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Skandinavische Filme auf der Berlinale 2015

Am Donnerstagabend wird die 65. Berlinale mit Isabel Coixets Film „Nobody wants the night“ eröffnet – und auch ich werde in diesem Jahr vor Ort sein und so viele Filme wie möglich sehen. In der Hauptsektion des Wettbewerbs ist in diesem Jahr leider kein Film aus Skandinavien dabei, obwohl ich ein wenig auf Vinterbergs neuen Film gehofft hatte. Aber in den Nebensektionen sind einige Beiträge zu finden.

 

„Mot naturen“ von Ole Giæver

201507542_1_IMG_FIX_700x700Sehr freue ich mich auf den norwegischen Film „Mot naturen“, auf den ich ein Auge geworfen habe, seit ich das Plakat des Films das erste Mal gesehen habe. In dem Film erzählt Regisseur Ole Giæver von dem 36-jährigen Martin, der ein Wochenende in den Bergen verbringt und sich dabei Gedanken über sein Leben macht. Zur Kritik.

 

„Dyke Hard“ von Bitte Andersson

© Nicklas Dennermalm

© Nicklas Dennermalm

Ebenfalls im Panorama läuft Bitte Anderssons Spielfilmdebüt „Dyke Hard, ein schwedisches „Action Comedy Sci-Fi Musical“ über eine lesbische Rockgruppe, die sich nach oben schlagen will. Mit der Hilfe eines Thaiboxers. Der Film wurde nach Aussage auf der Webseite von einer Gruppe „film nerds in love with trash“ gemacht – und könnte ein großer Spaß werden. Zur Kritik.

 

„Misfits“ von Jannik Splidsboel

© Henrik Ipsen

© Henrik Ipsen

In Tulsa, Oklahoma gibt es 400.000 Einwohner, mehr als 4000 Kirchen und ein schwul-lesbisches Jugendzentrum. Dort treffen sich Jugendliche, die schwul, lesbisch oder transidentisch leben wollen – im amerikanischen „bible belt“.

In seinem dänisch-schwedische Dokumentarfilm „Misfits“ hat Jannik Splidsboel drei Jugendliche in ihrem Alltag begleitet und zeigt Vorurteile, aber auch bedingungslose Unterstützung. Zur Kritik.

 

„Fassbinder – Lieben ohne zu fordern“ von Christian Braad

(c) Dino Raymond Hansen

(c) Dino Raymond Hansen

Der dänische Filmhistoriker Christian Braad war ab 1969 mit Rainer Werner Fassbinder befreundet und hat mit „Fassbinder – Lieben ohne zu fordern“nun  eine Hommage an den Regisseur gedreht, die auf Gesprächen und Interviews basiert. Dabei soll dieser Dokumentarfilm laut Pressetext von „der anhaltenden Aktualität von Mensch und Werk“ zeugen und zur „ästhetischen, kreativen und kritischen Auseinandersetzung“ herausfordern. Mein Kollege Patrick Wellinski war begeistert.

 

„Sume – Mumisitsinerup Nipaa“ von Inuk Silis Høegh

© Jørgen Bovin

© Jørgen Bovin

Und außerdem läuft im Panorama noch der Dokumentarfilm „Sume – Mumisitsinerup Nipaa“, in dem der grönländische Regisseur Inuk Silis Høegh den Einfluss der Rockband Sumé auf den grönländischen Kampf für Autonomie untersucht. Ihre Lieder wurden der Soundtrack der ersten Jugendproteste gegen die Verwaltung durch Dänemark. Dabei haben sie sich selbst in Dänemark zusammengefunden – Malik Høegh und Per Berthelsen studierten in Kopenhagen und gründeten dort die erste Rockband, die auf Gröndländisch sang.

 

„The Look of Silence“ von Joshua Oppenheimer

© Lars Skree

© Lars Skree

Als Berlinale Special läuft „The Look of Silence“, gewissermaßen das Gegenstück zu „The Act of Killing“. Nachdem sich Joshua Oppenheimer dort mit den Tätern beschäftigt hat, die im Auftrag des indonesischen Militärregimes mordeten, geht es in „The Look of Silence“ um die Angehörigen der Opfer.

 

„Virgin Mountain“ von Dagur Kári

© Rasmus Videbæk

© Rasmus Videbæk

Außerdem wird in dieser Reihe noch „Virgin Mountain“ von Dagur Kári zu sein, in dem der isländische Regisseur von dem Gepäckfahrer Fúsi erzählt. Zur Kritik.

