Archiv für den Monat: April 2011

Thomas Mann im REX-Kino Bonn

Als Bloggerin über Filme und Literatur und Mitglied des Ortsverein BonnKoeln der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft weise ich allzu gerne auf eine Film-Reihe in Bonn hin, die am kommenden Sonntag beginnen wird. In Zusammenarbeit mit dem REX-Kino werden bis zum 1. Juni unter dem Titel „Thomas Mann im (REX-)Kino“ fünf Thomas-Mann-Verfilmungen gezeigt, die einen guten Einblick in die filmische Rezeption des als „unverfilmbar“ geltenden Autors geben.

Präsentiert werden folgende Filme: Weiterlesen

©A.M.P.A.S.

Oscars, Globes und mehr – Termine der Award Season

©A.M.P.A.S.

Allmählich werden die Zeitpläne der kommenden Preisverleihungssaison in den USA bekanntgegeben, so dass ich hier eine Liste starte, die ich so aktuell wie möglich halte.

Bislang stehen folgende Termine fest:
9. November 2011: Bekanntgabe des Cecil B. DeMille Award (geehrt wird Morgan Freeman)
28. November 2011: Bekanntgabe der Gewinner des New York Film Critics Circle
1. Dezember 2011: Bekanntgabe der Gewinner des National Board of Review
11. Dezember: Boston Film Critics, Los Angeles Film Critics, New York Online Film Critics geben Gewinner bekannt
13. Dezember: Bekanntgabe der Nominierungen der Critics Choice Awards
14. Dezember: Bekanntgabe der Nominierungen der SAG
15. Dezember 2011: Golden-Globe-Nominierungen werden bekanntgegeben
3. Januar 2012: Bekanntgabe der Nominierungen der PGA
5. Januar 2012: Bekanntgabe der Nominierungen der WGA
7. Januar 2012: Bekannt der Gewinner der National Society of Film Critics
9. Januar 2012: Bekanntgabe der Nominierungen der DGA
13. Januar 2012: Gewinner der Critics Choice
15. Januar 2012: 69. Golden-Globe-Verleihung
17. Januar 2012: Nominierungen für den BAFTA werden bekanntgegeben
21. Januar 2012: PGA-Awards werden vergeben
24. Januar 2012: Oscar-Nominierungen werden bekanntgegeben
28. Januar 2012: DGA-Awards
29. Januar 2012: SAG-Awards
12. Februar 2012: Verleihung der BAFTAs
18. Februar 2012: USC Scripter Preise werden vergeben
18. Februar 2012: ACE Eddie Awards werden vergeben
19. Februar 2012: WGA-Awards werden vergeben
26. Februar 2012: 84. Oscarverleihung

Harry Rowohlt im Pantheon (c) Sonja Hartl

Harry Rowohlt im Pantheon

Harry Rowohlt mit seiner Ehrenpreisträger-Urkunde

Harry Rowohlt mit Ehrenpreisträger-Urkunde (c) Sonja Hartl

Er würde ohnehin niemals richtig zitiert werden – außer von einem Printjournalisten aus Trier. Daher werde ich gar nicht versuchen, über Harry Rowohlts Lesung am gestrigen Abend im Pantheon in Bonn wortgetreu zu berichten. Vermutlich würde ich ihn auch nicht richtig zitieren, obwohl es viele zitatwürdige Sätze gegeben hat. Immerhin wird Harry Rowohlt mit dem Sonderpreis 2011 des Prix Pantheon geehrt, weil er „vollmundig wie ein reifer Rotwein“ sei, eine „grandiose Bühnenpräsenz“ besäße und „ein Charakterkopf, der sich mit allen anlegt, die ihm dumm kommen“ sei, „einer, der keine Kompromisse“ mache. Dieser Auszug aus der Begründung der Jury des Prix Pantheon wurde von Rainer Pause vorgelesen – und er umreißt nicht nur die Erwartungen des Publikums an die Lesung, sondern im Rückblick auch den Abend als solches.

