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Über „Twin Peaks“

Die dritte Staffel von „Twin Peaks“ ist vor zwei Wochen zu Ende gegangen und gestern ist nun auch mein Text zu dem Finale im CrimeMag erschienen:

(c) Showtime

Es ist zu Ende gegangen. Das Abenteuer, die atemberaubende Reise, die mir „Twin Peaks“ einen Sommer lang ermöglicht hat. Und es sie hatte einen großartig melancholisch-mysteriösen Abschluss!
An ihrem Anfang stand mein Entschluss, dass ich David Lynch und Mark Frost vertrauen werden. Dass ich darauf baue, dass diese Reise irgendwohin führen wird, wohlwissend, dass niemals alle Rätsel gelöst werden. Und genauso war es auch. (Hinweis: Der folgende Text beschäftigt sich ausführlich mit dem Ende der dritten Staffel und enthält daher Spoiler.)

In den letzten drei Folgen führen Lynch und Frost sehr viele Handlungsstränge in sehr kurzer Zeit zusammen. Früh stand fest, dass der Weg aller Beteiligten letztlich nach Twin Peaks führen muss, nun treffen in der ersten Hälfte der 17. Folge fast alle wichtigen Charaktere im Sheriff-Büro in Twin Peaks ein: Agent Cooper (Kyle MacLachlan) lässt sich von den Mitchum-Brothers (James Belushi, Robert Knepper) fahren und hat zuvor Gordon Cole (David Lynch) eine Nachricht hinterlassen, so dass dieser sich mit den Agents Albert Rosenfield (Miguel Ferrer) und Tammy Preston (Chrysta Bell) ebenfalls auf den Weg gemacht hat. Bereits angekommen ist Mr. C (Kyle MacLachlan). Weiterlesen …

Die Brücke II – Transit in den Tod

(c) ZDF; Carolina Romare

(c) ZDF; Carolina Romare

Über ein Jahr nach dem Ende der ersten Staffel setzt die „Die Brücke II – Transit in den Tod“ ein: Ein Schiff rammt die Öresund-Brücke, von der Besatzung fehlt jede Spur, stattdessen befinden sich fünf betäubte Jugendliche an Bord. Da drei der Jugendlichen aus Dänemark kommen, erscheint eine Zusammenarbeit der Dänen und Schweden notwendig, also wendet sich Saga Norén (Sofia Helin, „Zurück nach Dalarna“) erstmals nach dem Tod seines Sohnes an ihren dänischen Kollegen Martin Rohde (Kim Bodnia, „In einer besseren Welt“). In der Zwischenzeit ist einiges passiert: Saga zieht gerade mit ihrem Freund zusammen und ist gewillt, eine Beziehung zu versuchen. Martin wohnt von seiner Frau getrennt und versucht weiterhin, den Tod seines Sohnes zu verarbeiten.

Weiterentwicklung der Charaktere

(c) ZDF; Carolina Romare

(c) ZDF; Carolina Romare

Bereits in der ersten Staffel waren die Hauptfiguren der größte Pluspunkt der Serie und hier knüpft die Fortsetzung überzeugend an. Martins Selbstsicherheit und seine Überzeugung, alles im Griff zu haben, wurden durch die Ermordung seines Sohnes erschüttert. Seither fühlt er sich von dem inhaftierten Täter Jens (Lars Simonen) verfolgt, findet aber keinen Ausweg – und auch die Therapie scheint ihm nicht zu helfen. Dann begegnet er Saga wieder, die ihn gemäß ihrer Art genauso behandelt wie vorher und er bemerkt, wie gut er sich dadurch fühlt. Deshalb bricht er die Therapie ab und glaubt schon bald, eine bessere Methode gefunden zu haben: Er will an den Polizisten in Jens appellieren, damit dieser an seinen Schuldgefühlen sein Leben lang trauert. Dadurch wird er Stück für Stück wieder zu dem früheren Martin, schlägt sorglos alle Warnungen in den Wind. Jedoch ist früh insbesondere durch das Verhalten seiner Ehefrau zu ahnen, dass der Weg zurück in das Familienleben weitaus schwieriger sein wird.

(c) ZDF; Carolina Romare

(c) ZDF; Carolina Romare

Auch die Grundidee zur Weiterentwicklung von Saga ist gelungen: Das Zusammenleben mit ihrem Freund stellt sie vor große Schwierigkeiten, fleißig liest sie Beziehungsratgeber, jedoch sind ihre Bemühungen, sich mit ihrem Verhalten der Umwelt anzupassen – bspw. über Scherze zu lachen – manchmal verstörend, oft aber komisch. Hier schlittern die Autoren haarscharf daran vorbei, sie zu einer Lachnummer werden zu lassen. Das verhindern vor allem die letzten beiden Folgen der Staffel, in denen immer mehr Emotionen auf sie einprasseln, und die großartige Sofia Helin. Vor allem bleibe ich durch diese zweite Staffel skeptisch, ob ich Saga tatsächlich einfach damit erklären möchte, dass sie das Asperger-Syndrom hat (siehe Kommentare zu Staffel 1). In der Serie wird es nicht benannt, sicher deuten ihre schnelle Kombinationsgabe und ihr Wissen darauf hin, aber sie ist als brüchiger Charakter viel zu faszinierend, als dass ich sie einfac mit einem Etikett versehen möchte, das scheinbar alles erklärt. (Hierzu äußert sich Sofia Helin auch in einem Interview)

