Schön war’s – Februar-Lesung im Mastul

Zum dritten Mal habe ich am 1. Februar mit Thomas Wörtche und Wolfgang Franßen im Mastul gelesen. Das Theme des Abends war „Gewalt“, vorgestellt wurden von Thomas Wörtche „IQ“ von Joe Ide, von Wolfgang Franßen „Zerrüttung“ von Jon Basoff und von mir Eoin McNamees „Blau ist die Nacht“.

(c) Hartl

(c) privat

Das Konzept dieser Abende ist recht einfach: Wir wollen über Kriminalliteratur reden, deshalb stellt jeder das Buch kurz vor und anschließend wird über das Buch, den Autor und über alle andere Themen, die sich ergeben gesprochen. An diesem Abend diskutierten wir somit über verschiedene Arten von Gewalt, wie sinnvoll Kategorien sein können (oder auch nicht), immer wieder über die Präferenz des Lesepublikums bei Kriminalromane und letztlich auch über die Krimikritik. Am Ende des Abends las dann Robert Rescue (Brauseboys) noch einen neuen Text.

(c) privat

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Am 22. März geht es weiter – mit derselben Besetzung, aber anderen Büchern, wieder im Mastul (im Wedding). Ich würde mich sehr freuen, wenn einige von euch in Berlin vorbeischauen würden.

Gewinnspiel zu „Der Eid“ von Baltasar Kormákur

(c) Der Eid

(c) Der Eid

Am 9. Februar startet Baltasar Kormákurs neuester Film „Der Eid“ in den deutschen Kinos und dazu gibt es ein Bloggerspecial, bei dem unter dem Motto „So finster der Norden“ vier Blogs – darunter dieser hier – einen nordeuropäisch-düsteren Film- bzw. Serientipp veröffentlichen und ein Gewinnspiel veranstalten.

In „Der Eid“ transponiert Kormákur das Vater-rettet-seine-Tochter-Erzählmuster, bestens bekannt u.a. aus der „Taken“-Reihe mit Liam Neeson, nach Island und lässt es dadurch realistischer werden (meine ausführliche Kritik zu dem Film ist bei kino-zeit.de zu lesen). Eine ähnliche Nähe zu bekannten Narrativen weist die hierzulande sehr wenig beachtete „Easy Money“-Trilogie um den Studenten JW (Joel Kinnaman) auf. Schon die Romanvorlagen Jens Lapidus orientieren sich im Aufbau deutlich an James Ellroys L.A. Quartett, überführen die verschiedenen Handlungsstränge aber noch Stockholm.
Im ersten Teil „Easy Money – Spür die Angst“ versucht der aus einfachen Verhältnissen stammende JW reich zu werden. Seinen aufwändigen Lebensstil finanziert er sich, indem er illegal Taxi fährt, aber schon bald braucht er mehr Geld, um mit den Oberen der Gesellschaft mitzuhalten. Von einem besseren Leben träumt auch der Dealer Jorge (Matias Padin Varela), der sich nach einem letzten Coup nach Südamerika absetzen will. Der serbische Killer Mrado (Dragomir Mrsic) braucht ebenfalls Geld, weil er sich mit seiner Tochter Lovisa nach Serbien absetzen will. Ein spektakuläres Drogengeschäft führt diese drei Hauptfiguren nun zusammen.
Im Verlauf des Films verbinden sich immer mehr scheinbar lose Fäden zu von Regisseur Daniél Espinosa und Drehbuchautorin Maria Karlsson geschickt aufgebauten Handlungssträngen, die zusammen mit der Handkamera und den schnellen Schnitten ein gutes Tempo vorgeben. Vor allem ist dieser Film aber eine wohltuende Ausnahme inmitten der skandinavischen Thriller mit depressiven Kommissaren und düster-grauer Bildgestaltung. Die Polizei spielt kaum eine Rolle, jedes Milieu wird mit eigenen Farben gezeichnet. Es gibt es hier keine Ganovenehre, Freundschaft oder Vertrauen. Vielmehr ist jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Insgesamt ist „Easy Money – Spür die Angst“ ein empfehlenswerter Thriller, der Lust auf die beiden Fortsetzungen macht.

Weitere Tipps findet ihr bei:

Der Cineast.de
Kino7.de
Filmtogo.net

Gewinnspiel
Zum Kinostart von „Der Eid“ werden drei Pakete mit jeweils einem Poster zu „Der Eid“, einer Kinofreikarte für „Der Eid“ und eine DVD von „101 Reykjavik“ verlost.

(c) Studiocanal

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Der phlegmatische Hlynur lebt in den Tag hinein – und noch bei seiner Mutter. Als die lesbische Spanierin Lola seine Mutter für einige Tage besucht, ist es mit dem schönen Leben vorbei. Nach einem One-Night-Stand ist Lola schwanger und will das Kind gemeinsam mit Hlynurs Mutter aufziehen …
Das Regiedebüt des isländischen Schauspielers Baltasar Kormákur ist zugleich die Anti-Coming-of-Age-Geschichte eines Mannes, der sich weigert erwachsen zu werden, und das Porträt seiner Heimatstadt Reykjavik. Mehr infos unter: www.arthaus.de/101_reykjavik-arthaus_collection

Schreibt einfach bis zum 19. Februar 2017 eine Mail an norden@pureonline.de – dort werden die Gewinner ausgelost und benachrichtigt. Viel Glück!

KrimiBestenliste Februar 2017

Seit Januar wird von Tobias Gohlis begründete Krimibestenliste in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Deutschlandradio Kultur herausgegeben und deshalb erscheint sie zwar weiterhin Anfang des Monats, aber nicht mehr am Donnerstag, sondern am ersten Sonntag.

