Archiv für den Monat: März 2012

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„Die Unperfekten“ von Tom Rachmann

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Ein Schlüsselroman ist Tom Rachmanns „Die Unperfekten“ nicht. Auch gibt er keine enthüllenden Einblicke in das Leben von Journalisten oder einer Zeitungsredaktion. Stattdessen erzählt der amerikanische Autor in seinem Debüt elf Geschichten, die kaleidoskopartig miteinander verwoben sind. Im Mittelpunkt steht eine römische Tageszeitung, die in den 1950er Jahren von dem Geschäftsmann Cyrus Ott gegründet wurde. Für diese Zeitung schrieb auch einst Lloyd Burko, Auslandskorrespondent in Paris. Aber er ist ein Relikt aus einer anderen Zeit, das stoisch am Fax-Gerät und seinem alten Textverarbeitungsprogramm festhält. Vor E-Mails schreckt er zurück – und obwohl er dringend eine gute Geschichte bräuchte, fehlt ihm die Motivation. Längst in der Zeitung von heute kein Platz mehr für ihn. Aber auch das Blatt selbst hat an Glanz verloren. Mittlerweile hat Otts Enkel die Leitung übernommen, der mehr Interesse an seinem Hund als an der Zeitung hat. Und so mit ist der Niedergang eingeläutet. Weiterlesen

Das Buch zum Film (c) Randomhouse

Anlässlich der Verfilmung: „Russendisko“ von Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer (c) Doris Poklekowski

Im Jahr 1990 kam Wladimir Kaminer aus Russland nach Berlin und lebte sich in dieser Stadt schnell ein, in der es – zumindest seinem Buch „Russendisko“ zufolge – von skurrilen Gestalten nur so wimmelt. Er muss tatsächlich Gefallen an diesem Ort und seinen Bewohnern gefunden haben, daher erzählt er in 50 kurzen Geschichten von Bulgaren, die einen Döner-Laden eröffnen, dem russischen Radio-Doktor und seinem Freund Sascha, der für zwei Frauen „Nüsse aus aller Welt und deutsche Pilze aus Sachsen“ verkauft, von seinem Vater, der in Deutschland unbedingt seinen Führerschein machen wollte, und seiner Mutter, die das Reisen entdeckte, aber die Welt nicht zu groß haben wollte und deshalb immer mit einem Berliner-Billig-Busreiseunternehmen reiste. Denn der Bus fährt schön lange und nicht allzu weit in die Ferne.

Das Buch zum Film (c) Randomhouse

Die einzelnen Handlungsanrisse erinnern an Kolumnen, die vor allem durch den stets liebevollen Blick des Autors überzeugen und unterhalten. Er will niemanden entlarven oder bloßstellen, sondern er geht mit einer ungemeinen Offenheit und Neugierde durch die Welt. Deshalb fallen ihm Eigenheiten auf, die andere vielleicht übersehen würden. Und bei aller literarischen Überzeichnung entsteht bei der Lektüre niemals der Eindruck des Unglaubwürdigen oder hoffnungslos Übertriebenden. Stattdessen ermöglicht Wladimer Kaminer einen anderen Blick auf der Berlin, der die Vorteile praktisch benennt. Immerhin ist Berlin nahezu mückenfrei und verglichen mit Moskau fast ein Kurort. Deshalb kann er auch darüber hinwegsehen, dass in Berlin nichts so ist, wie es zunächst scheint. Noch nicht einmal mehr die vietnamesischen Zigarettenverkäufer stammen wirklich aus Vietnam, sondern sind lediglich ein Klischee aus Fernsehserien. Weiterlesen

media-monday-39

Media Monday #39

Es ist wieder Montag – also Zeit für die Fragen des Media Monday, die ich dieses Mal wesentlich schneller als letzte Woche beantworten konnte. Das Bild zu diesem Beitrag habe ich erneut im Medienjournal „geklaut“, weil ich es immer noch nicht geschafft habe, ein eigenes Logo zu basteln.