Der Fall

(c) ZDF; Carolina Romare

(c) ZDF; Carolina Romare

Neben den Hauptfiguren ist natürlich auch der Fall wichtig. Hier dreht sich anfangs alles um eine Gruppe von Öko-Terroristen, die durch Anschläge mit Pestbakterien und anderen Erregern auf Umweltverschmutzung und ähnliche Verbrechen aufmerksam machen wollen. Die Identität der ersten vier Attentäter kennt der Zuschauer schnell, hier ist es schade, dass nicht alle vier Überzeugungstäter sind, sondern zwei mehr oder weniger zur Mitarbeit gezwungen werden. Würden sie aus Überzeugung handeln, hätten sich andere Themen ergeben (wie z.B. „The East“ eindrucksvoll zeigt), so bleibt es bei einer traurigen Geschichte über einen Jungen, der letztlich ohne großen Bruder aufwachsen wird. Dennoch hat mir insgesamt der Verlauf gefallen: Nachdem der Fall anfangs klar gesellschaftspolitisch angelegt ist, folgt mit hinzukommen Nebenhandlungen – meist kommentarlos begonnen – eine Wendung ins Private und im finalen Akt zurück ins Gesellschaftspolitische. Sicher sind es insgesamt viele Wendungen, die oft auch relativiert werden, aber letztlich fügt sich alles gut zusammen.

Das Ende

(c) ZDF; Carolina Romare

(c) ZDF; Carolina Romare

Im Gegensatz zu letzten Staffel, bei der die letzte Folge eine Katastrophe war, ist den Serienmacher dieses Mal ein guter und mutiger Schluss gelungen. Dass der Fall durch eine Volte wieder im Politischen landet ist bereits gut, dass es noch einen weiteren Mann im Hintergrund gibt, der gar nicht enttarnt wird, noch besser. Dieser Schluss lässt viele Möglichkeiten für eine Fortsetzung offen und erscheint zudem realistisch: Bei einem Terrornetzwerk ist der Täter schwieriger zu fassen, je höher er in der Hierarchie steht.

Die größere Überraschung hängt jedoch mit Martin zusammen. Nachdem alles so gelaufen ist, wie er sich gewünscht hat, und er in der ihm eigenen Überheblichkeit sogar in Sagas Vergangenheit geschnüffelt hat, um ihr zu helfen, muss er einsehen, dass seine Ehe endgültig gescheitert ist. Dadurch wird er aus der Bahn geworfen und muss zudem erkennen, dass damit auch alle andere Besserungen obsolet geworden sind. Als dann Jens tot in seiner Zelle gefunden wird, ahnt Saga, dass Martin dahinter stecken könnte. Und so endet die Staffel damit, dass er wegen Mordes verhaftet wird. Dieses Ende lässt einigen Raum für Spekulation. Auf der einen Seite würde Saga Martin nicht verhaften lassen, wenn sie keine Beweise hätte, außerdem betont sie ihm gegenüber auch, dass sie wisse, dass er der Täter sei. Damit hätte Martin eine ähnliche Entwicklung durchlaufen wie Jens, der nach dem Tod seines Sohnes auch zum Mörder wurde (wenngleich er weitaus mehr Menschen getötet hat). Außerdem würde es seinem Charakter auch eine düstere Seite hinzufügen, die bisher nicht zu vermuten war. Auf der anderen Seite könnte ich mir aber vorstellen, dass Martin vorhatte, Jens zu ermorden – deshalb hat Saga die entsprechenden Beweise gefunden –, es letztlich aber nicht getan hat. Damit stünde dann nach einer Aussprache auch einer weiteren Zusammenarbeit nichts mehr im Wege. Gespräche über eine dritte Staffel laufen jedenfalls bereits.

Am 2. Mai erscheint die zweite Staffel bei Edel:Motion auf DVD und Blu-ray.

Neulich auf DVD – Die dritte Staffel von „True Blood“

True Blood (c) 2010 Home Box Office, Inc.

Nazi-Werwölfe sind noch die geringste Überraschung in der dritten Staffel von „True Blood“, die derzeit auf RTLII ausgestrahlt wird und bereits auf DVD erhältlich sind. Tatsächlich enthält die dritte Staffel eine Vielzahl neuer schillernder Charaktere, mehr Blut und mehr Sex. Damit führt Serienschöpfer Alan Ball das Erfolgsrezept von True Blood weiter, doch allmählich scheint jene originale Mischung aus Soap Opera und gesellschaftlicher Reflexion aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Neu in Staffel 3: Der Werwolf Alcide © 2010 Home Box Office, Inc.

Die erste Folge der dritten Staffel knüpft nahtlos am Ende der zweiten Staffel an. Bill (Stephen Moyer) wurde kurz nach seinem Heiratsantrag entführt und Sookie (Anna Paquin) beginnt sofort mit der Suche nach ihm. Hilfesuchend wendet sie sich an Eric (Alexander Skarsgard). Schnell stellt sich heraus, dass Bill von Werwölfen entführt wurden, die wiederum im Auftrag von Russell Edginton (virtuos gespielt von Dennis O’Hare), dem Vampirkönig von Mississippi, handelten. Dennoch will Sookie Bill befreien, weshalb Eric ihr den Werwolf Alcide (Joe Manganiello) an die Seite stellt. Die anderen Bewohner von Bon Temps haben hingegen mit den Folgen der zweiten Staffel zu kämpfen: Tara (Rutina Wesley) trauert um Eggs (Mehcad Brooks) und will sich das Leben nehmen, Jason (Ryan Kwanten) leidet unter seinen Schuldgefühlen, während Andy (Chris Bauer) für seine vermeintliche Heldentat gefeiert wird, und Sam begibt sich auf die Suche nach seinen leiblichen Eltern. Weiterlesen