 

Kinder- und Jugendfilme

Traditionell finden sich auch wieder einige skandinavische Kinder- und Jugendfilme in der Generation Kplus und Generation 14plus.

In dem schwedischen Film „Flocken“ erzählt Regisseurin Beata Gårdeler von den Folgen eines Vergewaltigungsvorwurfs in einem schwedischen Dorf. Zur Kritik von Rochus Wolff.

In „Min lilla syster“ dreht sich alles im Stella, die einsehen muss, dass ihre bewunderte große Schwester an einer Essstörung leidet. In dem Film hat Sanna Lenken Regie geführt.

Der dänische Animationsfilmer Jannik Hastrup erzählt in „Cykelmyggen og Minibillen“ von dem Käfer Mini, der auf eine abenteuerliche Reise geht.

Sehnsüchtig erwartet wird zudem die Fortsetzung von „Antboy“, die in Berlin ihre Premiere feiert. In „Antboy: Den Røde Furies Hævn“ wartet ein neues Abenteuer auf den Superhelden. Rochus Wolff hat den Film gesehen.

Weltpremiere feiert außerdem „Cirkeln“, die Verfilmung des gleichnamigen Erfolgsromans, in dem sich sechs jugendliche Hexen zusammenschließen, um die Welt zu retten.

Berlinale 2014 – Filme aus Skandinavien

Insgesamt 13 Filme aus Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland werden bei der Berlinale vom 6. bis zum 16. Februar zu sehen sein. Abgesehen von den Kinder- und Jugendfilmen werde ich versuchen, alle während meines Berlinale-Aufenthalts zu sehen, Kritiken zu den Filmen folgen also hoffentlich. Vorab aber schon einmal eine kurze Vorstellung der jeweiligen Filme und – so weit bereits verfügbar – Trailer.

Update: Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich leider nicht zur Berlinale fahren. Deshalb hoffe ich jetzt sehr auf Kino- und DVD-Starts der Filme.

„Kraftidioten“ von Hans Petter Moland

Im Wettbewerb läuft der Film „Kraftidioten“ von Hans Petter Moland, der bereits im Jahr 2010 mit „En ganske snill mann“ („Ein Mann von Welt“) bei der Berlinale war. Abermals arbeitet er mit Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson und Hauptdarsteller Stellan Skarsgård zusammen, außerdem sind Birgitte Hjort Sørensen („Marie Krøyer“), Bruno Ganz, Pål Sverre Hagen („Kon-Tiki“), Jakob Oftebro und Tobias Santelman dabei. Laut Pressetext ist der Film eine „blutig-schwarze Komödie voller großer Bilder einer winterlich-weißen, schier endlos wirkenden Landschaft“.

„Blind“ von Eskil Vogt

In der Panorama-Sektion ist meines Erachtens der interessanteste skandinavische Beitrag zu finden. „Blind“ ist das Regiedebüt von Eskil Vogt, der mir vor allem als Drehbuchautor von Joachim Triers Filmen „Reprise“ und „Oslo, 31. August“ in Erinnerung ist. Beide Filme fand ich außergewöhnlich gut, deshalb freue ich mich sehr auf diesen Film, in dem Eskil Vogt mit „Schein und Sein spielt“ und „Plot-Konventionen ad absurdum“ führt. Außerdem hat er gerade den Drehbuch-Preis beim Sundance-Festival gewonnen.

„Concerning Violence“ von Schweden Göran Olsson

(c) Lennart Malmer

(c) Lennart Malmer

Ebenfalls im Panorama läuft der Dokumentarfilm „Concerning Violence“ des Schweden Göran Olsson, der vor drei Jahren mit „Black Power Mixtapes 1967-1975“ ebenfalls in Berlin war. In seinem Film zeigt er abermals Archivbilder von schwedischen Dokumentarfilmern und Fernsehjournalisten, dieses Mal wurden sie zwischen 1966 und 1984 in Afrika aufgenommen und zeigen die Freiheitskämpfe in sechs afrikanischen Staaten.

„En du elsker“ von Pernille Christensen Fischer

(c) Rudolf Konow, Zentropa

(c) Rudolf Konow, Zentropa

Als Special Screening ist „En du elsker“ („Someone you love“) von der dänischen Regisseurin Pernille Christensen Fischer zu sehen, deren „Eine Familie“ ebenfalls bei der Berlinale 2010 lief und damals den FIPRESCI-Preis erhalten hat. Mit Trine Dyrholm, Brigitte Hjort Sjørensen und Mikael Persbrandt prominent besetzt erzählt sie in ihrem Film die Geschichte des Sängers Thomas Jacob, der sich plötzlich um seinen Enkel kümmern muss. Das Drehbuch hat sie mit Kim Fupz Aakeson geschrieben.

„Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann“ von Felix Herngren

(c) Concorde Filmverleih

(c) Concorde Filmverleih

Ein weiteres Special Screening ist „Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann“ („Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“) von Felix Hergren. Der Film basiert natürlich auf dem gleichnamigen Bestseller von Jonas Jonasson und wird am 20. März in den deutschen Kinos starten. Der deutschsprachige Trailer ist bei kino-zeit.de zu sehen.

Sehr stark ist das skandinavische Kino bei den Kinder- und Jugenfilmden vertreten, inklusive der Ko-Produktionen sind es sechs Beiträge:

„Beyond Beyond“ von Esben Tof Jacobsen

In der Generation Kplus ist „Beyond Beyond“ von Esben Tof Jacobsen zu sehen, der 2007 und 2011 mit seinen Animationsfilmen „Having a brother“ und „The Great Bear“ in Berlin war. Sein neuer Film ist ein animiertes 3D-Familienabenteuer, in dem ein kleiner Junge seine Mutter vermisst und seinen Vater vor dem Federkönig verteidigt.

„Emil & Ida i Lönneberga“ von Per Åhlin, Alicja Jaworski Björk und Lasse Persson

Bei „Emil & Ida i Lönneberga“ ( Regie: Per Åhlin, Alicja Jaworski Björk und Lasse Persson) führt Astrid Lindgrens Erzählstimme durch die Animation des hierzulande als Michel bekannten Jungen aus Lönneberga. Rochus vom Kinderfilmblog hat den Film bereits gesehen.

„MGP Missionen“ von Martin Miehe-Renard

(c) Karin Tengberg

(c) Karin Tengberg

In „MGP Missionen“ („The Contest“) von dem dänischen Regisseur Martin Miehe-Renard muss Karl mit seiner Mutter nach Kopenhagen ziehen. Die Stadt gefällt ihm nicht, in der Schule ist der Junge vom Land ein Außenseiter. Aber dann findet in Sawsan – einem Mädchen aus einer türkischen Familie – eine Freundin, die ihm das Großstadtleben näherbringt. Und auch sie hat Probleme: Sie träumt davon, an einer Castingshow teilzunehmen. Aber ihr Vater ist dagegen. Ein Trailer des Films ist auf der Seite des dänischen Filminstituts zu sehen.

„Midden in de Winternacht“ von Lourens Blok

„Midden in de Winternacht“ („A Christmoose Story“) erzählt die Geschichte des von Max, in dessen Scheune ein sprechender Elch landet. Und das ausgerechnet kurz vor Weihnachten! Der Film basiert auf Andreas Steinhöfels Roman „Es ist ein Elch entsprungen“.

„Ömheten“ von Sofia Norlin

In der Generation 14plus – also Filme, die für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen sind, ist „Ömheten“ von Sofia Norlin zu sehen. In dem Spielfilmdebüt der schwedischen Regisseurin stehen Jugendliche aus Kiruna im Mittelpunkt, deren Leben von dem Aktivitäten der Minengesellschaft vor Ort bestimmt wird.

„Obietnica“ („The Word“) von Anna Kazejak
Außerdem läuft dort die polnisch-dänische Koproduktion „Obietnica“ („The Word“) von Anna Kazejak, in der sie von der Beziehung zwischen Lia und Janek erzählt. Es kriselt zwischen ihnen, aber Lila will Janek eine letzte Chance geben – unter einer Bedingung …

Und dann laufen noch zwei skandinavische Filme im Rahmen der Retrospektive bzw. des Filmprogramms zu Karl Baumgartner:

„Hævnens Nat“ von Benjamin Christensen
In der Retrospektive läuft zudem „Haevnens Nat“ („Die Nacht der Rache“) des Dänen Benjamin Christensen, dessen für damalige Zeiten innovative Licht- und Schattensetzung den Boden für künftige Horrorfilme bereitete.

„Boheemielämää“ von Aki Kaurismäki
Karl Baumgartner wird in diesem Jahr mit der Berlinale Kameria ausgezeichnet. Aus diesem Anlass wird auch der einzige finnische Film gezeigt: „Boheemielämää“ („Das Leben der Bohème“ von Aki Kaurismäki ist der Auftakt der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und Produzenten – und dieser Film wurde auf der Berlinale 1992 mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet.

