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James Franco hat William Faulkners „As I Lay Dying“ verfilmt

Cormac McCarthys „Blood Meridian“, James Ellroys „American Tabloid“ und William Faulkners „As I Lay Dying“ – anscheinend gibt es derzeit kaum eine Verfilmung eines amerikanischen Klassikers, an der James Franco nicht beteiligt ist. In Cannes wird nun seine Verfilmung von „As I Lay Dying“ bei „Un Certain Regard“ gezeigt, bei der er das Drehbuch schrieb, Regie führte und die Hauptrolle spielt.

Als Film kann ich mir die Faulkners Geschichte einer Familie, die die verstorbene Mutter zum Familiengrab bringen will, sehr gut vorstellen. Sicherlich ist die Erzählsituation denkbar schwierig: Die Geschichte entwickelt sich in wechselnden streams of consciousness von insgesamt 15 Personen, die in kurzen Kapiteln wiedergegeben werden. Dabei werden die Figuren vor allem durch ihre Gedanken charakterisiert. Doch auch hier ist möglich, was ich mir bereits bei der Verfilmung des „großen Gatsby“ gewünscht hätte: Indem sich das Drehbuch von der Vorlage lösen und Gedanken in Szenen umwandeln, lassen sich diese Besonderheiten filmisch umsetzen. Ich hoffe jedenfalls, dass der Film auch hierzulande zu sehen sein wird.

Solange erlaubt der Trailer einen ersten Blick: Weiterlesen

Über „Inside Llewyn Davis“ von Joel und Ethan Coen

(c) Studiocanal

Der Folkmusiker Llewyn Davis (Oscar Isaac) wartet noch auf den großen Durchbruch und pendelt zwischen kleinen Auftritten und Songaufnahmen. Jede Nacht muss er sich eine neuen Platz zum Schlafen suchen, er hat noch nicht einmal eine Wohnung. Dabei trifft er befreundete Musiker wie Jim (Justin Timberlake) und Jane (Carey Mulligan), denen er sich verbunden fühlt. Aber er kann seine Gefühle nur in der Musik äußern – und so lässt er sich wie die Menschen in den Songs, die er singt, einfach immer weiter treiben.

Llewyn Davis (Oscar Isaac) (c) Studiocanal

Llewyn Davis (Oscar Isaac), Jim Berkey (Justin Timberlake) und Al Cody (Adam Driver) (c) Studiocanal

„Inside Llewyn Davis“ ist der neue Film von Joel & Ethan Coen, der im Mai in Cannes gezeigt wird, hierzulande aber wohl erst Anfang 2014 in die Kinos kommt. Basierend auf dem Buch „Der König von Greenwich Village“ von Dave van Ronk (mit Elijah Wald) verspricht der Film ein faszinierender Triup durch die Folkszene New Yorks in den 1960er Jahren zu werden. An der Musik sind T Bone Burnett und Marcus Mumford beteiligt – und laut Pressemeldung folgen die Coens mit diesem Film ihrer musikalischen Leidenschaft. Ich freue mich sehr auf diesen Film!

Jean Berkey (Carey Mulligan) und Jim Berkey (Justin Timberlake) (c) Studiocanal

Und auch der Trailer macht einen guten Eindruck!

Cannes 2011 – Die Preisträger im Überblick

Besser spät als nie! Wenigstens einen Überblick über die Gewinner der Filmfestspiele in Cannes möchte ich noch kurz veröffentlichen:

