Krimi-Kritik: „Schwarzlicht“ von Horst Eckert

Der Düsseldorfer Kommissar Vincent Che Veih wurde gerade zum kommissarischen Leiter der K11 befördert, als er es mit einem brisanten Fall zu tun bekommt: Walter Castorp, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, ist sechs Tage vor der Landtagswahl in einem Swimming Pool ertrunken. Er hatte schon einige Skandale durchlebt, zuletzt wurde ihm vorgeworfen, er hätte im Stile von Watergate die Opposition bespitzelt. Dennoch deutet bei seinem Ableben alles auf einen Unfall hin, aber Vincent will die Ermittlungen gründlich durchführen und entdeckt bald Hinweise auf einen Mord. Also ermittelt er in den höchsten Kreisen von Politik und Prominenz in Düsseldorf – und tritt manchem gehörig auf die Füße.

(c) Wunderlich

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„Schwarzlicht“ ist ein spannender Kriminalroman, in dem Horst Eckert viele aktuelle Themen aufgreift: Das Verhältnis der Bundes- zur Landespolitik beispielsweise, die Versuche der regierenden „Mutti“, unliebsame Konkurrenten aus dem Weg zu befördern, Skandale über illegale Abhörungen, vertuschte Gelder, die zu engen Verbindungen aus Politik und Wirtschaft, die Einmischung der Politik in polizeiliche Ermittlungen und vieles mehr. Von Schwarzgeldkoffern in der Schweiz bis zum Ehrenwort spielt daher fast jeder Skandal der letzten Jahre eine Rolle in dem Kriminalroman – und von Uwe Barschel bis zu Christian Wulff lassen sich auch die jeweiligen Beteiligten wiederfinden. Dabei behält Horst Eckert die Fäden seiner Handlung aber in der Hand und verknüpft sie zu einem spannenden Plot, in dem die Enttarnung der jeweiligen Hintergründe viel Vergnügen bereitet.

Allein mit den politischen Ränkespielen und vertuschten Skandalen hätte Horst Eckert daher seinen Roman füllen können, darüber hinaus gibt er aber seiner Hauptfigur Vincent Veih ein allzu schweres Erbe mit: Seine Mutter ist nicht nur eine verurteilte RAF-Terroristin, sondern sein Großvater – bei dem er aufgewachsen ist – war ebenfalls Polizist und Nationalsozialist. Aufgewachsen in dem Spannungsfeld zwischen mütterlicher Rebellion und großväterlicher Disziplin kann Vincent Veih seiner Mutter nicht verzeihen, dass die ‚Sache‘ immer wichtiger war als er – und daran droht gerade seine Beziehung zu einer Psychologin zu zerbrechen. Glücklicherweise gibt es eine nette WDR-Reporterin, die auf seiner Seite steht. Hinzu kommen noch neidische und intriganten Kollegen, mit denen sich Vincent Veih herumschlagen muss. Dadurch wird der Charakter Vincent Veih unnötig überladen.

„Schwarzlicht“ ist ein unterhaltsamer und spannender Kriminalroman, gut recherchiert und flüssig erzählt. Oftmals hätte Horst Eckert etwas subtiler vorgehen können, insgesamt aber überzeugt die Mischung aus Polizeiroman und Politthriller.

Horst Eckert: Schwarzlicht. Wunderlich 2013.

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