Schlagwort-Archiv: Lesung

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Schön war’s – Februar-Lesung im Mastul

Zum dritten Mal habe ich am 1. Februar mit Thomas Wörtche und Wolfgang Franßen im Mastul gelesen. Das Theme des Abends war „Gewalt“, vorgestellt wurden von Thomas Wörtche „IQ“ von Joe Ide, von Wolfgang Franßen „Zerrüttung“ von Jon Basoff und von mir Eoin McNamees „Blau ist die Nacht“.

(c) Hartl

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Das Konzept dieser Abende ist recht einfach: Wir wollen über Kriminalliteratur reden, deshalb stellt jeder das Buch kurz vor und anschließend wird über das Buch, den Autor und über alle andere Themen, die sich ergeben gesprochen. An diesem Abend diskutierten wir somit über verschiedene Arten von Gewalt, wie sinnvoll Kategorien sein können (oder auch nicht), immer wieder über die Präferenz des Lesepublikums bei Kriminalromane und letztlich auch über die Krimikritik. Am Ende des Abends las dann Robert Rescue (Brauseboys) noch einen neuen Text.

(c) privat

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Am 22. März geht es weiter – mit derselben Besetzung, aber anderen Büchern, wieder im Mastul (im Wedding). Ich würde mich sehr freuen, wenn einige von euch in Berlin vorbeischauen würden.

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Noir.Mastul

Am 14. September gibt es wieder eine Veranstaltung in Berlin zum Noir – dieses Mal zum Thema „Paranoia“. Der offizielle Veranstaltungstext:

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Paranoia stammt aus dem Griechischen. Wird mit wahnsinnig, verrückt, neurotisch, gestört übersetzt. Was treibt Autoren/Innen dazu, ihre Helden an Verschwörungen glauben zu lassen? Ist es allein die unsichere Welt da draußen? Sonja Hartl, Thomas Wörtche und Wolfgang Franßen besprechen an diesem Abend:

Ahmed Mourad „Vertigo“ (Lenos)
James Grady – Die letzten Tage des Condors (Suhrkamp)
Jon Bassoff – Zerrüttung (Polar Verlag).

Leben wir also schon in einem Überwachungsstaat und müssen uns sorgen? Ist der Wahn längst zum Normalzustand geworden? Oder sind Autoren und Autorinnen davon fasziniert, welche Möglichkeiten der Kriminalroman ihnen bietet, eine persönliche, wie gesellschaftliche Realität zu beschreiben, die ins Rutschen gekommen ist.

Ein Abend als Treffpunkt der Krimi-Szene, an dem jeder Leser, jede Leserin kräftig mitdiskutieren dürfen. Und die Frage: Wie weit sind wir selbst schon von einer Paranoia befallen?

14. September um 20.00 Uhr
Kunst- und Kulturverein Mastul e.V
Liebenwalder Str. 33
13347 Berlin
Eintritt frei

Wie sieht es aus, seid ihr dabei?

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Noir.Dude/s

Mittwochabend findet in Berlin zum ersten Mal eine Veranstaltung der Reihe Noir.Dude/s statt. Wolfgang Franßen vom Polar Verlag, Frank Nowatzki von Pulp Master und ich stellen drei Bücher vor – dieses Mal „Der Mann mit der Bombe“, „Die Toten schauen zu“ und „Exodus aus Libyen“ – und hoffen auf eine rege Diskussion über Literatur, Krimi und Politik.

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(c) Diogenes

Filmmusik und Lesung zu „Das Parfum“

(c) Diogenes

(c) Diogenes

In der Oberstufe durften wir uns damals einen Roman aussuchen, den wir lesen wollten – und die Mehrheit entschied sich für Patrick Süskinds „Das Parfum“. Ich weiß nicht, wie ich das Buch heute lesen würde – damals war ich weitaus weniger angetan als viele der Mitlesenden.

Am 11. März liest nun Iris Berben im Konzerthaus Berlin aus dem Roman, dazu spielt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (Dirigent: Franz Strobel, Sopran: Rinnat Moriah) die Filmmusik aus der Verfilmung von Tom Tykwer.

Vom 28. April bis 1. Mai wird zudem der Film im Großen Sendesaal des NDR in Hannover gezeigt, dazu wird die Filmmusik von der NDR Radiophilharmonie (Dirigent: Ludwig Wicki, Sopran: Anna Bürk) sowie dem Mädchen- und Knabenchor Hannover live begleitet.

Online-Live-Lesung mit Bernhard Aichner

(c) Ursula Aichner

(c) Ursula Aichner

Seit über einem Jahr veranstaltet Random House Online-Live-Lesungen, die gestreamt werden oder nachträglich über YouTube bzw. der Mediathek gesehen werden können. Heute Abend liest Bernhard Aichner ab 19 Uhr in der LitLounge aus Totenhaus und redet anschließend mit dem Online-Publikum über sein Leben und sein Werk. Moderiert wird die Lesung von Günter Keil.

