Schlagwort-Archiv: Komödie

Leider nicht sehr böse – „Die Kleinen und die Bösen“

Schwarze Komödien sind sicher nicht jedermanns Sache – so kann ich durchaus verstehen, dass manche Anders Thomas Jensens „Men & Chicken“ als geschmacklos empfinden, während ich mich königlich amüsiert haben. Deshalb lässt sich über Grenzen des Komischen wunderbar diskutieren, aber eines sollten schwarze Komödien auf jeden Fall sein: konsequent. Und ausgerecht daran fehlt es bei Markus Sehrs „Die Kleinen und die Bösen“.

(c) movienet

(c) movienet

Erzählt wird die Geschichte des erfahrenen Bewährungshelfers Benno Meurer (Christoph Maria Herbst), der seine Arbeit routiniert, aber gut erledigt und sich auch nach all den Jahren für seine Klienten interessiert. Zu ihnen gehört notorische Einbrecher Hotte Mazocha (Peter Kurth), der sich plötzlich um seine Kinder kümmern soll, die bisher bei der Großmutter aufwuchsen. Meurer ist entsetzt, Hotte allein schon wegen des Kindergeldes begeistert. Nun will Meurer ihm nachweisen, dass er ein schlechter Vater ist – aber Hotte gefällt seine neue Rolle eigentlich ganz gut.

Meurer und Hotte sind zwei gute Charaktere, die von zwei guten Schauspielern verkörpert werden: Herbst überzeugt als weicher Bewährungshelfer und drängt Stromberg schnell in den Hintergrund, Kurth lässt mit seinen knallbunten Hemden und schnoddrigen Auftreten keinen Zweifel daran, dass er zunächst an sich denkt. Doch zwei gute Charaktere machen noch keinen guten Film. Denn es ist in „Die Kleinen und die Bösen“ nicht zu viele lahme Gags, zu viele unnötige Nebenhandlungen und zu wenig Überraschungen. Es wäre nicht nötig, dass Bennos Frau besessen von ihrem Kinderwunsch ist und sich Benno in eine Kellnerin verliebt, zumal hier alles in vorhersehbaren Bahnen verläuft. Dadurch entsteht keine Bindung zu den Charakteren, so dass sogar nach einem plötzlichen Todesfall außer einem kurzen Schock kaum Emotionen bleiben. Und das ist schade, weil immer wieder aufblitzt, dass in dem Film gute Ideen und Szenen stecken – bspw. der Wiener, den man wirklich nicht versteht –, aber der Film aus ihnen nichts macht. Vielmehr entsteht dadurch der Eindruck, dass hier eine gute böse Ausgangsidee nach und nach aufgeweicht wurde, um den Film fernsehtauglich zu machen. Denn letztlich erinnert „Die Kleinen und die Bösen“ vor allem an standardisierte, mutlose Fernsehware.

„Paulette“ – Eine Komödie aus Frankreich

Paulette (Bernadette Lafont) auf der Flucht vor der Drogenfahndung © Neue Visionen Filmverleih

Paulette (Bernadette Lafont) auf der Flucht vor der Drogenfahndung © Neue Visionen Filmverleih

Jedes Jahr kommt sie wieder, die ‚neue Erfolgskomödie aus Frankreich“. Meist verbirgt sich hinter diesem Etikett eine unterhaltsame, sehr gefällige Komödie wie „Willkommen bei den Sch’tis“ oder „Ziemlich beste Freunde“. In diesem Jahr wird „Paulette“ so beworben – und die Komödie von Jérôme Enrico fügt sich nahtlos in diese Reihe: Seit sie ihren Konditorladen schließen musste und ihr Mann starb, lebt die verbiesterte Paulette (Bernadette Lafont) allein in ihrer Wohnung in einer Hochhaussiedlung. Ihr Essen sucht sie sich schon einmal im Abfall zusammen, verzweifelt bemüht, den äußeren Anschein zu wahren. Zu ihrem Umfeld ist sie alles andere als nett, sie sich rassistisch und unfreundlich. Noch nicht einmal ihren eigenen Enkel Leo (Ismaël Dramé) mag sie – schließlich kann sie bis heute nicht verstehen, warum ihre Tochter (Axelle Laffont) ausgerechnet den afrikanischstämmigen Osman (Jean-Baptiste Anoumon) heiraten musste. Doch dann drohen Paulette ihre Schulden einzuholen, sogar ihr geliebter Fernseher wird gepfändet. Als ihr ein Päckchen Marihuana in die Hände fällt, kommt sie auf die geniale Idee, dass sie Drogen verkaufen könnte. Und tatsächlich hat sie Erfolg damit. Weiterlesen

Fast schon zu unterhaltsam – „SuperClásico“

Wie macht man einen erfolgreichen Film? Man nehme zwei bekannte skandinavische Schauspieler, schicke sie nach Südamerika und schreibe ein paar Gags sowie Fußballszenen ins Drehbuch. Fertig ist „SuperClásico“, eine leichte und unterhaltsame Komödie aus Dänemark, die dort mit großem Erfolg in den Kinos lief und zudem der dänische Kandidat für den Auslandsoscar ist.

Ausgeraubt in Buenos Aires (c) DFI

In seinem Film erzählt Regisseur und Drehbuchautor Ole Christian Madsen von dem Kopenhagener Weinhändler Christian (Anders W. Berthelsen), der von seiner Frau Anna (Paprika Steen) verlassen wurde. Sie hat sich während eines Urlaubs in Buenos Aires Hals über Kopf in einen wesentlich jüngeren südamerikanischen Fußballerstar verliebt und ist nicht zu Mann und Sohn nach Dänemark zurückgekehrt. Nun will sie die Scheidung! Anstatt einfach die Papiere zu unterzeichnen, Weiterlesen

„Irgendwo in Schweden“ – Eine bitterböse Komödie

Manchmal passiert auf einem Festival etwas ganz Wunderbares. Da sitzt man am dritten Tag auf den nicht unbedingt bequemen Stühlen des Kolosseums in Lübeck und wartet auf den Film „Irgendwo in Schweden“. Im offiziellen Programm als „starbesetztes Gesellschaftsbild mit kühner Optik“ angekündigt, habe ich gepflegte Langeweile in schönen Bildern erwartet – und einen wunderbar hintersinnigen Film gesehen, der mit „Oslo, 31. August“ und „King of Devil’s Island“ zu den besten Beiträgen des Festivals gehörte.

Regisseur Kjell-Ake Andersson stellte seinen Film in Lübeck vor (c) Sonja Hartl

Schon die Einführung ließ mich aufhorchen: Dieser Film sei sicherlich nicht jedermanns Sache, auch müsse man sehr gut aufpassen, um den Faden nicht zu verlieren. Als langjähriger David-Lynch-Fan kann mich eine solche Aussage nicht schocken, aber sie ließ meine Erwartungen ein wenig steigen.

Tatsächlich ist der Anfang von „Irgendwo in Schweden“ leicht verstörend: blutüberströmte Leichen sind zu sehen, eine Frau rennt in einem zerschlissenen Kleid durch den Wald, ein alter Mann wird von der Polizei verhört. Aber ebenso offensichtlich ist, dass diese Bilder irgendwie zusammenhängen. Im weiteren Verlauf des Films werden sie wiederholt gezeigt und dabei stets in einen neuen Kontext gerückt. Aufmerksames Sehen ist daher bei „Irgendwo in Schweden“ schon erforderlich, aber der Film ist nun sicherlich nicht derart komplex, dass er eines besonderen Hinweises bedarf. Weiterlesen