Schon Harry Rowohlts „Anschleimphase“ (hier ist nun doch ein Zitat, aber es ist nur ein Wort!) war mitreißend: Er erzählte von seinen frühen Aufenthalten in Bonn, einem Ausflug in die Poststraße, begründete seine Alkoholabstinenz und berichtete von einer Lektorin, die ihm die Bücher von Andy Stanton mit der Frage zusteckte, ob er sie nicht vielleicht übersetzen wolle. Harry Rowohlt fand sie nach wenigen Sätzen so gut, dass er wusste, er würde sie übersetzen, und tat es auch. Die „Mr. Gum“-Bände sind im Sauerländer Verlag erschienen – und nachdem Harry Rowohlt aus ihnen gelesen hat, werden sie sicherlich nicht nur von Kindern gekauft.

Harry Rowohlt im Pantheon (c) Sonja Hartl

Ohnehin hat er für seine Verhältnisse viel gelesen, aus den bereits erwähnten Kinderbüchern, aus „Pooh‘ Corner“ und als unverlangte Zugabe aus dem Theatertext Knolls Katzen von Jan Neumann, der soeben bei dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor den Förderpreis für Komische Literatur erhalten hat. Jedem vorgelesenen Text hat Harry Rowohlt eine typische Stimme gegeben und mit einer grandiosen Betonung sowie Genauigkeit vorgelesen. Daneben hat der einst so treffend „Paganini der Abschweifung“ bezeichnete Rowohlt auch viel erzählt – Anekdoten von seinen Synchronisationsbemühungen beim Film und vom Vorbild der Stimme von I-Ah (80 Prozent Georg Lenz, jeweils zehn Prozent Peter Zadek und Hildegard Knef), drei Witze und allerhand Geschichten aus seinem Leben. Er parodierte, lästerte, verteilte Spitzen gegen vorlesende Schauspieler und sang. Ich hätte ihm noch ewig zuhören können. Aber dafür gibt es ja die von mir sonst gar nicht so geliebten Hörbücher.

(c) Rowohlt

Wie „A Very Private Gentleman“ zu „The American“ wurde

(c) Rowohlt

Eigentlich hieß das Buch von Martin Booth mal „A Very Private Gentleman“. Dann wurde es von Anton Corbijn mit George Clooney in der Hauptrolle unter dem Titel „The American“ verfilmt und schon ist auf dem Cover neben dem Hauptdarsteller auch dieser Titel zu finden. Dabei ist die Nationalität der Hauptfigur des Romans ungeklärt: „Ich behaupte nicht, Engländer oder Franzose, Deutscher, Schweizer, Amerikaner, Kanadier oder Südafrikaner zu sein. Ich mache diesbezüglich keinerlei Angaben“, Post ist an Mr. A. Clarke, Mr. A. E. Clarke oder auch Mr. E. Clark adressiert. Deshalb nennen ihn die Bewohner des italienischen Dorfes, in dem er seit kurzer Zeit lebt, einfach Signor Farfalla – nach seinem Hobby, der Schmetterlingsmalerei. Seinen neuen Titel verdankt das Buch daher vor allem der Tatsache, dass George Clooney Amerikaner ist, und – mit viel Wohlwollen – lässt sich auch eine Verbindung zu den von Corbijn in dem Film eingesetzten Parallelen zu alten Westernfilmen erkennen.

Ich habe mich durchaus gefragt, wie Corbijn auf den Titel gekommen ist. Klar, Clooney ist Amerikaner. Aber in dem Buch wird der geheimnisvolle Protagonist einfach „Signor Farfalla“ genannt, weil er seinen Lebensunterhalt angeblich mit dem Malen von Schmetterlingsbildern verdient. Die Bewohner in dem kleinen italienischen Bergdorf nehmen zwar an, er sei Engländer, aber sie wissen es nicht, es spielt für sie wohl keine große Rolle. Da das Buch aus der Perspektive des Signor Farfalla geschrieben ist, erfahren wir nur wenig über die anderen Bewohner, ihre Ansichten und Meinungen über den Neuling. Doch als es wirklich darauf ankommt, verraten sie ihn nicht.

