Archiv für den Monat: Juli 2012

Media Monday #57

Nach dreiwöchiger Urlaubspause starte ich meine Woche wieder mit dem Media Monday:

1. Pierce Brosnan gefiel mir am besten in „Der Ghostwriter“, da er sehr gut in die Rolle des glatten Politikers passte.

2. Peter Greenaway hat mit „The Cook the Thief His Wife & Her Lover“ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil es dieser Film ist, den ich immer mit ihm in Verbindung bringen werde. Und weil ich ihn vor Jahren nur aufgrund seines Titels gesehen habe und mich inmitten eines schwarzhumorigen, merkwürdigen Films befand, von dem ich nicht lassen konnte.

3. Vera Farmiga gefiel mir am besten in „Up in the Air“. Für mich ist sie eine famose Schauspielerin, die jede Rolle mühelos zu spielen erscheinen lässt. Weiterlesen

Preview in Köln und Kinostart von „Oma & Bella“

Die besten Freundinnen Bella und Regina sind Jahrgang 1923 und 1927 und wohnen nun seit fünf Jahren zusammen in einer Wohnung in Charlottenburg. Ihre Leidenschaft ist das Kochen. Reginas Enkelin, die Filmemacherin Alexa Karlinski, hat die Damen mit der Kamera begleitet, ihnen zugesehen und zugehört. Während sie ihre Hühnersuppe kochen, erzählen sie von ihrer Kindheit in Vilnius und Katowice, dem Überleben der Ghettos und Lager, ihren Männern und ihrem Leben nach dem Krieg in Berlin. Das Ergebnis ist ein wunderbares Porträt von zwei jüdischen Frauen und das Leben im Alter.

Am 1. August findet um 20 Uhr in der Filmpalette eine Preview von „Oma & Bella“ statt, der ab dem 23. August bundesweit in die Kinos kommt.

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Teaser-Trailer und Starttermin zu „Die fantastische Welt von Oz“

(c) Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Der Zirkusmagier Oscar Diggs (James Franco) landet eines Tages in der fantastischen Welt von Oz. Anfangs glaubt er, nun habe er den Schlüssel zu Ruhm und Reichtum gefunden. Aber dann begegnet er den drei Hexen Theodora (Mila Kunis), Evanora (Rachel Weisz) und Glinda (Michelle Williams), die ihn nicht als sonderlich großen Zauberer ansehen. Widerwillig lässt sich Oscar in die Welt von Oz hineinziehen und findet heraus, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Und eines Tages wird er nicht nur der große und mächtige Zauberer von Oz, sondern auch ein besserer Mensch.

In dem 3D-Fantasyfilm „Die fantastische Welt von Oz“ erzählt Sam Raimi die Vorgeschichte zum „Zauberer von Oz“. Für das Produktionsdesing ist Robert Stromberg verantwortlich, der u.a. auch die Welten in „Avatar“ und Tim Burtons „Alice im Wunderland“ entworfen hat. Der Film startet am 7. März 2013 in den deutschen Kinos.

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Trailer und Starttermin zu „Cloud Atlas“

Tom Tykwer („Lola rennt“) hat mit Lana und Andy Wachowski („Matrix“-Trilogie) den Roman „Wolkenatlas“ von David Mitchell verfilmt. Darin erzählt David Mitchell sechs Geschichten, die insgesamt einen Zeitraum von fast 1000 Jahren umfassen und miteinander verwoben sind. Sie unterscheiden sich im Stil und Sprache, dabei behandelt Mitchell Themen wie den Willen zur Macht, Ausbeutung und Unterdrückung, aber auch Reinkarnation. Der erste Trailer zu „Cloud Atlas“ greift diese Aspekte auf – und lässt auf eine gute Verfilmung hoffen:

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Die Besetzung ist äußerst namenhaft, dazu gehören Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Jim Sturgess, Susan Sarandon, Hugh Grankt, Ben Whishaw und Zhou Xun. Seine Weltpremiere wird der Film bei dem Toronto International Film Festival feiern und am 15. November 2012 startet „Cloud Atlas“ in den deutschen Kinos.