Berlinale 2013 – Tag 5 und 6

Allmählich breitet sich leichte Müdigkeit, außerdem vermisse ich Zeit zum Lesen. Nachdem ich am fünften Tag (bei spielfilm.de nachzulesen) vor allem im Wettbewerb unterwegs war, freute mich am Dienstag auf die Veranstaltung „Books at Berlinale“. Dort werden im Rahmen eines Frühstücks bei dem Co-Production Market zehn Bücher vorgestellt, deren Verfilmungsrechte verkauft werden sollen. Darunter waren von Stephan Thomés „Fliehkräfte“ bis hin zu einer Graphic Novel unterschiedlichste, die von den jeweiligen Verlagen und Agenturen kurz vorgestellt wurden. Einige konnte ich mir tatsächlich sehr gut vorstellen – und ich bin gespannt, ob ich in ein paar Jahren eines dieser Bücher auf der Leinwand sehen werde.

Rooney Mara und Channing Tatum in „Side Effects“(c) Berlinale

Danach ging es weiter mit einem der Filme, auf den ich mich im Vorfeld der Berlinale sehr gefreut habe: „Side Effects“ von Steven Soderbergh. Und Mr. Soderbergh hat mich nicht enttäuscht, sondern einen eleganten, sehr gut geplotteten und wendungsreichen Thriller über Medikamente, die Frage der Schuld und die Finanzkrise gedreht. Meine ausführliche Besprechung ist bei kino-zeit.de nachzulesen.

Leider war die Dokumentation „Gut Renovation“, die ich im Anschluss gesehen habe, nicht so begeisternd. Su Friedrichs dokumentiert darin die Gentrifizierung in Williamsburg, Brooklyn, in dem sie ausführlich den Abriss der Fabrikgebäude und Neubau teurer Apartmenthäuser zeigt. Aufgrund des Themas kam der Film bei Teilen des Berliner Publikums sehr gut, es war sogar ein Sprecher eines Anti-Gentrifizierungsbündnisses aus Kreuzberg anwesend. Doch so nachvollziehbar die Empörung auch ist: von einem Dokumentarfilm erwarte ich mehr.

Nach den zwei Filmen war dann auch schon Schluss, stattdessen ging es ich lecker essen und Wein trinken. Das muss ja auch mal sein.

Berlinale 2013 – Von „Before Sunrise“ über „Before Sunset“ zu „Before Midnight“

Jesse und Céline in „Before Midnight“ (c) Berlinale

Aufgrund eines Redaktionsschlusses für BÜCHER und einigen tollen Aufträgen habe ich mich nicht so ausführlich auf die Berlinale vorbereitet, wie ich es eigentlich wollte. Aber ich habe es immerhin geschafft, noch „Before Sunrise“ und „Before Sunset“ als Vorbereitung für „Before Midnight“ zu sehen. Zumindest „Bevor Sunrise“ habe ich damals – in den 1990er Jahren – schon einmal geguckt, hauptsächlich, weil eine Freundin von mir sehr auf Ethan Hawke stand. Ich wusste noch, dass ich den Film gut fand, konnte mich aber nicht mehr so gut an ihn erinnern. Als ich ihn nun wiedersah, war ich hingerissen von der Klugheit dieses Films.

Was bisher geschah – „Before Sunrise“ und „Before Sunset“

Falls jemand die Handlung noch nicht kennen sollte: Der Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) begegnet im Zug der Französin Céline (Julie Delpy) und überredet sie, mit ihm in Wien auszusteigen. Sie verbringen eine Nacht zusammen, ehe Jesse seinen Flieger in die USA bekommen muss. In dieser Nacht gehen sie durch Wien und unterhalten sich über das Leben und die Liebe. Besonders beeindruckt hat mich, wie sehr ich mich in den Überlegungen und Ängsten der Protagonisten wiederfinden konnte – oder besser gesagt: Wie sich mein 20-jähriges Ich Ende der 1990er Jahre darin wiederfindet. Célines Überlegungen zu ihrer glücklichen Kindheit, ihr Hadern mit dem vermeintlichen Gegensatz zwischen einem Leben, das feministischen Ansprüchen genügt, und der Suche nach der großen Liebe (das dann in der Fortsetzung noch ausgeprägter ist), einfach ihre leicht neurotischen Überlegungen zum Leben im Allgemeinen. Weiterlesen

Berlinale 2013 – Tag 4

Gloria und Rodolfo (c) Berlinale

Lange habe ich überlegt, ob ich den Film um 9 Uhr sehen soll oder lieber schreibe. Ich habe mich dann letztlich für den Film entschieden – glücklicherweise! „Gloria“ ist ein toll gespieltes und eindrucksvolles Porträt der fast 60-jährigen Gloria (Paulina García), die nach der Scheidung ihre Kinder fast alleine groß gezogen hat, gerne ausgeht und nun noch einmal auf eine neue Liebe hofft. Anfangs läuft mit Rodolfo (Sergio Hernández) alles gut, aber sie kann nicht lange darüber hinwegsehen, dass er immer wieder ans Telefon geht, wenn seine Töchter oder seine Ex-Frau anruft – und sie seinen Töchtern nicht vorstellen will. Er hat erst jetzt entdeckt, was er von Leben will. Doch Gloria ist im Reinen mit sich und ihrer Vergangenheit. Sicherlich ist sie einsam, das zeigen die Bilder und insbesondere das nuancierte Spiel der großartigen Paulina García –, aber sie rappelt sich immer wieder auf. Der Film rangiert derzeit gleichberechtig mit „In the Name of“ ganz oben auf meiner Liste, aber hier warte ich noch einige Tage ab. Eine sehr lesenswerte Kritik zu diesem Film gibt es auch bei critic.de

Auch der zweite Wettbewerbsbeitrag des heutigen Tages war gut. Weiterlesen

Berlinale 2013 – Tag 2 und 3

Vorhaben und Taten sind ja zweierlei Dinge, daher ist heute bereits mein vierter Tag bei der Berlinale, aber ich habe erst etwas über einen Tag gebloggt. Also mache ich es mir erst einmal leicht: Für den zweiten Tag verweise ich einfach auf spielfilm.de, für die ich einen kurzen Bericht geschrieben habe. Dort gibt es auch die ersten Kritiken zu den Wettbewerbsfilmen „In the Name of“, „Promised Land“ und „Paradies: Hoffnung“.

Der dritte Tag war insgesamt durchwachsen. Den ersten Wettbewerbsfilm habe ich nicht gesehen, dafür habe ich obige Kritiken geschrieben. Los ging es dann erst im 11:45 Uhr mit „Gold“ von Thomas Arslan, dem einzigen deutschen Wettbewerbsbeitrag. In „Gold“ erzählt er von einer Gruppe deutscher Siedler, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Dawson in den Norden Kanadas aufbrechen, um dort mit Gold reich zu werden. Auf ihrem Weg stehen ihnen genre-gemäße Strapazen bevor und insbesondere in der ersten Stunde verwendet der Film zu viel Zeit dafür, die einzelnen Mitglieder der Gruppe – weitgehend stereotyp – zu charakterisieren und von ihren vorhersehbaren Herausforderungen zu erzählen. Je weiter der Weg geht und je mehr die Gruppe auseinanderbricht, desto distinktiver wird auch der Stil des Films. Das Ende hat mor dann sehr gut gefallen, aber insgesamt verliert „Gold“ gerade im Vergleich mit dem besseren und konsequenteren „Meek’s Cutoff“ deutlich. Weiterlesen

Berlinale 2013 – Tag 1

Eröffnungstag bei der Berlinale – und auch mein Anreise-Tag, an dem alles nahezu perfekt gelaufen ist. Flugzeug war pünktlich, Koffer kam schnell, der Flughafenbus fuhr unmittelbar los und in mein Zimmer konnte ich auch etwas früher. Daher war ich recht früh am Potsdamer Platz und habe meine Akkreditierung abgeholt. Und da alles wesentlicher schneller als erwartet ging, habe ich auch den ersten Film locker geschafft.

„I used to be darker“ von Matt Porterfield (c) Berlinale

Für mich begann die Berlinale mit „I used to be darker“ von Matt Porterfield, der mir gut gefallen hat. Überraschend besucht die 19-jährige Taryn ihre Tante Kim und ihren Onkel Bill in Baltimore, die sich gerade trennen. Auch deren Tochter Abby verbringt ihre Ferien dort und beide versuchen, ihren Platz im Leben neu finden – und vor allem in einer Familie, die es so nicht mehr gibt. Besonders gut hat mir zum einen die Selbstverständlichkeit gefallen, mit der Matt Porterfield von dieser Künstlerfamilie erzählt, deren Künstlersein nicht zur Manier wird, sondern einfach eine Tatsache ist. Und zum anderen wird die Handlung mit Liedern kommentiert (überwiegend Folk/Singer/Songwriter), die sich sehr gut in die Handlung einfügen. Insgesamt ist „I used to be darker“ ein guter US-Independentfilm, der mit überzeugender Selbstverständlichkeit von einer Familie erzählt. Weiterlesen