Das Buch hat mit dem Film nur die grundlegenden Handlungszüge gemein: Ein schweigsamer Mann kommt in ein italienisches Dorf, baut dort eine Waffe, will seiner Vergangenheit entfliehen und trifft auf einen Priester und eine Prostituierte, die ihm einen Ausweg aus seinem bisherigen Leben aufzeigen. Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass es vor allem um Erlösung geht. Denn nach diesem letzten Auftrag hofft Signor Farfalla auf ein Leben ohne Waffen, ohne Töten. Doch er merkt auch, dass er von einem unsichtbaren Gegner beschattet wird. Der Roman lebt von dieser Spannung, diesem konzentrierten Duell zwischen Farfalla und seinem Beschatter. Darin sind zahllose Ausführungen über Fragen der Moral und der Ethik eingeflochten, die mal mehr oder mal weniger gelungen sind. Bisweilen sind die Überlegungen der Hauptfigur zu ausschweifend und redundant, zumal die gesamte Geschichte aus der Ich-Perspektive des Signor Farfalla geschrieben ist. Dadurch bleiben Nebenfiguren blass und unnahbar. Obwohl ich ausführliche Beschreibungen schätze und auch Booth‘s Sprache bisweilen beeindruckend fand, überlagern die Längen in der Handlung doch diese positiven Eindrücke.

Diesen Roman zu verfilmen, obwohl sich ein Großteil der Handlung in der Innenperspektive vollzieht, ist ein schweres Unterfangen. Zumal darüber hinaus das äußere Geschehen recht stereotyp ist: ein letzter Auftrag, ein Gegner, die Prostituierte und der Priester als Erlöser. Alles ist aus zahllosen Filmen und Büchern bereits bekannt.

Jagd nach dem Verfolger (c) Universal Home

Doch Corbijns Ansatz hat mich überzeugt: Er inszeniert seinen Film sehr reduziert, indem er voll und ganz auf die Bildsprache setzt. Diese Bilder haben mich oft beeindruckt, so dass ich über die Handlungsklischees hinwegsehen konnte. Die Schneelandschaft in Schweden, die labyrinthische Enge des italienischen Dorfes oder auch George Clooney auf einem Stuhl bei der Prostituierten sitzend hat Corbijn in bedrückende Bilder gefasst, die ich nicht vergessen werde. Obwohl ich mich durchaus gefragt habe, warum er sich die Kirche in den Bergen entgehen lassen hat. Denn diesen Ort hätte ich in Corbijns Interpretation zu gerne gesehen.

(c) Schirmer/Mosel

Da der Film vor allem aufgrund seiner visuellen Brillanz beeindruckt, kann ich auch nur den Bildband empfehlen, den Anton Corbijn über die Dreharbeiten veröffentlich hat! Er liefert tolle Eindrücke zu der Produktion, den Dreharbeiten und erklärt einige Einstellungen.

(c) Hamburg Media School / Filmwerkstatt

Studenten-Oscar: Deutscher Kurzfilm ist nominiert

Im Zuge meines verlängerten Osterwochenendes wäre fast an mir vorbeigegangen, dass es drei Filmstudenten aus Hamburg in die engere Auswahl für den Studenten-Oscar geschafft haben. Regisseur und Drehbuchautor Max Zähle, Producer Stefan Gieren und Kameramann Sin Huh sind mit dem Film „Raju“ im Finale vertreten.

(c) Hamburg Media School / Filmwerkstatt

In dem Kurzfilm reist ein deutsches Ehepaar (gespielt von) Julia Richter und Wotan Wilke Möhring) nach Indien, um das Waisenkind Raju zu adoptieren. Doch dann finden sie heraus, dass Raju von Kinderhändlern entführt wurde.
Die Idee zu dem Film hatte Zähle laut einem Artikel in der ZEIT nachdem durch das Erdbeben in Haiti eine Diskussion über die Adoption von Waisenkindern aus Krisengebieten ausbrach. Da habe er mit seinen Recherchen begonnen, in deren Zuge sich gezeigt habe, dass Kalkutta ein Drehkreuz des Kinderhandels sei.