Ein finnisch-estnischer Roman – „Fegefeuer“ von Sofi Oksanen

(c) Kiepenheuer & Witsch

Seit Erscheinen stand „Fegefeuer“ von der finnisch-estnischen Autorin Sofi Oksanen auf meiner Leseliste, an einem verregneten Nachmittag an der Ostsee begann ich es dann zu lesen – und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Auf knapp 400 Seiten erzählt Sofi Oksanen anhand zweier Frauenleben das Schicksal einer Familie in Estland und Russland im 20. Jahrhundert. Die Geschichte beginnt mit einem Bündel, dass die estnische Bäuerin Aliide Truu im Jahr 1992 in ihrem Garten findet. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Bündel als junge Frau. Zara wurde in der Hoffnung auf ein besseres Leben von ihrer Freundin nach Berlin gelockt und dort zur Prostitution gezwungen. Sie konnte fliehen und ist nicht zufällig bei Aliide gelandet. Vielmehr glaubt sie, dass Aliide die Schwester ihrer Großmutter sei. Auf zwei Ebenen entfaltet sich nun das Leben dieser zwei Frauen, die vor allem ein unbändiger Überlebenswille vereint. Weiterlesen

Von „Road Dogs“ bis zu „Wanderer der Nacht“– Meine Urlaubsbücher 2012

Zwei Wochen Urlaub an der Ostsee bedeuteten für mich vor allem viel Zeit zum Lesen. Zu einigen Büchern werde ich noch etwas längere Besprechungen schreiben, aber vorab schon einmal einige Anmerkungen zu den gelesenen Büchern (in Lese-Reihenfolge):

Sofi Oksanen: Fegefeuer
Ein packender Roman über die Geschichte Estlands, gespiegelt im Schicksal zweier Frauen. Eine Besprechung folgt.

Elmore Leonard: Road Dogs
Die Fortsetzung von „Out of Sight“ erzählt die Geschichte des Bankräubers Jack Foley weiter, bleibt aber hinter dem ersten Teil zurück. Auch hier folgt im Rahmen meiner Elmore-Leonard-Reihe ein ausführlicherer Beitrag.

(c) Pantheon Verlag

Andrea Böhm: Gott und die Krokodile. Eine Reise durch den Kongo
Ein Buch, das ich schon lange lesen wollte, da ich mich sehr für Afrika im Allgemeinen und den Kongo im Besonderen interessiere. „Gott und die Krokodile“ ist ein Reportagebuch, in dem Andrea Böhm ein sympathisches und kritisches Porträt des Landes zeichnet, in dem „se débrouiller“ – sich durchwursteln – das Lebensmotto der Bewohner ist. Sehr schön verknüpft Andrea Böhm ihre Porträts und Geschichten mit der Historie, auch wenn ich mir mitunter etwas mehr Prägnanz gewünscht hätte. Aber zweifellos ein Buch, das sich gerade für eine erste Begegnung mit dem Land sehr gut eignet.

Pétur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Ebenfalls ein Buch, das schon sehr lange in meinem Regal lag. In „punkt punkt komma strich“ erinnert sich Pétur Gunnarssons episodenhaft an seine Kindheit in Island und zeichnet ein sehr genaues Bild des Landes in der Zeit um und nach dem Zweiten Weltkrieg. Voller Witz, Ironie und Lakonie ist dieses Buch ein sprachliches Meisterwerk, aus dem ich meinem Mann immer wieder Sätze vorgelesen habe – und auf dessen Fortsetzung ich mich freue.

Uta-Maria Heim: Feierabend
Diesen Kriminalroman habe ich auf der KrimiZeit-Bestenliste entdeckt und da ich immer auf der Suche nach guten deutschsprachigen Kriminalromanen bin auch gekauft. Allerdings hat mich das Buch letztlich nicht begeistert. Weiterlesen

