Kategorie-Archiv: Bücher

Auf der Suche nach dem Ich – „Wie sollten wir sein?“ von Sheila Heti

(c) Rowohlt

Allein der Titel ist ungemein ansprechend – wer hat sie sich noch nie gestellt, die Frage, wie wir, wie er, wie sie sein sollte. Nun kann ein solcher Roman zur peinlichen Seelenbeschauung werden, egozentrisch bis zur Selbstverliebtheit eigene Befindlichkeiten thematisieren und dabei nur eine große Leere enthüllen. Aber Sheila Heti hat nicht versucht, einen „Generationenroman“ […]

Humbert Humbert in Florida – Über „Tampa“ von Alissa Nutting

(c) Hoffmann und Campe

Celeste Price ist 26 Jahre alt, wunderschön, Lehrerin an einer Junior-Highschool, verheiratet mit dem Polizisten Jack Ford und lebt in Florida. Ihr Mann sieht gut aus und ist reich, befriedigen kann er sie aber nicht. Denn Celeste ist pädosexuell: Sie giert nach 14-jährigen Jungen, nach deren schlaksigem Körperbau und Unschuld. Deshalb ist sie Lehrerin geworden und […]

Krimi-Kritik: „Rotzig & Rotzig“ von Jörg Juretzka

(c) Unionsverlag

„Der Mann war noch nicht ganz aufgeschlagen, noch nicht ganz tot, als am Kellergeschoss eine Stahltür aufsprang und zwei rotznasig und unterernährt wirkende Jungs von vielleicht neun oder zehn Jahren herausstürmten, sich auf den Leichnam stürzten und ihm ebenso ungerührt wie routiniert die Taschen auf links zogen. Ich hatte instinktiv ein paar Schritte rückwärts gemacht […]

Das Psychogramm einer Ehe – „Die stille Frau“ von A.S.A. Harrison

(c) Bloomsbury Berlin

„Besser als Gone Girl“ stand in der Verlagsvorschau von Bloomsbury Berlin – und dieser Satz machte mich sehr neugierig auf „Die stille Frau“ von A.S.A. Harrison. Bin ich doch von dem Potential sowohl von Gillian Flynn als auch der Geschichte von „Gone Girl“ überzeugt, war von dem Erzählstil und -konstruktion des Buches jedoch enttäuscht. Insbesondere […]

Gedanken zu „Wüste der Toten“ von Urban Waite

(c) Droemer Knaur

Es ist die Aussichtslosigkeit, die dieses Buch bestimmt. Als Ray Lamar vor zehn Jahren entschieden hat, für das Drogenkartell von Memo zu arbeiten, hat er damit seinem Leben – und dem seiner Familie – eine Wendung gegeben, die sich weder umkehren noch korrigieren lässt. Er hat seine Frau verloren, seine Heimatstadt und seinen Sohn verlassen, […]

Verbrechen in Glasgow – „Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter“ von Malcolm Mackay

(c) S. Fischer

Glasgow ist Schauplatz von Malcom Mackays „Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter“, Auftakt seiner Trilogie um ein schottisches Verbrechersyndikat. Im Mittelpunkt steht Calum MacLean, freischaffender Auftragskiller mit gutem Ruf und Hang zur Einsamkeit. Deshalb arbeitet er am liebsten alleine und hat sich bisher keiner Organisation angeschlossen. Als nun aber der beste Auftragskiller der Branche, Frank […]

Den Haag und Serbien – Über „Tribunal“ von André Georgi

(c) Suhrkamp

Die besten Krimis blicken über den eigenen Rand hinaus, sind – auf verschiedenste Weise – gesellschaftskritisch und regen zum Nachdenken an. Auf den ersten Blick scheint das alles auf „Tribunal“ von André Georgi zuzutreffen. Seine Hauptfigur ist die Polizistin Jasna Brandic, die seit zwei Jahren für den Schutz des Serben Marco Kovac zuständig ist. Kovac […]