Gedanken zu „Wüste der Toten“ von Urban Waite

(c) Droemer Knaur

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Es ist die Aussichtslosigkeit, die dieses Buch bestimmt. Als Ray Lamar vor zehn Jahren entschieden hat, für das Drogenkartell von Memo zu arbeiten, hat er damit seinem Leben – und dem seiner Familie – eine Wendung gegeben, die sich weder umkehren noch korrigieren lässt. Er hat seine Frau verloren, seine Heimatstadt und seinen Sohn verlassen, doch er ist seither von dem Wunsch getrieben, wieder zurückzukehren. Und nach zehn Jahren nutzt er dafür einen wahnwitzigen Vorwand: Ein letzter Job für Memo, der ihm das nötige Geld für einen Neuanfang einbringen soll. Von der ersten Minute an ahnt Ray, dass die Sache schief gehen wird. Aber seine Hoffnung bringt alle Zweifel zum Schweigen – und als er schließlich erkennt, dass es keinen Weg zurück mehr gibt, bleibt ihm nur noch Rache.

Rays Cousin Tom hat sich hingegen niemals für das Leben als Verbrecher entschieden. Er war Sheriff dieser Stadt, bis er sich zu einer Tat hinreißen ließ, die sein Leben veränderte. Diese Tat hing natürlich mit seinem Cousin zusammen, und doch hat Tom diese Entscheidung getroffen und will nicht einsehen, dass weder er noch Ray Gelegenheit bekommen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben.

„Wüste der Toten“ ist kein Kriminalroman in dem Sinne, dass ein Verbrechen geschieht und aufgeklärt wird. Vielmehr erzählt Urban Waite von dem Scheitern, das nach Entscheidungen beinahe zwangsläufig eintritt, der Perspektivlosigkeit und einem Landstrich, in dem mexikanische Drogenbarone die treibende Wirtschaftskraft sind. Es ist eine Gegend ohne Perspektiven, ebenso trostlos wie die Wüste, hier kreisen bereits die Aasgeier, die im Original den Titel geben. Deshalb kann es in Rays Leben nur eine Richtung geben: bergab. „Wüste der Toten“ ist daher ein trostloses, ein staubtrockenes und knurrig-gutes Buch.

Urban Waite: Wüste der Toten. Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger. Droemer Knaur 2014.

Nachbemerkung: Abgesehen davon, dass Urban Waites Autorenseite ein schönes Intro hat, ist dort auch ein Autorenfoto von ihm zu finden. Normalerweise mache ich mir über das Aussehen von Autoren keine Gedanken, ich würde auch nur wenige Autoren erkennen. Aber da ich mir unter Urban Waite einen etwas jüngeren, aber mindestens 50-jährigen Cormac McCarthy vorgestellt habe, war ich doch überrascht.

4 Gedanken zu „Gedanken zu „Wüste der Toten“ von Urban Waite

  1. DieLeserin

    Hach, das Buch hatte ich auf meiner Leseliste und es dann wieder verworfen. Muss ich jetzt wohl doch noch lesen, weil mich deine Rezension absolut neugierig auf die Geschichte macht. Besonders die Bezeichnung „knurrig-gutes“ in Verbindung mit „staubtrocken“ entfacht meine Neugier ;-).
    Liebe Grüße, Iris

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    1. Zeilenkino Artikelautor

      Das ist schön. 🙂 Es ist auch ein Buch, bei dem Du schon auf den ersten Seiten merkst, ob es Dir stilistisch gefällt oder nicht – und deshalb auf jeden Fall wenigstens einen Blick wert.

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