Krimi-Kritik: „Korrupt“ von Mike Nicol

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Der surfende Privatdetektiv Fish Pescado ist wieder zurück – oder besser gesagt: zunächst ist seine Freundin Vicky Kahn wieder da. Die pokersüchtige Anwältin hat eine – sagen wir – Fortbildung absolviert und arbeitet nun für den südafrikanischen Geheimdienst, der State Security Agency, kurz SSA. Unter Führung des stets „Alice im Wunderland“ zitierenden Henry Davidson bekommt sie den Auftrag, auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol ein schönes Model zu treffen, das dem Geheimdienst Informationen übermitteln will. Zur gleichen Zeit wird in Kapstadt ein Attentat auf einen Politiker verübt, der aus der Zentralafrikanischen Republik Exil in Südafrika gesucht hat. Und mittendrin steckt Fish, der erst auf Betreiben von Mart Velaze den Auftrag von der überlebenden Witwe bekommt, das Attentat zu untersuchen, und dann auch von Vicky um Hilfe gebeten wird. Denn natürlich kann eine Agentin kaum ohne die Hilfe ihres Freundes klarkommen, das ist ja bei all den männlichen Agenten auch immer so, dass die ihre Freundinnen …

Und damit sind wir schon bei dem Hauptproblem dieses im Grunde genommen hochspannenden Thrillers, der wieder einmal zeigt, wie verworren und – gemäß dem Titel – korrupt das gesamte System in Südafrika ist: Mike Nicol schreibt eine Art von Frauenfiguren. Nur eine Art. Seine Frauen sind grundsätzlich schön, atemberaubend schön, überirdisch schön. Alle Männer begehren sie und stellen ihre Schönheit fest, die einzigen beiden weiblichen Figuren, die davon abweichen könnten, allein schon, weil sie älter sind, gibt es nur am Telefon – die „Stimme“, die Velaze Befehle erteilt, und Fishs Mutter Estelle. Ansonsten haben wir hier die wunderschöne Vicky Kahn, die wunderschöne Nandi, die wunderschöne Linda, die alle in dem Fall verstrickt sind und natürlich auch tough sind. Clever, raffiniert. Aber vor allem schön. Das ist übrigens auch die herausragende Eigenschaft von Krista Bishop, die kurz vorkommt – bekannt aus seiner „Rache“-Trilogie – als hätten sie und all die anderen Frauen nicht auch andere Potentiale. Oder wenigstens Charaktereigenschaften.

Deshalb hat diese neue Reihe sicherlich all die Tugenden der „Rache“-Trilogie – Nicol taucht tief in das Geflecht der südamerikanischen Gesellschaft ein und nicht nur das, er erweitert stetig den Fokus, hier geht es um Verflechtungen innerhalb Afrikas, insbesondere mit der Zentralafrikanischen Republik, aber auch mit andere Geheimdiensten und Regierungen. Ebenso spielt die Vergangenheit Südafrikas eine Rolle, die noch heute die Gesellschaft markieren. Auch in dem im Roman namenlosen Präsidenten Südafrikas ist mühelos Jacob Zuma zu erkennen, die Parallelen ins Jetzt ebenso deutlich wie wichtig. Das ist natürlich alles spannend, zynisch, böse. Deshalb ist es umso schade, dass er nicht mehr Sorgfalt auf die Frauenfiguren verwendet. Denn in der „Rache“-Trilogie ging es noch vornehmlich um Männer, Frauen blieben am Rand. Und da war ihre Eindimensionalität besser zu ertragen …

Mike Nicol: Korrupt. Übersetzt von Mechthild Barth. btb 2018.

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