Einen Trailer zu dem Film könnt Ihr auf der offiziellen Seite zum Film sehen.

Update: Am 11. Juni 2011 wurden die Studenten-Oscars vergeben und Max Zähle hat die bronzene Statueerhalten. Außerdem hat er laut SZ angekündigt, dass er aus „Raju“ einen Spielfilm machen möchte – sobald „seine Akkus“ wieder geladen sind.

Zweites Update: „Raju“ wurde bei den Oscars 2012 als bester Kurzfilm nominiert!

(c) Kinowelt Home

Britische Perlen – „Brighton Rock“ auf DVD

(c) Kinowelt Home

Mit seinem ersten Spielfilm „Brighton Rock“ hat sich Rowan Joffe an eine Verfilmung des Romans „Am Abgrund des Lebens“ von Graham Greene gewagt und sich um eine eigenständige Interpretation bemüht. Über den Film und das Buch habe ich bereits bei spielfilm.de und im Blog von LovelyBooks einiges geschrieben, doch hier möchte nochmals auf den wohl positivsten Effekt des Films eingehen: Dadurch habe ich die Verfilmung des Romans aus dem Jahre 1947 entdeckt, die nun auf DVD erhältlich ist.

Pinke und Rose (c) Kinowelt Home

Damals hat John Boulting den Roman verfilmt, das Drehbuch stammt unter anderem von Graham Greene. Die Handlung des Films lehnt sich eng an die Romanvorlage an: Der kleine Gangster Pinkie Brown (Richard Attenborough) ist der Anführer einer Bande von Schutzgelderpressern. Aus Rache ermordet er den Zeitungsreporter Fred, die Polizei glaubt hingegen an einen Unfall und legt den Fall zu den Akten. Aber die resolute Ida (Hermione Baddeley), die kurz vor Freds Tod mit ihm zusammen war, zweifelt an dieser Version und will auf eigene Faust die Wahrheit herausfinden. Die naive Kellnerin Rose (Carol Marsh) erweist sich als Schwachstelle, sie könnte das Alibi von Pinkies Bande zu Fall bringen. Also will Pinkie sie mit einer Heirat zum Schweigen bringen.

Heimgesucht von Sünden (c) Kinowelt

Schon der US-Titel des Films – „Young Scarface“ – verweist auf die Verwandtschaft zum film noir. Tatsächlich ist Boultings Film für das europäische Kino dieser Zeit ungemein düster und brutal, er braucht den Vergleich mit amerikanischen Produktionen nicht zu scheuen. Obwohl er nicht in einer großen Stadt, sondern in dem Seebad Brighton spielt, fasst er die kalte, nasse Atmosphäre typischer noirs ein. Der Anti-Held Pinkie ist mit seinen „alterslosen Augen“ und psychopathischen Zügen ein faszinierender Protagonist, Hermoine Baddeley als Ida Arnold ist mit diesem Lachen ebenso unvergesslich. Sicherlich hat der Film wie der Roman im letzten Teil seine Schwächen, hier vernachlässigt Greene den Thriller-Plot und konzentriert sich auf die Beziehung.

Lichtsetzung auf der Treppe (c) Kinowelt Home

Aber gerade in der Verfilmung geht der noir-Stil mit Graham Greenes Roman eine bestechende Symbiose ein. Greene glaubte an Sünde, Erlösung und die Hölle, sein Pinkie verkörpert all das Böse, seine Rose all das Gute des Diesseits. Im Film verdeutlicht insbesondere die Lichtsetzung, die Schatten auf der Treffe und das Ende am dunklen Pier diesen Konflikt zwischen religiöser und weltlicher Moral, die von Ida einnehmend verkörpert wird. Leider ist das Ende des Romans im Film deutlich abgeschwächt, wer den Roman aber nicht kennt, wird vom der Schlusspointe angetan sein. Nur für den Leser bleibt hier der Gedanke, wie wertvoll ein offenes Ende sein kann.