Dogma light – „Italienisch für Anfänger“ von Lone Scherfing

Andreas (Anders Berthelsen) mit Olympia (Anette Støvelbæk) (c) Studiocanal

Vertretungsweise hat Pastor Andreas (Anders W. Berthelsen, „SuperClásico“) eine Pfarrstelle in einer tristen Kopenhagener Vorstadt übernommen. Da sein Vorgänger lediglich suspendiert ist und weiterhin im Pfarrhaus wohnt, bezieht Andreas ein Zimmer in einem Hotel. Dort hat der Empfangschef Jørgen Mortensen (Peter Gantzler) gerade erfahren, dass er den Kellner Hai-Finn (Lars Kaalund) entlassen soll. Aber Hai-Finn ist seit langen Jahren sein bester Freund, sie besuchen nun sogar zusammen einen Italienischkurs von der Gemeinde, in dem Hai-Finn Frauenbekanntschaften such, während Jørgen Italienisch lernen will, um endlich die Kellnerin Giulia (Sara Indrio Jensen) anzusprechen. Diesen Kurs besucht auch die Bäckereiverkäuferin Olympia (Anette Støvelbæk), die von ihrem despotischen Vater tyrannisiert wird. Und später stößt noch die Friseurin Karen (Ann Eleonara Jørgensen) hinzu, die sich um ihre alkohol- und krebskranke Mutter kümmert. Sie alle erhoffen sich von dem Kurs eine Abwechslung von ihrem Alltag – und nach mehreren Todesfällen und Trauerfeiern reisen sie schließlich zusammen nach Italien. Weiterlesen

Die Sektion des amerikanischen Traums – „Jetzt und auf Erden“ von Jim Thompson

(c) Heyne

Das Leben ist für den Schriftsteller James „Dilly“ Dillon ein einziger Kampf – gegen den Alkohol, gegen eine Schreibblockade und gegen die Arbeit. Auch zu Hause findet er keine Unterstützung. Er lebt mit seinen drei Kinder, seiner Ehefrau, seiner Mutter und seine Schwester in beengten Verhältnissen, in denen seine Frau und Mutter einen Kleinkrieg gegeneinander ausfechten und ihn mit Vorwürfen konfrontieren. Selbst Dillons Beziehung zu seiner Frau ist weniger von Liebe denn von einer wechselseitigen Besessenheit geprägt. Seine Arbeit in einer Flugzeugfabrik hasst er, aber er muss seine Familie irgendwie durchbringen. Also setzt er sich der angespannten Atmosphäre voller Neid und der verabscheuten Tätigkeiten jeden Tag aufs Neue aus. Es ist sein Pflichtgefühl, das ihn irgendwie am Leben hält. Weiterlesen

Bachmann-Preis 2012 – Preisverleihung und Fazit

Gewinnern des Bachmann-Preises ist Olga Martynova (c) TDDL

Mit der Preisverleihung sind heute die Tage der deutschsprachigen Literatur zu Ende gegangen. Auf die Shortlist wählte die Jury Leopold Federmair, Lisa Kränzler, Inger-Maria Mahlke, Olga Martynova, Stefan Moster, Matthias Nawrat, Matthias Senkel und Andreas Stichmann. Bei der ersten Abstimmung siegte dann denkbar knapp mit vier gegen drei Stimmen Olga Martynova den Bachmann-Preis vor Matthias Nawrat. Damit gab die Jury einem poetischen und spielerischen Text den Vorzug vor einer Familiengeschichte. Olga Martynova wurde verschiedentlich als Favoritin gehandelt und gehörte auch zu meinen Preiskandidaten, da sie einen originellen und sprachlich raffinierten Text vorgelegt hat. Weiterlesen

Bachmann-Preis 2012 – Tag 3 der deutschsprachigen Literatur

Heute war der letzte Tag beim Bachmannpreis-Lesen, aber der Text, der mich richtig begeistert hat, ist weiterhin ausgeblieben. Stattdessen gab es erneut einige Pubertätsgeschichten zu hören – und weiterhin spielten Tiere eine wichtige Rolle.

Matthias Nawrat (c) TDDL

Den Auftakt am dritten Tag machte Matthias Nawrat mit seinem Text „Unternehmer“, in dem er von einer Schrottsammler-Familie im Schwarzwald erzählt. Mit starken Metaphern und gekonnten Wortbildungen entsteht in seiner Geschichte ein eigener Ton, darüber hinaus hat mir auch der starke Gegenwartsbezug gut gefallen: das Sammeln von Altmetall als Geldverdienst, der Traum vom Auswandern und die allgegenwärtige Arbeitslosigkeit. Leichte Schwierigkeiten hatte ich mit der Erzählerin der Geschichte. Sie ist die Tochter dieser Familie, ein fester Bestandteil als Assistentin des Vaters. Dabei wird sie sehr schön eingeführt – wie Hildegard Keller später sagte „aus dem Inneren“ heraus –, allerdings bringt sie die Veränderung in der Handlung von der Altmetall-Sammler-Familie hin zu einer Pubertätsgeschichte. Weiterlesen