Goldene Palme: „The Tree of Life“ von Terrence Malick (USA)
Großer Preis der Jury (zu gleichen Teilen): „Once Upon a Time in Anatolia“ von Nuri Bilge Ceylan (Türkei) “ Le Gaumin au Velo “ von Jean-Pierre und Luc Dardenne (Belgien)
Preis der Jury: „Polisse“ von Maïwenn (Frankreich)
Beste Schauspielerin: Kirsten Dunst (USA) für „Melancholia“
Bester Schauspieler: Jean Dujardin (Frankreich) für „The Artist“
Beste Regie: Nicolas Winding Refn für „Drive“ (Dänemark)
Bestes Drehbuch: Joseph Cedar für „Footnote“ (Israel)
Goldene Kamera für den besten Debütfilm: „Las acacias“ von Pablo Giorgelli (Argentinien)
Goldene Palme für den besten Kurzfilm: „Cross“ von Maryna Vroda (Ukraine)
Hauptpreis Un certain regard (zu gleichen Teilen): Andreas Dresen (Deutschland) für „Halt auf freier Strecke“ Kim Ki-duk (Korea) für „Arirang“
Erster Preis des Kurzfilmwettbewerbs Cinéfondation: Doroteya Droumeva (Deutschland) für „Der Brief“

Cannes 2011 – Ein Blick vom Schreibtisch

Manchmal ist es schwer: Da sitze ich in meinem Arbeitszimmer in Bonn, habe viel zu tun – was für eine Freiberuflerin hervorragend ist! – und gleichzeitig läuft in Cannes ein hochinteressantes Filmfestival. Mir aber bleiben nur der sehnsüchtige Blick nach Frankreich und das Erlebnis aus zweiter Hand. Dank Twitter und Sasha Stone von Awards Daily bin ich über die Länge der Warteschlangen, verschiedene Akkreditierungsstufen und Zustände in Presseräumen bestens informiert und Guy Lodge liefert dazu das nötige Insiderwissen. Ohnehin bringen die amerikanischen Blogger meine Timeline ganz schön in Schwung, da sie ausnahmsweise mal in derselben Zeitzone arbeiten. Weiterlesen

Cannes 2011 – Die Wettbewerbsfilme

Gestern wurden die Filme bekanntgegeben, die beim Festival in Cannes im Rennen um die Goldene Palme sind – und der Wettbewerb ist erfreulich vielfältig!

Mit Spannung werden die neuen Filme von drei großen Namen erwartet: Pedro Almodóvar stellt seinen neuen Film „Die Haut, in der ich wohne“ vor, Lars von Trier wartet mit „Melancholia“ auf und Terrence Malick zeigt seinen mit Sean Penn und Brad Pitt prominent besetzten Film „The Tree of Life“. Daneben gehen noch Takashi Miike mit „Hara-Kiri: Death of a Samurai“, Aki Kaurismäki mit „Le Havre“ und Nicolas Winding Refn mit dem Actionthriller „Drive“ an den Start.

Auch zwei weniger bekannte Regisseure haben eine Chance auf die Goldene Palme. Der türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan ist mit „Once Upon A Time In Anatolia“ vertreten. Überraschend ist zudem der Österreicher Markus Schleinzer mit seinem Debütfilm „Michael“ im Hauptwettbewerb dabei.

Deutschland wird von Andreas Dresen („Sommer vorm Balkon“, „Wolke 9“) vertreten, dessen neuer Film „Halt auf freier Strecke“ in der Sektion „Un certain regard“ gezeigt wird. Dort läuft unter anderem auch „Restless“ (mit Mia Wasikoswka und Henry Hopper in den Hauptrollen) von Gus van Sant. Damit auch ausreichend Stars an der Croisette vertreten sind, laufen mit „Der Biber“ und der vierte Teil von „Fluch der Karibik“ gleich zwei prominent besetzte Filme außerhalb der Konkurrenz. Eine komplette Übersicht zu allen Wettbewerbsfilmen ist hier zu finden.

In diesem Jahr ist es gelungen, eine gute Mischung verschiedener Genres und bekannter bzw. weniger prominenter Namen zusammenzustellen. Sogar – und leider ist dies immer noch erwähnenswert! – die Frauenquote ist bemerkenswert: Mit Naomi Kawase, Julia Leigh (Trailer zu „Sleeping Beauty“), Maïwenn und Lynne Ramsay sind vier Regisseurinnen in Cannes mit ihren Filmen im Rennen. Und so bleibt mir nur noch das Bedauern, dass ich nicht in Cannes sein werde.