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Krimi-Kritik: „Lauras letzte Party“ von J.K. Johansson

Dreiteilig ist J.K. Johanssons Reihe um die Sonderpädagogin Miia Pohjavirta, die ihre Stelle bei der Polizei aufgegeben hat und nun an ihrer alten Schule arbeitet. Noch vor ihrem ersten Tag verschwindet die Schülerin Laura – und Miia wird dadurch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert: Vor 20 Jahren verschwand ihre Schwester Venla und wurde niemals gefunden. Also stellt sie eigene Nachforschungen an.

(c) Suhrkamp

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In „Lauras letzte Party“ gibt es die üblichen Zutaten einen konventionellen Kriminalromans: Miia ist klug, hat wechselnde Männerbekanntschaften und durch das Verschwinden ihrer Schwester sowie ihrer Internetsucht eine belastete Vergangenheit; erster Hauptverdächtiger ist Miia Bruders Nikke, der an der Schule als Psychologe arbeitet und zu Laura ein enges Verhältnis hatte; den Fall übernimmt Miias Ex-Kollege Korhonen, ein alter, kluger Ermittler, der unter seinem medienaffinen, karriereorientierten Chef leidet; und die Verschwundene ist eine hübsche 16-Jährige, die sich seit einiger Zeit radikal gewandelt hat. Hinzu kommen ein wenig Medien- und Internetkritik, eine mysteriöse Halskette, eine dubiose Kosmetikfirma und zwei verschiedene Männer in Miias Leben, von denen der eine nett und der andere mysteriös wirkt. Entsprechend gibt es keine überraschenden Entwicklungen, auch ist bisher die ‚Internetkritik‘ zu aufgesetzt, aber innerhalb der Gesellschaftskritik wird mit dem Eizellenspenderinnen-Handlungsstrang ein interessantes Thema angesprochen, das Potential bietet. Außerdem ist das Setting gut gewählt, es ist plausibel, dass sich in Palokaski, einem Vorort von Helsinki, fast alle bereits kennen oder kennenlernen und sich mehrfach über den Weg laufen. Daher ist dieser erste Teil der Palokaskis-Trilogie keine kriminalliterarische Offenbarung, aber mit 256 Seiten eine kurzweilige Sommerlektüre, die nach dem ersten Teil ausreichend Fragen für die Fortsetzung offen lässt.

J.K. Johansson: Lauras letzte Party. Übersetzt von Elina Kritzokat. Suhrkamp 2015.