1. Der beste Film mit Colin Firth ist für mich „A Single Man“, weil er in der Rolle des lebensmüden Professors eine beeindruckende schauspielerische Leistung hingelegt hat – und mir beim Sehen fast das Herz gebrochen hat.

2. Steven Spielberg hat mit „Catch me if you can“ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil es ein äußerst unterhaltsamer Film ist, bei dem es – im Gegensatz zu vielen anderen Spielberg-Filmen – nicht zu sehr auffällt, dass er ein wenig zu lang geworden ist.

3. Der beste Film mit Marion Cotillard ist für mich „Inception“, auch wenn ich ihre Rolle darin gar nicht so gut fand. Dafür aber den Film umso besser. Weiterlesen

(c) Piper

„Gier“ von Arne Dahl – Buchbesprechung und Lesungsbericht der lit.Cologne

Lesung mit Anne Bubenzer, Arne Dahl und Gerd Köster (v.l.) auf der lit.Cologne

Am gestrigen Abend stellte Arne Dahl seinen neuen Thriller „Gier“ im Rahmen der lit.Cologne auf dem Literaturschiff RheinEnergie vor. Und der Abend mit dem schwedischen Krimiautor hat mir sehr gut gefallen. Das Gespräch mit Anne Bubenzer fand überwiegend auf Deutsch statt, da Arne Dahl zeitweise auch in Berlin lebt. Zwischendurch las Gerd Köster sehr hörenswert aus dem Thriller, dabei fühlte ich mich mal wieder in meinem Ansinnen bestärkt, dass Bücher am besten von professionellen Sprechern vorgelesen werden sollte. Insgesamt stimmte die Mischung aus Vorlesen und Gespräch, zumal Arne Dahl einige interessante Ansichten über die Wirtschaftskrise, Europa und dem Kriminalroman im Allgemeinen äußerste. Außerdem bekannte er, dass er vor einiger Zeit in Kerstin Holm – eine Ermittlerin seiner A-Gruppe – verliebt gewesen sei. Aber angesichts von „Rosenrot“ hat mich das nicht so sehr gewundert. 😉

„Gier“, das A-Team und neue Ermittler
Im Mittelpunkt standen natürlich die Kriminalromane von Arne Dahl. Ich bin eine Leserin der ersten Stunde, lese also schon seit 2003. Überzeugt hat mich damals bei „Misterioso“ auch der Gedanke, dass diese Reihe von vorneherein auf zehn Bände festgelegt sein sollte. Damit stellte sich Arne Dahl in eine Tradition mit der Kommissar-Beck-Dekalogie von Maj Sjöwall und Per Wahlöö, vor allem aber hoffte ich, er würde der Versuchung widerstehen, die Reihe immer weiter fortzuschreiben, obwohl die Figuren auserzählt sind. Weiterlesen

Matthias Brandt liest

lit.Cologne 2012 – „Hier ist nur Blut, Herr Komissar. Ein literarisches Gemetzel“

Die Halle füllt sich langsam

Gestern war ich das erste Mal in meinem Leben auf der lit.Cologne. Dabei wohne ich nun auch schon einige Zeit im Rheinland. Aber im letzten Jahr war ich erst auf der Leipziger Buchmesse, außerdem waren meine Wunsch-Veranstaltungen dann schon ausverkauft. Dieses Jahr habe ich schnell zugegriffen und war daher gestern beim „literarischen Gemetzel“ in der Lanxess-Arena. Laut Ankündigung sollte es ein Abend mit viel deutschsprachiger Kriminalliteratur werden, außerdem sollte das WDR-Rundfunkorchester mitwirken.

Das WDR-Rundfunkorchester

Mit Musik begann dann auch der Abend. Das Orchester spielte ein Arrangement aus Titelmelodien bekannter deutscher Krimiserien wie „Der Kommissar“ und „Tatort“. Diese Mischung hat mir auch bei den Lesungen im Bonner Polizeipräsidium immer gut gefallen, daher war es ein vielversprechender Auftakt. Anschließend betrat ein gut gelaunter Frank Schätzing die Bühne, der insgesamt souverän durch den Abend führte. Er war sich für fast kein Wortspiel zu schade und hatte einige nette Pointen. Weiterlesen

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Media Monday #38

Schwierige Fragen beim Media Monday

1. Der beste Film mit Charlton Heston ist für mich „Bowling for Columbine“, weil ich die Begeisterung für Charlton Heston nie verstehen konnte und er sich sowie die NRA selbst entlarvt. :-) Auf dem zweiten Platz landet „Touch of Evil“, weil es einer seiner wenigen Filme ist, mit denen ich etwas anfangen kann.

2. Jim Jarmusch hat mit „Broken Flowers“ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil ich Bill Murray in diesem Film einfach großartig finde – und die Balance zwischen Tragik und Komik sehr gelungen ist. Weiterlesen

(c) Dumont)

„Luther – Die Drohung“ – Der Thriller vor der Serie

© DuMont Buchverlag)

Meistens gibt es erst das Buch und dann den Film. Oder aber das Buch zum Film, das dann die Handlung nach- bzw. weitererzählt. Oder Fanbücher, die ganz auf den Film abgestimmt sind. Neil Cross ist mit seinem Roman „Luther – Die Drohung“ nun einen anderen Weg gegangen. Er erzählt die Vorgeschichte zu der Fernsehserie „Luther“, nachdem die Drehbücher bereits fertig waren. Das hat einige Vorteile: Die Figuren sind sehr nah bei den Schauspielern, gerade bei der Hauptfigur ist Idris Elba deutlich zu erkennen. Auch die Interpretationen der Schauspieler – also beispielsweise die großen Schritte, die Luther immer macht – finden sich in der Geschichte wieder. Es hat aber auch einen Nachteil, der im Fall eines Thrillers besonders schwer wiegt: Der Zuschauer der Serie kennt bereits den Ausgang des Falls Weiterlesen

Rizzoli und Isles (c) VOX/Warner Bros. International TV Distribution

„Rizzoli & Isles“ – Die neue Krimiserie nach den Thrillern von Tess Gerritsen

Zwei ungleiche Ermittlerinnen stehen im Mittelpunkt der neuen Serie „Rizzoli & Isles“: die temperamentvolle Polizistin Jane Rizzoli (Angie Harmon) und die unterkühlte Gerichtsmedizinerin Dr. Maura Isles (Sasha Alexander). Gemeinsam gehen sie in Boston auf Mörderjagd. Entwickelt wurden diese Figuren von der amerikanischen Autorin Tess Gerritsen, auf dessen Jane-Rizzoli-Thrillern die neue Krimiserie bei VOX lose basiert. Weiterlesen

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Media Monday #37

Eine neue Woche, ein neuer Media Monday:

1. Der beste Film mit Ryan Phillippe ist für mich „Gosford Park“. Ich habe diesen Film vor Jahren mal gesehen und damals hat er mir sehr gut gefallen.

2. Zack Snyder hat mit __________ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil __________ es bislang mit keinem seiner Filme geschafft, mich ins Kino oder vor den Fernseher zu locken.

3. Der beste Film mit Amber Heard ist für mich „Alpha Dog“, weil ich nur diesen Film mit ihr gesehen habe. Weiterlesen

(c) w-film

„John Irving und wie er die Welt sieht“

(c) w-film

Am Anfang des Films ist eine Schwarzblende zu sehen und das rhythmische Schlagen des Springseils auf einer Matte zu hören. Erst dann sind die Füße und darauffolgend der ganze Körper von John Irving zu sehen. Untermalt von Musik erklingt aus dem Off ein Auszug aus Irvings letztem Roman, „Letzte Nacht am Twisted River“: „Wie immer begann er mit dem Ende der Geschichte …“. Doch es ist der Anfang eines Films, der in die Welt des John Irving einführt.

Der amerikanische Schriftsteller sieht sich selbst als Handwerker und Geschichtenerzähler, weniger als Intellektueller. Uneitel und offen gibt er daher im Gespräch mit dem Filmemacher André Schäfer Einblicke in seine Arbeitsweise. Weiterlesen