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„Dunkle Gewässer“ von Joe R. Lansdale

(c) Tropen

Dass Joe R. Lansdale großartige (Kriminal-)Romane schreibt, ist hierzulande viel zu wenig bekannt. Sein neustes Buch „Dunkle Gewässer“ knüpft dabei nahtlos an das famose „Ein feiner dunkler Riss“ oder auch „Die Wälder am Fluss“ an: Die 17-jährige Sue Ellen entdeckt erst die Leiche ihrer Schulfreundin May Lynn, dann Geld aus einem Banküberfall. Also will sie May Lynns Traum wahr werden lassen und wenigstens ihre Leiche nach Hollywood bringen. Mit ihrer Freundin Jinx, ihrem Freund Terry und ihrer Mutter begibt sie sich auf einem Floß auf die Reise gen Westen – und muss auf ihrem Weg Vorurteile, Abhängigkeiten und Brutalität überwinden. Ein toller Roman!

Mehr über „Dunkle Gewässer“ habe ich in der April/Mai-Ausgabe des Magazins BÜCHER geschrieben.

Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer. Übersetzt von Hannes Riffel. Tropen 2013.

„Kahlschlag“ von Joe R. Lansdale

Osttexas zur Zeit der Großen Depression. An dem Nachmittag, an dem es Frösche, Flussbarsche und Elritzen regnete und ein Sturm über Camp Rapture hinwegzog, ersticht Sunset ihren Ehemann. Sie hatte es satt, ständig von ihm verprügelt und vergewaltigt zu werden. Als er wieder einmal über sie herfiel, hat sie ihn – Deputy Pete – mit seiner Dienstpistole erschossen. Erstaunlicherweise zeigt Sunsets Schwiegermutter Marilyn Verständnis für sie und schickt ihren prügelnden Ehemann selbst in die Wüste. Doch nicht nur das: Nun braucht Camp Rapture einen neuen Deputy und Sägewerksbesitzerin Marylin verwendet ihren ganzen Einfluss als größte Arbeitgeberin der Region, um Sunset zur Nachfolgerin zu machen. Mit dem verwahrlosten Clyde und dem gerade erst in Camp Rapture angekommenen Hillbilly als Gehilfen nimmt Sunset die Arbeit auf – und ist schon bald in einen Mordfall verwickelt, in dem sie selbst zur Hauptverdächtigen avanciert.

(c) Golkonda

In seinem Roman „Kahlschlag“ setzt sich Joe R. Lansdale wie so oft in seinen Büchern mit den Themen Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Armut auseinander. Mit lakonischer Sprache erzählt er von der Gefahr, die Männer in Frauen sehen, die an ihren eingefahrenen Geschlechtsbildern rütteln, und in Afroamerikanern, die erfolgreich und intelligent sind. In einer einzigen Szene gleich zu Beginn macht er diese Stimmung deutlich: Nachdem Sunset benommen von der Tat und dem Sturm wieder zu sich kommt, bittet sie den Schwarzen Uncle Riley, sie zu ihrer Schwiegermutter zu bringen. Er hat Angst, dass er gelyncht wird, wenn die weißen Leute die halbnackte Sunset neben ihm sehen. Als Sunset dann noch den Revolver bei ihm lassen will, sagt er nur: „Die weißen Leute finden seine Leiche, dann sehn sie mich, und schon ist ein Nigger fällig. Wenn die dem Mr. Pete seine Waffe in meinen Wagen sehn, wo er doch Constable war, dann knüpfen die den Jungen und mich schneller auf, als wie wenn einer sagt: Schnappen wir uns den Nigger“. Weiterlesen

Der erste Teil der Hap-und-Leonard-Reihe – „Wilder Winter“ von Joe R. Lansdale

Wer hierzulande Joe R. Lansdale lesen möchte, muss sich auf einige Suchen einstellen. Seine Bücher erscheinen in fünf Verlagen (aktuell: Golkonda, Dumont und Klett-Tropen; Rowohlt und Shayol), an Chronologie ist dabei kaum zu denken. In seiner Heimat ist der amerikanische Autor sehr bekannt, das Deutschlandradio schreibt gar von einer Kultfigur. Hierzulande ist er wohl noch eher ein Geheimtipp, der lediglich durch die Verfilmung seiner Kurzgeschichte „Buppa Ho-Tepp“ und dem Edgar-Allen-Poe-Award für „Die Wälder am Fluss“ etwas Aufmerksamkeit bekam (Anmerkung: In einer ersten Version stand hier fälschlicherweise, dass „Die Wälder am Fluss“ verfilmt worden seien. (siehe Kommentare)) – und kürzlich haben ihm insbesondere die Veröffentlichungen seiner Romane „Gauklersommer“, „Kahlschlag“ und „Ein feiner dunkler Riss“ im Golkonda Verlag eine größere Bekanntheit verschafft. Außerdem habe ich die leise Hoffnung, dass es in diesem Jahr Joe R. Lansdale ähnlich ergeht wie Daniel Woodrell im letzten Jahr und auch größere Medien diesen Autor entdecken. Weiterlesen