IFFF 2011 – Argentinische Filmemacherinnen in Dortmund

(c) Ebele Okoye / Fin Film

Endlich habe ich es gestern zum Internationalen Frauenfilmfestival nach Dortmund geschafft und bin nach einer kleinen Irrfahrt durch die Dortmunder Innenstadt in der Schauburg gelandet. Dort liefen zwei argentinische Filme, auf die ich sehr gespannt war: der Dokumentarfilm „Open Sky“ von der Inès Compan und das Drama „The Fly in the Ashes“ von Gabriela David.

In „Open Sky“ erzählt Regisseurin Inès Compan von dem Kampf der indigenen Kolla-Bevölkerung, die unversehens ins Zentrum der internationalen Rohstoff-Verteilungskämpfe geraten ist. Die Kolla leben im ländlichen Nordwesten Argentiniens in der Puna-Hochwüste. Ihre Lebensgrundlage bestreiten sie vor allem mit Landwirtschaft und der Zucht von Lamas und Chinchillas. Aber die Puna birgt auch ein großes Metallvorkommen, das von der kanadischen Firma Standard Silver abgebaut werden soll. Die Silbermine gefährdet die Umwelt und das Leben der Kolla, die von ihrem Land aber nicht weichen wollen. In dem Film wird deutlich, dass die Rechte der Kolla ignoriert werden – oder sie mit leeren Versprechungen beschwichtigt werden. Zu Beginn des Films errichten sie sogar eine Straßensperre, um den Weiterbau eines Schulgebäudes durchzusetzen. Aber die Kolla geben nicht auf und stehen für ihre Rechte ein. Dabei mutet der Gegensatz zwischen dem Profit, den die Silbermine erwirtschaften soll, und der Armut der Kolla schon absurd an. An manchen Stellen hätte ich mir dennoch mehr Kommentare der Filmemacherin gewünscht. Wer sich aber mit Ruhe und Geduld auf den Film einlässt, bekommt gute Eindrücke von einem Landstrich, der hierzulande kaum bekannt ist.

Gabriele David (c) IFFF Dortmund|Köln

Anschließend lief ebenfalls in der Schauburg der Film „The Fly in the Ashes“ von der kürzlich verstorbenen argentinischen Filmemacherin Gabriela David. Der Film wurde von ihren Ehemann Enrique Angeleri vorgestellt, der als ausführender Produzent und Cutter an „La mosca en la cenzia“ beteiligt war. Er erzählte, dass eine Zeitungsmeldung über die Flucht einer Zwangsprostituierten Ausganspunkt des Films war. Gabriela David erstaunte, dass das Bordell, in dem die Mädchen festgehalten wurden, in einer bürgerlichen Mittelschichtsiedlung lag – und keiner etwas gesehen haben wollte. In ihrem Film erzählt sie nun die Geschichte von Nancy und Pato, die ihr Dorf in der Hoffnung auf eine Anstellung als Hausmädchen in Buenos Aires verlassen. Aber sie finden sich eingeschlossen in einer Wohnung wieder, in Männer für Sex mit ihnen 50 Pesos Sex zahlen. Während sich die zurückgebliebene Nancy in diese Umgebung einfügt, rebelliert Pato fast bis zur Selbstzerstörung.

Nancy und Pato (c) IFFF Dortmund|Köln

Der sehr gute Film besticht meines Erachtens erstens durch die guten Hauptdarstellerinnen Paloma Contreras-Manzo und Maria Laura Caccamo, zweitens durch die Bildsprache, die die klaustrophobische Enge in der Wohnung sehr eindringlich deutlich macht, und drittens durch das Aussparen der expliziten Darstellung von Gewalt. Stattdessen erzählt Gabriela David mit viel Ruhe eine Geschichte über eine außergewöhnliche Frauenfreundschaft und das Wegsehen einer Gesellschaft.

