verfilmung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“, Jens Jonssons Verfilmung des dritten „Snabba Cash“-Teils „Lass sie bluten“ von Jens Lapidus und Per Hanefjords Verfilmung von Camille Läckbergs „Engel aus Eis“. Im Wettbewerb läuft zudem die finnische Romanverfilmung „Tumman veden päällä“ („Aus dunklen Wassern“), bei der Buch und Film von Peter Franzzén stammen.

Daneben widmet sich die Retrospektive unter dem Motto „Nord!wärts“ dem Wettlauf zum Pol, im Filmforum werden aktuelle NDR-Koproduktionen wie u.a. Christan Alverts „Banklady“ vorgestellt, es gibt ein tolles Dokumentarfilmprogramm und eine große Kinder- und Jugendfilmsektion, die in dem empfehlenswerten Kinderfilmblog vorgestellt wird.

Ich werde mich hauptsächlich auf den Spielfilmwettbewerb und die Specials konzentrieren, denn leider sind 160 Filme in viereinhalb Tagen nicht zu schaffen. Aber ich wäre schon froh, wenn ich meine geplanten 21 Filme auch alle sehe.

Für Daheimgebliebene:

NDR-Spielfilmreihe

Für alle, die nicht nach Lübeck reisen, gibt es im NDR wieder eine skandinavische Spielfilmreihe, die am 2. November mit „Mord am See“ startet. Höhepunkte sind aus meiner Sicht „Reykjavik – Rotterdam“ am 3. November um 0:05 Uhr, „Die ewigen Momente der Maria Larsson“ am 4. November um 23:15 Uhr und „Ein Mann von Welt“ am 11. November um 23:15 Uhr.

(c) MFA

(c) MFA

Verlosung

Außerdem verlose ich ein Exemplar des tollen isländischen Films „The Deep“, der in diesem Sommer in den Kinos gelaufen ist (meine Kritik bei kino-zeit.de). Darin erzählt Baltásar Kormákur die aberwitzige Geschichte eines Seemannes, der nach einem Schiffsunglück trotz Eiseskälte im Atlantik ausharrte. Hinterlasst einfach bis zum 6. November einen Kommentar unter diesem Beitrag. (Nur eine Teilnahme pro Haushalt.)

Regisseur Kjell-Ake Andersson stellte seinen Film in Lübeck vor (c) Sonja Hartl

„Irgendwo in Schweden“ – Eine bitterböse Komödie

Manchmal passiert auf einem Festival etwas ganz Wunderbares. Da sitzt man am dritten Tag auf den nicht unbedingt bequemen Stühlen des Kolosseums in Lübeck und wartet auf den Film „Irgendwo in Schweden“. Im offiziellen Programm als „starbesetztes Gesellschaftsbild mit kühner Optik“ angekündigt, habe ich gepflegte Langeweile in schönen Bildern erwartet – und einen wunderbar hintersinnigen Film gesehen, der mit „Oslo, 31. August“ und „King of Devil’s Island“ zu den besten Beiträgen des Festivals gehörte.

Regisseur Kjell-Ake Andersson stellte seinen Film in Lübeck vor (c) Sonja Hartl

Schon die Einführung ließ mich aufhorchen: Dieser Film sei sicherlich nicht jedermanns Sache, auch müsse man sehr gut aufpassen, um den Faden nicht zu verlieren. Als langjähriger David-Lynch-Fan kann mich eine solche Aussage nicht schocken, aber sie ließ meine Erwartungen ein wenig steigen.

Tatsächlich ist der Anfang von „Irgendwo in Schweden“ leicht verstörend: blutüberströmte Leichen sind zu sehen, eine Frau rennt in einem zerschlissenen Kleid durch den Wald, ein alter Mann wird von der Polizei verhört. Aber ebenso offensichtlich ist, dass diese Bilder irgendwie zusammenhängen. Im weiteren Verlauf des Films werden sie wiederholt gezeigt und dabei stets in einen neuen Kontext gerückt. Aufmerksames Sehen ist daher bei „Irgendwo in Schweden“ schon erforderlich, aber der Film ist nun sicherlich nicht derart komplex, dass er eines besonderen Hinweises bedarf. Weiterlesen

