Schlagwort-Archiv: Literaturverfilmung

Ein paar Sätze zu „Ruf mich bei meinem Namen“

Mein Faible für Literaturverfilmungen reicht schon ziemlich weit zurück. Wann genau es begann, weiß ich nicht, aber es war dieses Gefühl des Wiedererlebens, des erneuten Erfahrens der Geschichte aus anderer Perspektive, das mich damals dazu getrieben hat, die Bücher von Filmen zu lesen oder Filme zu sehen, deren Romanvorlagen ich schon kannte. Mit zunehmenden Alter und größerer Professionalisierung veränderte sich diese Einstellung, aber nun fühlte ich mich während der Berlinale unversehens in diesen Zustand zurückversetzt. Wegen Call me by your name. Der Film hat mich völlig unvorbereitet sehr tief getroffen – vor allem, weil er so aufrichtig und ehrlich von einer großen Liebe erzählt. Gänzlich ohne Kitsch, ohne die Haltung, alles zu wissen, sondern mit einer Mischung aus Offen- und Unsicherheit ist mitzuerleben, wie sich Elio in einem Sommer in Italien in Oliver verliebt und sich einem unendlichen Verlangen nach Nähe hingibt. Als ich dann las, dass in der Romanvorlage von André Aciman die Geschichte einen größeren Zeitraum umfasst, kaufte ich mir sofort das E-Book und fing noch während der Berlinale an zu lesen.

(c) Kein & Aber

Und was soll ich sagen: es ist tatsächlich eine Art Wiedererleben und Wiedersehen, die dieses Buch ermöglicht, verbunden mit einer noch größeren Wertschätzung des Drehbuchs von Luca Guadagnino, James Ivory und Walter Fasano, das es perfekt vermag, die schwierige Ich-Erzählhaltung als auch die Annäherung der Protagonisten umzusetzen. Dabei ist das Buch dazu eine Ergänzung: es gibt weitere Episoden in diesem einen Sommer – und es geht tatsächlich darüber hinaus. Dieses Weitergehen jedoch hat den Schmerz des Films nur noch vertieft. Es gibt nämlich auch im zunehmenden Alter keine größere Deutlichkeit und Erfüllung für Elio und Oliver, sondern es bleibt vielmehr die Erinnerung an einen Sommer und eine vollendete Liebe. Dabei fasst Aciman diese Sehnsucht, die Melancholie, dieses Parallelleben in vortreffliche Wörter und Sätze, in denen nicht alles auserzählt werden muss. Da leider immer noch offen ist, ob dieser Film seinen Weg in die deutschen Kinos findet, kann ich solange schon einmal das Buch empfehlen.

André Aciman: Ruf mich bei Deinem Namen. Übersetzt von Renate Orth-Guttmann. Kein & Aber Verlag 2008.

„Die letzte Flucht“ im ZDF

(c) Kiepenheuer & Witsch

(c) Kiepenheuer & Witsch

Das ZDF verfilmt „Die letzte Flucht“, den siebten Band der Krimi-Reihe von Wolfgang Schorlau um den Privatermittler Georg Dengler. Das Drehbuch stammt von Wolfgang Schorlau und Lars Kraume, der auch Regie führt, die Hauptrolle übernimmt Ronald Zehrfeld. Außerdem sind Birgit Minichmayr, Jenny Schily, Stefan Kurt und Ernst Stoetzner zu sehen. Das klingt vielversprechend, zu sehen wird das Ergebnis am 20. April 2015 um 20:15 Uhr sein.

Einige Bilder sind auf der Verlagsseite zu sehen.

Daniel Kehlmann und Detlev Buck – Eine zweifache „Vermessung der Welt“

Mit seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ stand Daniel Kehlmann über 37 Wochen auf der Bestseller-Liste und hat im In- sowie Ausland große Erfolge gefeiert. Und tatsächlich ist diese geschickt montierte Doppelbiographie von Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß ungemein lustig und gut zu lesen. Dabei bietet sie mit der Parodie auf klassische Lebensbeschreibungen intelligente Unterhaltung im besten Sinne. Nun hat Detlev Buck diesen Erfolgsroman in 3D verfilmt

Über den Roman von Daniel Kehlmann

(c) Rowohlt

Der Roman beginnt im Jahr 1828 – übrigens die einzige Jahreszahl in diesem historischen Roman – mit einer Reise von Carl Friedrich Gauß nach Berlin. Dorthin wurde er von Alexander von Humboldt zur 17. Tagung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte eingeladen und hat sich widerwillig mit seinem Sohn Eugen auf den Weg gemacht. Der alte Gauß reist nicht gerne, sondern ist am liebsten zu Hause. In Berlin trifft er nun auf den reisenden Entdecker Alexander von Humboldt, der die Welt mit seinen Füßen erkundet hat. Ihre Begegnung bildet die Rahmenhandlung des Romans, in die die kapitelweise wechselnden chronologischen Lebensläufe von Gauß und Humboldt eingebunden sind. Beide haben die Welt erkundet – wenngleich auf verschiedenen Wegen. Humboldts Entdeckerdrang führte ihn nach seiner strengen Ausbildung und dem Tod der Mutter bis nach Amerika. Dort hat er mit seinem Assistenten Aimé Bonpland den damals bekannten höchsten Berg der Welt bestiegen. Dagegen forschte der aus armen Verhältnissen stammende Gauß am Schreibtisch und erkundet die Welt mathematisch. Seine sinnlichen Versuchungen sind die Frauen, während sich Humboldt eine strenge Askese auferlegt hat. Weiterlesen

„Fenster zum Sommer“ als Literaturverfilmung – Kritik und Verlosung

Eines Morgen wacht Ursula auf und bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Sie befindet sich nicht im Bett ihres Hauses neben ihrem Ehemann Joachim, sondern wieder bei ihrer herrischen Tante Priska. Und es ist auch kein Sommer mehr, sondern der siebte Februar. Was ist passiert? Aus dieser Ausgangssituation entwickelt Hannelore Valencak in ihrem lesenswerten Roman „Das Fenster zum Sommer“ ein eindrucksvolles Porträt einer Frau, die die Möglichkeiten ihres Lebens nicht nutzen kann.

Der Roman „Das Fenster zum Sommer“ von Hannelore Valencak

Hannelore Valencak (c) Gert Schlegel

Zunächst geht Hannelore wie betäubt dem Alltag nach, den sie längst hinter sich gelassen glaubte. Sie hofft, sie würde nur träumen, aber allmählich muss sie erkennen, dass sie tatsächlich die letzten Monate noch einmal leben muss. Sie vermisst Joachim, der ihr Ausweg aus ihrem trostlosen Dasein war. Deshalb ruft sie ihn an, aber er kennt sie nicht – und ist noch mit der hübschen Ingeborg zusammen.

Doch Ursula kann nicht einfach wieder in ihr altes Leben zurück, nachdem sie gemerkt hat, dass es viel mehr sein könnte: „Es ist mir immer zu wenig gewesen, nur habe ich es eben nicht so genau gewußt. Ich habe mir gesagt: So ist es eben. Das heißt, etwas anderes habe ich nicht gekannt“, sagt sie zu ihrer Kollegin Frau Gartner, die in wenigen Monaten tot sein wird. Frau Gartner widerspricht Ursula, sie ist älter und hat sich mit den schönen Kleinigkeiten abgefunden. Aber Ursula scheint dazu nicht in der Lage, dafür hat sie das Leben ihrer Tante zu sehr vor Augen. Weiterlesen