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Krimi-Kritik: „Die drei Leben des Feng Yun-Fat“ von Robert Brack

(c) Edition Nautilus

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Explosiv beginnt der neuen Roman von Robert Brack: Auf die Detektivagentur von Lenina Rabe und Nadine Adler wird ein Anschlag mit einer Granate verübt, der die Ermittlerinnen schockiert zurücklässt. Das haben sie nun davon, dass sie im Auftrag des Besitzers ihres Stamm-Chinesen Feng Yun-Fat nach dessen verschwundenem Koch Wang Shou gesucht haben. Brutal wird es bei Robert Brack aber dennoch nicht. Vielmehr wird in der Folge aufgeklärt, wie es zu dem Granatenangriff kommen konnte, indem sich seine Protagonistinnen mit ihren Gegenspieler einige schlagfertige Wortgefechte und nur selten einen Kampf mit Händen und Füßen liefern.

In Bracks Kriminalroman geht es um einen verschwundenen Koch, Kriegswaffen, die in den Mittleren Osten verschifft, Schrott, der Afrika geschickt, und Autos, die nach China verladen werden. Dazwischen stecken Anspielungen und Verweise auf kriminalliterarische Vorgänger, so diskutieren Nadine und Lenina, ob Raymond Chandler Taoist gewesen sein könnte, nutzen die Seite anti-pinkerton.org und tun, was sie tun müssen. Im Gegensatz zu ihren wortkargen männlichen Kollegen ernähren sie sich gesund, trinken Bier, aber noch mehr Tee und reflektieren beständig ihr Handeln sowie das Verhalten der Gegenspieler. Bisweilen wünscht man sich ein wenig mehr Realität. Jedoch ist die Vorstellung, dass sich die Lohnsklaven in den Küchen, Fabrikhallen und anderen Orten tatsächlich organisieren, allzu verführerisch. Denn in ihm steckt immer noch ein Fünkchen Hoffnung auf ein gerechteres System, auf Gegenwehr und auf Engagement.

Robert Brack: Die drei Leben des Feng Yun-Fat. Edition Nautilus 2015.

Veranstaltungshinweis: Der Krimi ist politisch II

Letztes Jahr fand im Herbst in Hamburg bereits die Veranstaltungsreihe „Der Krimi ist politisch“ statt, die nun in die zweite Runde geht. Hamburgs unabhängige Krimi- und Noir-Verlage haben sich zusammengeschlossen und stellen an vier Abenden und vier Stadtteilbuchhandlungen den politischen Kriminalroman in den Mittelpunkt. Würde ich in der Nähe von Hamburg wohne, verpasste ich keinen Abend.

1. Abend
Krimis als Fenster zur Welt
Maghreb/Levante: arabische Länder
Jörg Walendy und Alfred Hackensberger
Dienstag, 9. September, 19:30 Uhr
Buchhandlung Seitenweise, Hammer Steindamm 119, 20535 Hamburg

2. Abend
Wahrheit und Lüge
Wem gehört die Geschichte?
Dominique Manotti mit Iris Konopik
Montag, 6. Oktober, 19:30 Uhr
Büchereck Niendorf Nord, Nordalbinger Weg 15, 22455 Hamburg

3. Abend
Die Stimme am Drücker
Ein verrückter irischer Krimi und eine literarische Herausforderung
Declan Burke mit Robert Brack und Ulrich Pleitgen
Donnerstag, 13. November, 20 Uhr
Buchladen Osterstraße, Osterstr. 171, 20255 Hamburg

4. Abend
Der sanfte Thrill des „ganz Normalen“:
Milieuscharfe Schreibkunst, die das alltägliche Verbrechen beleuchtet
Anne Goldmann und Matthias Wittekindt
Donnerstag, 4. Dezember, 20 Uhr
Buchhandlung Recht-Ullrich, Fuhlsbüttler Str. 386, 22309 Hamburg