Schlagwort-Archiv: Frauen

Women in Crime: „Schmutziges Wochenende“ von Helen Zahavi

(c) Unionsverlag

„Dies ist die Geschichte von Bella, die eines Morgens beim Erwachen merkte, daß sie es satt hatte.“ Ein Satz brauchte „Schmutziges Wochenende“ von Helen Zahavi und schon hatte mich das Buch. Ein Satz, er mag schlicht erscheinen, aber er trifft das genau das Gefühl, dass ich an manchen Morgen habe. Und hier geht es nicht um eine identifikatorische Lesart, hier geht es darum, dass mit diesem Satz ein Buch anfängt, das stark, provokativ und kompromisslos das Leben einer Frau in der Gesellschaft einfangen wird. Eine Gesellschaft, die sie ständig sexualisiert und bewertet, eine Gesellschaft, in der sie verschiedenen Formen von Gewalt ausgesetzt ist. Deshalb ist der Titel auch eine fiese Abwandlung dessen, was er verspricht: Ein ‚schmutziges Wochenende’ meint für viele zwei Tage voller Sex. Hier aber umfasst es 48 Stunden, in denen sich eine Frau gegen die Gewalt zur Wehr setzt, die ihr angetan wird. Weiterlesen

Ein finnisch-estnischer Roman – „Fegefeuer“ von Sofi Oksanen

(c) Kiepenheuer & Witsch

Seit Erscheinen stand „Fegefeuer“ von der finnisch-estnischen Autorin Sofi Oksanen auf meiner Leseliste, an einem verregneten Nachmittag an der Ostsee begann ich es dann zu lesen – und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Auf knapp 400 Seiten erzählt Sofi Oksanen anhand zweier Frauenleben das Schicksal einer Familie in Estland und Russland im 20. Jahrhundert. Die Geschichte beginnt mit einem Bündel, dass die estnische Bäuerin Aliide Truu im Jahr 1992 in ihrem Garten findet. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Bündel als junge Frau. Zara wurde in der Hoffnung auf ein besseres Leben von ihrer Freundin nach Berlin gelockt und dort zur Prostitution gezwungen. Sie konnte fliehen und ist nicht zufällig bei Aliide gelandet. Vielmehr glaubt sie, dass Aliide die Schwester ihrer Großmutter sei. Auf zwei Ebenen entfaltet sich nun das Leben dieser zwei Frauen, die vor allem ein unbändiger Überlebenswille vereint. Weiterlesen

Das Grauen als Gesellschaftskritik – „Frauen“ von Steinar Bragi

Die Leser seines Buches hätten nach der Lektüre Angst vor ihm, erzählte Steinar Bragi auf der Buchmesse in Frankfurt. Und es war dieser Satz, der mich vollends überzeugte, dass ich seinen Roman „Frauen“ unbedingt lesen muss. Angst habe ich nun nicht vor ihm, aber ich würde mich sehr gerne mit ihm über dieses Buch unterhalten.

(c) Verlag Antje Kunstmann

Anfangs erscheint „Frauen“ als ganz normaler Thriller: Die junge Dokumentarfilmerin Eva Einárdsdottir lebt in New York und erhält während eines Gesprächs über die Finanzierung ihres nächsten Films von einem isländischen Banker ein verlockendes Angebot. Sie darf in seiner Wohnung in Reykjavik kostenlos wohnen, wenn sie die Wohnung sauber hält, Blumen gießt und die Katze füttert, solange die eigentliche Mieterin verreist ist. Da ihre große Liebe Hrafn nach Island zurückgegangen ist, nimmt sie das Angebot an. Schon bei ihrer Ankunft bemerkt sie, dass mit der Wohnung etwas nicht stimmt: Es gibt keine Blumen, von der Katze fehlt jede Spur und die eigentliche Mieterin hat Selbstmord begangen. Weiterlesen