Hans und Anna (c) DFI

Islands Oscar-Kandidat „Volcano“

Eldfjall / Volcano (c) DFI

Grau ist das Leben auf Island, das wird schon mit den ersten Bildern des berührenden Films „Volcano“ deutlich. Er beginnt mit dem letzten Arbeitstag des grantige Hannes (Theodor Juliusson), der bisher als Hausmeister in einer Schule gearbeitet hat. Nun verabschieden ihn seine Kollegen, sein Nachfolger erhält noch einige Hinweise und dann wartet der Ruhestand auf Hannes. Richtig fröhlich wirkt er nicht. Dann sieht man ihn in seinem Auto sitzen. Er blickt auf die schroffe, aber wunderschöne Landschaft der Insel und startet mit Überwindung den Motor, macht ihn wieder aus – und reißt die Fenster auf. Er wird sich doch nicht umbringen, wenngleich er nicht mehr glücklich in seinem Leben ist. Zu seinen Kindern Ari (Thorsteinn Bachmann) und Telma (Elma Lisa Gunndarsdottir) hat er kein gutes Verhältnis, auch gegenüber seiner Frau Anna (Margret Helga Johannsdottir) verhält er sich schroff und abweisend. Einzig für sein altes Boot scheint er noch Zuneigung zu empfinden. Doch Hannes weiß selbst nicht, warum er so grantig ist. Es ist einfach so.

Eldfjall / Volcano (c) DFI

Dann ist ausgerechnet sein Boot, das eine Veränderung in Gang setzt. Bei einem Angeltörn droht es auf dem Meer zu sinken. Hannes muss sich abschleppen lassen – und durch dieses Leck kehrt er früher nach Hause zurück. Seine Kleidung ist nass, also hängt er sie über die Wäscheleine und will schnell ins Haus gehen. Aber dann belauscht er ein Gespräch zwischen seinen Kindern mit an. Erschüttert hört er, dass seine Tochter überzeugt ist, ihre Mutter sollte ihn verlassen. Hannes fühlt sich schuldig – und tatsächlich kommt es in der Nacht darauf zu einer Annäherung zwischen Anna und ihm. Sie sind schon so lange verheiratet, da braucht es keine dramatischen Aussprachen mehr. Sie verbringen einige liebevolle Momente miteinander, alles scheint sich zum Besseren zu wenden. Doch dann erleidet Anna einen Schlaganfall und benötigt fortan rund um die Uhr Pflege. Hannes beschließt, sich zu Hause selbst um sie zu kümmern. Er gibt sich Mühe, doch Anna liegt meistens weinend und wimmernd im Bett. Ihr Zustand wird nicht besser werden – und so fasst Hannes eines Tages den Entschluss, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Weiterlesen

Johan (Mikael Persbrandt) (c) SFI

„Stockholm Ost“ – Ein Melodram mit Iben Hjejle und Mikael Persbrandt

Liebe als Problem in "Stockholm Ost" (c) SFI

Ein ganz normaler Morgen in Schweden. Anna (Iben Hjejle) arbeitet bereits von zu Hause aus, das Telefon klingelt ständig. Also beschließt ihre Tochter Tove, dass sie mit dem Rad zur Schule fährt, um pünktlich zu sein. Zur gleichen Zeit bereitet sich Johan (Mikael Persbrandt) auf die Arbeit vor, er tanzt durch seine Wohnung, verabschiedet sich von seiner Freundin und fährt mit dem Auto los. Plötzlich knallt es! Er ist mit einer Radfahrerin zusammengestoßen – und Tove stirbt später im Krankenhaus. Nur kurz sieht er Anna, als sie das Krankenhaus mit der Schultasche ihrer toten Tochter im Arm verlässt. Und inmitten seiner Schuldgefühle glaubt er eine Anziehung zu spüren. Sie bemerkt ihn nicht.

Ungefähr ein Jahr später begegnen sie sich auf einem Bahnsteig am Bahnhof Stockholm Ost. Sie kommen ins Gespräch, fahren mit dem Zug in dieselbe Richtung. Nur Johan weiß um ihre schicksalshafte Verbindung, aber er schweigt. Als Anna ihren Filofax vergisst, ergreift er die Initiative und bringt ihn ihr vorbei. Fortan treffen sie sich häufiger und verbringen viel Zeit miteinander. Anna spielt Johan vor, ihre Tochter lebe noch – und Johan glaubt, er könne Anna in ein Leben zurückhelfen, indem er ihr glaubt. Zudem wäre er frei von Schuld, würde Tove noch leben. Sie verlieben sich ineinander – und in ihrer Fantasiewelt können sie eine Weile glücklich sein. Aber irgendwann muss die Wahrheit herauskommen … Weiterlesen

Samuli Edelmann in "Der Haussegen" (c) Finnish Film Foundation

„Der Haussegen“ – Ein finnischer Unternehmer in der Krise

Samuli Edelmann in "Der Haussegen" (c) Finnish Film Foundation

Sami Luoto (Samuli Edelmann) wäre gerne ein erfolgreicher Bauunternehmer. Aber noch nicht einmal die Wohnung, in der er mit seiner Frau und Tochter lebt, gehört ihm. Nun will er mit der Hilfe eines Immobilienmaklers ein großes Geschäft machen. Angeblich hat dieser nämlich sein aktuelles Objekt so gut wie verkauft und für ein zweites, im Bau befindliches Haus bereits Interessenten gefunden. Also erwirbt Sami zum Schnäppchenpreis ein Waldgrundstück, auf dem er seiner Familie ein Haus bauen will. Stolz verkündet er seine Pläne. Aber dann zerplatzt die Seifenblase: Der Immobilienmakler hat zu viel versprochen und keinen Interessenten für die Häuser, die Bank gibt ihm keine weiteren Immobilien-Kredite und schon kann Sami seine Rechnungen nicht mehr bezahlen. Er muss seine Angestellten entlassen, aber vor seiner Familie hält er seine Schwierigkeiten geheim – zumal er überzeugt ist, dass er alles richtig gemacht hat. Doch schon bald treten zu den finanziellen Sorgen sehr konkrete körperliche Drohungen … Weiterlesen

Logo der Nordischen Filmtage 2011

Rückblick auf die Nordischen Filmtage 2011

Logo der Nordischen Filmtage 2011

Schön war’s! Das ist meine kurze Bewertung der diesjährigen Nordischen Filmtage. 14 Filme habe ich in dreieinhalb Tagen gesehen, drei Interviews geführt, zahlreiche nette Menschen kennengelernt und viele Ideen gesammelt. Mit „King of Devil’s Island“ hat zudem noch mein Favorit den Spielfilm- und Publikumspreis gewonnen. Und das spricht für die Zuschauer in Lübeck, zumal mit „Superclásico“ oder auch „Simon“ weitaus gefälligere, einfachere Filme im Wettbewerb waren. Aber vielleicht schätzt ja ein Fan skandinavischer Filme die Leichtigkeit nicht allzu sehr.

Anders (Anders Danielsen Lie) in "Oslo, 31. August" (c) nfi

Insgesamt war das Programm in diesem Jahr auf einem mittelmäßigen Niveau, die positiven Ausreißer kamen überwiegend aus Norwegen. Schon der Eröffnungsfilm „Happy Happy“ hat mir gut gefallen, auch die norwegische Produktion „Oslo, 31. August“ hat einen überraschend langanhalten Eindruck bei mir hinterlassen. Weiterlesen

Logo der Nordischen Filmtage 2011

Nordische Filmtage 2011 – „Happy Happy“ und „Stockholm Ost“

Bereits am Dienstag bin ich nach Lübeck gereist, damit ich das Filmfestival einigermaßen ausgeruht und entspannt beginnen kann. Die nächsten Tage werden anstrengend genug: 15 Filme möchte ich sehen, dazu kommen zwei bereits vereinbarte Interviewtermine und natürlich auch Gespräche und Diskussionen. Den Morgen verbrachte ich also recht entspannt – erst im Hotel frühstücken, dann ein wenig arbeiten und durch Lübeck schlendern. Nach einem Mittagessen ging es dann ins Pressebüro, Akkreditierungsunterlagen abholen. Auf meinem Presseausweis wurde ich zum „Dr.“ – das hat bei mir gleich ein unangenehmes Gutenbergsches Gefühl ausgelöst. Aber ändern lässt es sich nicht mehr, also laufe ich jetzt halt vier Tage als falscher Doktor durch Lübeck.

Kaja (Agnes Kittelsen) ist "Happy Happy"? (c) nfi

Um 16 Uhr ging es dann richtig los: Pressevorführung des Eröffnungsfilms „Happy Happy“ mit anschließender Pressekonferenz. Eine ausführliche Kritik zu dem Film schreibe ich für kino-zeit.de, daher werde ich mich hier auf einige Stichworte beschränken. Weiterlesen