Close-up of old typewriter

Radio-Tipp: Krimi-Lesungen von der lit.Cologne

Vor lauter Umzieherei hätte ich beinahe vergessen, noch auf eine besonders schöne Sendung von meinem Lieblingsradiosender Funkhaus Europa hinzuweisen. Am Ostermontag werden zwischen 8 und 12 Uhr die Höhepunkte der Lesungen von Tana French, Adrian McKinty, Tony Parsons, Leif GW Persson, Mukoma wa Ngugi und James Ellroy präsentiert. In der Nacht von 23 bis 3 Uhr laufen die komplette Mitschnitte, die dann auch online verfügbar sein werden.

(c) Galiani

Ach, Onno

Im Frühjahr 2012 verfiel ich dem legendären „Charisma für Arme“ des Noppensocken tragenden Privatdetektivs Onno Viets, den Frank Schulz in „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ auf ein brutales Abenteuer mit eben diesem Irren schickte. Seither hoffte ich auf ein Wiedersehen. Nun hat sich diese Hoffnung erfüllt, aber – wie soll ich es anders sagen – mein Herz wurde gebrochen. Nicht etwa, weil „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“ ein schlechtes Buch sei, nein, es ist sogar ein sehr gutes Buch. Aber ausgerechnet Onnos Seele baumelt weniger als sie taumelte, geradewegs in ein düsteres Nichts.

(c) Galiani

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Seit seiner Begegnung mit dem „Irren vom Kiez“ sind sechs Jahre vergangen, die damaligen Erlebnisse haben indes Spuren bei Onno hinterlassen. Er leidet unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung und hat die für ihn lebensnotwendige Ruhe verloren. Sein zweitbester Freund und Erzähler des Romans, Christoph Dannewitz, fühlt sich dafür mitverantwortlich, immerhin hat er Onno diesen ersten Auftrag vermittelt. Also will er ihm helfen und beschafft ihm abermals einen Auftrag, dieses Mal als Leibwächter seines Vetters Donald Jochemsen, der auf dem Kreuzfahrtschiff Flipper IV die von ihm verehrte Bordsängerin überraschen will. Aber Donald plagt – neben vielen anderen Erkrankungen – eine ausgeprägte Viktimophobie, er hat Angst, Opfer einer Straftat zu werden, und deshalb soll Onno ihn beschützen.
Diese zwei Kauze gehen also auf eine Kreuzfahrt – und damit hat Frank Schulz eine grundkomische Situation geschaffen. Onno und Donald sind beide fehl am Platze inmitten dieser feierwütigen Meute. Wenigstens ist der eine anpassungsfähig, freundlich und selbstlos, der andere jedoch misanthropisch, hypochondrisch und paranoid. Deshalb gibt es lustige Situationen und großartige Dialoge, in denen sich Frank Schuz bitterböse mit der Konsumkultur und Maßlosigkeit auseinandersetzt. Kaum Ort eignet sich besser zu einer bitterbösen Gesellschaftskritik als ein Kreuzfahrtschiff. Hier wird der Zwang zum Konsum, Erlebnis und Rausch, zur Party und Unterhaltung auf kleinen Raum gepresst, passend untermalt vom Sommerhit des Jahres „Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“. Darüber hinaus steht am Ende eines jeden Aktes ein Nachspiel mit Kasper Spackennacken, einer satirischen Figur in bester Hanswurst-Tradition, die für derbe Witze und Wahrheiten sorgt und zugleich erneut auf die Bedeutung von Vulgarität, Exhibitionismus und Voyeurismus aufmerksam macht. Weiterlesen

(c) Argument Ariadne

Veranstaltungshinweis: Der Krimi ist politisch II

Letztes Jahr fand im Herbst in Hamburg bereits die Veranstaltungsreihe „Der Krimi ist politisch“ statt, die nun in die zweite Runde geht. Hamburgs unabhängige Krimi- und Noir-Verlage haben sich zusammengeschlossen und stellen an vier Abenden und vier Stadtteilbuchhandlungen den politischen Kriminalroman in den Mittelpunkt. Würde ich in der Nähe von Hamburg wohne, verpasste ich keinen Abend.

1. Abend
Krimis als Fenster zur Welt
Maghreb/Levante: arabische Länder
Jörg Walendy und Alfred Hackensberger
Dienstag, 9. September, 19:30 Uhr
Buchhandlung Seitenweise, Hammer Steindamm 119, 20535 Hamburg

2. Abend
Wahrheit und Lüge
Wem gehört die Geschichte?
Dominique Manotti mit Iris Konopik
Montag, 6. Oktober, 19:30 Uhr
Büchereck Niendorf Nord, Nordalbinger Weg 15, 22455 Hamburg

3. Abend
Die Stimme am Drücker
Ein verrückter irischer Krimi und eine literarische Herausforderung
Declan Burke mit Robert Brack und Ulrich Pleitgen
Donnerstag, 13. November, 20 Uhr
Buchladen Osterstraße, Osterstr. 171, 20255 Hamburg

4. Abend
Der sanfte Thrill des „ganz Normalen“:
Milieuscharfe Schreibkunst, die das alltägliche Verbrechen beleuchtet
Anne Goldmann und Matthias Wittekindt
Donnerstag, 4. Dezember, 20 Uhr
Buchhandlung Recht-Ullrich, Fuhlsbüttler Str. 386, 22309 Hamburg

(c) Liebeskind

Lesungsbericht: Daniel Woodrell liest bei „Mord am Hellweg“

„Mord am Hellweg“ ist Europas größtes internationales Krimifestival und versammelt zumeist eine interessante Auswahl an Lesungen von internationalen Krimiautoren. Beim Lesen des Programms stach mir in diesem Jahr besonders die Lesung von Daniel Woodrell ins Auge, den ich ja bekanntermaßen sehr schätze. Glücklicherweise las er zudem in Dortmund, also nur eine gute Stunde entfernt.

Daniel Woodrell (c) Bruce Carr

Der Abend begann bereits vielversprechend mit der Frage an Daniel Woodrell, ob er sich jemals vorgestellt hat, er würde in Dortmund aus seinem Buch lesen. Die gut gelaunte Antwort lautete, dass er sich zwar vorgestellt habe, in Unna zu lesen (dort war er am Tag zuvor), aber nicht in Dortmund. Danach erzählte Daniel Woodrell von seinem Leben als Schriftsteller, das er am ehesten mit einem Hippie-Dasein vergleichen würde: Seine Frau und er lebten von dem, was sie im Jahr zuvor eingenommen hatten. Die meiste Zeit seines Lebens hat er in Missouri verbracht, dem Handlungsort seiner Geschichten. Dabei spielen insbesondere die Ozark Mountains eine wichtige Rolle in seinen Romanen, die seiner Einschätzung nach selbst für Amerikaner schwer zu beschreiben und zuzuordnen seien: Sie gehören zum nördlichen Süden, den Anfang des Westens, das Ende des Nordens – und eigentlich zu keiner Gegend richtig. Es ist schwer, dort Geld zu verdienen, da es nur wenig Jobs und kaum Industrie gibt. Daher erwidert er auch auf die Frage, ob er die Bezeichnung „white trash“ für die Bewohner der Gegend benutzte oder „working poor“ vorziehe, dass er von „working poor“ spräche, sofern es dort Arbeit gebe. Aber insgesamt lehne er solche verallgemeinernden Einschätzungen ab, da auf diese Weise sehr viele individuelle Schicksale zusammengefasst werden. Weiterlesen

(c) Piper

„Gier“ von Arne Dahl – Buchbesprechung und Lesungsbericht der lit.Cologne

Lesung mit Anne Bubenzer, Arne Dahl und Gerd Köster (v.l.) auf der lit.Cologne

Am gestrigen Abend stellte Arne Dahl seinen neuen Thriller „Gier“ im Rahmen der lit.Cologne auf dem Literaturschiff RheinEnergie vor. Und der Abend mit dem schwedischen Krimiautor hat mir sehr gut gefallen. Das Gespräch mit Anne Bubenzer fand überwiegend auf Deutsch statt, da Arne Dahl zeitweise auch in Berlin lebt. Zwischendurch las Gerd Köster sehr hörenswert aus dem Thriller, dabei fühlte ich mich mal wieder in meinem Ansinnen bestärkt, dass Bücher am besten von professionellen Sprechern vorgelesen werden sollte. Insgesamt stimmte die Mischung aus Vorlesen und Gespräch, zumal Arne Dahl einige interessante Ansichten über die Wirtschaftskrise, Europa und dem Kriminalroman im Allgemeinen äußerste. Außerdem bekannte er, dass er vor einiger Zeit in Kerstin Holm – eine Ermittlerin seiner A-Gruppe – verliebt gewesen sei. Aber angesichts von „Rosenrot“ hat mich das nicht so sehr gewundert. 😉

„Gier“, das A-Team und neue Ermittler
Im Mittelpunkt standen natürlich die Kriminalromane von Arne Dahl. Ich bin eine Leserin der ersten Stunde, lese also schon seit 2003. Überzeugt hat mich damals bei „Misterioso“ auch der Gedanke, dass diese Reihe von vorneherein auf zehn Bände festgelegt sein sollte. Damit stellte sich Arne Dahl in eine Tradition mit der Kommissar-Beck-Dekalogie von Maj Sjöwall und Per Wahlöö, vor allem aber hoffte ich, er würde der Versuchung widerstehen, die Reihe immer weiter fortzuschreiben, obwohl die Figuren auserzählt sind. Weiterlesen