Die Platzierungen sehen wie folgt aus:

(c) Scherz

(c) Scherz

1 (4) Tana French: Gefrorener Schrei (Fischer Scherz)
2 (-) Jerome Charyn: Winterwarnung (Diaphanes)
3 (-) Paul Mendelson: Die Straße ins Dunkel (Rowohlt)
4 (2) Liza Cody: Miss Terry (Ariadne)
5 (-) André Pilz: Der anatolische Panther (Haymon)
6 (-) Bernhard Aichner: Totenrausch (btb)
7 (1) Patrick McGinley: Bogmail (Steidl)
8 (6) Joe Ide: IQ (Suhrkamp)
9 (-) Mark Douglas-Home: Sea Detective – Ein Grab in den Wellen (Rowohlt)
10 (-) Les Edgerton: Der Vergewaltiger (Pulpmaster)

Krimi-Kritik: „Die Schuld vergangener Tage“ von Peter Temple

(c) Penguin

(c) Penguin

Eine alte Krimi- und eigentlich auch Lebensregel besagt, dass niemand seine Vergangenheit einfach so loswird. Sie prägt einen – und manchmal holt sie einen auch wieder ein. Spätestens „wenn Männer in Polizeiuniformen kamen, um einen am Straßenrand neben dunklen Kartoffelfeldern zu liquidieren, war das ein eindeutiges Zeichen, dass das neue Leben vorbei war“, meint überzeugend MacArthur John Faraday. Eigentlich wollte er einfach nur in Ruhe sein Leben in der alten Schmiede seines Vaters in einem kleinen Ort im Süden von Australien leben. Aber dann wurde sein Nachbar Ned erhängt in der Scheune aufgefunden. Mac glaubte nicht, dass Ned sich selbst getötet hat – und weil er früher einmal als verdeckter Ermittler bei der Drogenfahndung gearbeitet hat, forschte er ein wenig nach. Dadurch entdeckte er, dass Ned einen Zeitungsartikel aufbewahrt hat, in dem von einem Knochenfund zu lesen ist. Ein Mädchen wurde irgendwann 1984 nackt in einen Minenschacht geworfen. Dann erfuhr er von einem weiteren Mädchen, das nackt und mit Spuren von Misshandlungen neben einer einsamen Straße aufgelesen wurde – im Oktober 1985. Und hat damit anscheinend einige Mächtige so aufgeschreckt, dass ihm nachts zwei Polizisten auflauern … Weiterlesen

Krimi-Kritik: „Gefrorener Schrei“ von Tana French

„The Trespasser“ heißt der Kriminalroman von Tana French im Original und tatsächlich passt dieser Titel ganz hervorragend: Da ist zunächst die aus Frenchs Romanen bereits bekannte Detective Antoinette Conway, die noch verhältnismäßig neu im Morddezernat in Dublin ist und sich ständig wie ein Eindringling fühlt: sie ist die einzige Frau, nicht irisch-weiß und noch dazu hat sie einen Kollegen gleich zu Anfang recht deutlich in die Schranken gewiesen. Seither – davon ist sie überzeugt – hat es mit Ausnahme ihres ebenfalls bereits aus Vorgängerbüchern bekannten Partners Stephen Moran so gut wieder jeder ihrer Kollegen auf sie abgesehen. Deshalb haben Moran und sie schon wieder Nachtschicht und bekommen kurz vor Feierabend von ihrem Chef einen Fall zugewiesen und noch dazu einen erfahrenen Kollegen zur Seite gestellt. Obwohl es doch mal wieder nach einer Beziehungstat aussieht: Aislinn Murray wurde tot in ihrem Haus aufgefunden, alles am Tatort deutet darauf hin, dass sie einen romantischen Abend geplant hatte und etwas schiefgelaufen ist. Hauptverdächtiger ist ihre Verabredung an diesem Abend. Aber nach Aussage von Aislinns Freundin hatte sie eine Affäre – und somit gibt es noch einen zweiten möglichen ‚Eindringling’, der für die Tat verantwortlich sein könnte. Weiterlesen

Hartl & Behn: La La Land, Hell or High Water und Die Blumen von gestern

In dieser Woche reden wir über den von vielen Seiten gelobten und mit sieben Golden Globes ausgezeichneten „La La Land“, den Beatrice und ich weitaus kritischer sehen als viele andere, den tollen „Hell or High Water“ und den spannenden „Die Blumen von gestern“.

Jahresrückblick 2016

Im Dezember habe ich an allerhand Jahresrückblicken mitgewirkt: der KrimiZeit-Jahresbestenliste, den Abstimmungen bei kino-zeit.de und natürlich auch im CrimeMag, in dem sich eine illustre Runde u.a. mit Max Annas, Gary Disher, Zoë Beck, Frank Göhre, Dominik Graf und und und zusammengefunden hat. Die gesamte Ausgabe ist hier zu finden, mein Beitrag hier und die CrimeMag-Top-Ten hier.

In diesem Sinn wünsche ich euch allen einen guten Rutsch!

Hartl & Behn: Assassin’s Creed, Die Überglücklichen und Love & Friendship

Ein letztes Mal in diesem Jahr haben Beatrice Behn und ich über Filme geredet – oder besser gesagt: ich habe mich von meiner Begeisterung für einen mit großen Gesten und Bildern gescheitertem Film, für Jane Austen und exaltierte Frauen mitreißen lassen. Aber seht selbst: