Krimi-Kritik: „Freakshow“ von Jörg Juretzka

(c) Unionsverlag

(c) Unionsverlag

Eigentlich hat Kryszinski mehr als genug zu tun: Er will den flüchtigen Kindervergewaltiger Benjamin Peelaert aufspüren, einen Bugatti finden, seinen Hund Struppi aus einer Klinik freikaufen und herausfinden, warum er den sprachgestörten Alfred, bekannt aus „Fallera“, in einem Waldstück zwischen Mülheim und Duisburg völlig verstört aufsammeln musste. Eigentlich sehnt er sich deshalb nach „einem Bier, einer Zigarette, einem Tag Schlaf“, allerdings hat er mal wieder keine Wohnung und kein Geld, deshalb nimmt er noch einen Job als Nachtwächter – Objektschützer! – an, der ihm von der guten Frau Dr. Marx, ebenfalls aus „Fallera“ bekannt, vermittelt wird. Er soll verhindern, dass von der Großbaustelle rund um die Einrichtung für betreutes Wohnen in Duisburg-Mündelheim noch mehr Baumaterialien gestohlen werden. Schon bald stellt Kryszinki fest, dass diese ganzen Fälle miteinander in Verbindung stehen – und gerät mal wieder bis zum Hals in der Gülle steckt.

Zahllose Handlungsfäden laufen in „Freakshow“ parallel, wer Juretzka kennt, ahnt allerdings, dass sich schon bald Überschneidungen ergeben. Außerdem ist Kryszinski im Verlauf der Reihe immer mehr zum Kämpfer der Schwachen und Ausgestoßenen geworden – und so setzt er sich auch dieses Mal für jugendliche Ausreißer und Behinderte ein, legt sich mit Pädosexuellen und christlichen Fundamentalisten an, bekommt ordentlich „auf die Fresse“ und steht immer wieder auf. Dabei behält Jörg Juretzka stets die Kontrolle über die verschiedenen Handlungsstränge, ja, es gelingt ihm sogar, dass wir ihm glauben, dass sich Kristof Kryszinski mit Sekten, pädosexuellen Sadisten, Frau Spirititolu von der Tierklinik und privaten Sicherheitsdiensten gleichzeitig anlegen kann. Es ist indes kein Wunder, dass Kryszinski am Ende dieses Romans im Spiegelbild nur noch einen „hageren Serienkiller mit manisch, schwarz umrandeten Augen“ entdeckt. Denn die bitterste Pille kommt am Schluss, dann zeigt sich, was der Titel eigentlich bedeutet.

Jörg Juretzka: Freakshow. Rotbuch 2011. Taschenbuchausgabe im Unionsverlag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.