Dieser eine Tag auf dem IFFF hat mal wieder gezeigt, dass für gute Filme nicht zwangsläufig viel Geld erforderlich ist – und dass es viel zu viele Filme gibt, die es kaum in ein „normales“ Kino schaffen werden. Aber das sind genau die Gründe, weshalb ihr Festivals besuchen solltet!

Update: „La mosca en la ceniza“ („The Fly in the Ashes“) wurde am Sonntagabend mit einer lobenden Erwähnung von der Jury des IFFF geehrt. Den Preis vergaben die Schauspielerin Maren Kroymann, die US-amerikanischen Bloggerin Melissa Silverstein und die Niederländerin Claudia Landsberger, Leiterin von EYE International, an den griechischen Film „Attenberg“.

Cannes 2011 – Die Wettbewerbsfilme

Gestern wurden die Filme bekanntgegeben, die beim Festival in Cannes im Rennen um die Goldene Palme sind – und der Wettbewerb ist erfreulich vielfältig!

Mit Spannung werden die neuen Filme von drei großen Namen erwartet: Pedro Almodóvar stellt seinen neuen Film „Die Haut, in der ich wohne“ vor, Lars von Trier wartet mit „Melancholia“ auf und Terrence Malick zeigt seinen mit Sean Penn und Brad Pitt prominent besetzten Film „The Tree of Life“. Daneben gehen noch Takashi Miike mit „Hara-Kiri: Death of a Samurai“, Aki Kaurismäki mit „Le Havre“ und Nicolas Winding Refn mit dem Actionthriller „Drive“ an den Start.

Auch zwei weniger bekannte Regisseure haben eine Chance auf die Goldene Palme. Der türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan ist mit „Once Upon A Time In Anatolia“ vertreten. Überraschend ist zudem der Österreicher Markus Schleinzer mit seinem Debütfilm „Michael“ im Hauptwettbewerb dabei.

Deutschland wird von Andreas Dresen („Sommer vorm Balkon“, „Wolke 9“) vertreten, dessen neuer Film „Halt auf freier Strecke“ in der Sektion „Un certain regard“ gezeigt wird. Dort läuft unter anderem auch „Restless“ (mit Mia Wasikoswka und Henry Hopper in den Hauptrollen) von Gus van Sant. Damit auch ausreichend Stars an der Croisette vertreten sind, laufen mit „Der Biber“ und der vierte Teil von „Fluch der Karibik“ gleich zwei prominent besetzte Filme außerhalb der Konkurrenz. Eine komplette Übersicht zu allen Wettbewerbsfilmen ist hier zu finden.

In diesem Jahr ist es gelungen, eine gute Mischung verschiedener Genres und bekannter bzw. weniger prominenter Namen zusammenzustellen. Sogar – und leider ist dies immer noch erwähnenswert! – die Frauenquote ist bemerkenswert: Mit Naomi Kawase, Julia Leigh (Trailer zu „Sleeping Beauty“), Maïwenn und Lynne Ramsay sind vier Regisseurinnen in Cannes mit ihren Filmen im Rennen. Und so bleibt mir nur noch das Bedauern, dass ich nicht in Cannes sein werde.

Schächte, „Alphaville“ und schlafende Kriegerinnen – Heinrich Steinfest und der Film, Teil VI

Von „A.I. – Künstliche Intelligenz“ und „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ über „Galaxy Quest“ und „Alien 1-4“ bis hin zu Fernsehserien wie „Star Trek“ oder „Raumschiff Orion“ zitiert Heinrich Steinfest in seinem Roman „Wo die Löwen weinen“ vor allem Science Fiction. Aber schon in meinen ersten beiden Beiträgen ist deutlich geworden, dass die Funktion dieser Referenzen meist über ein Motto oder Zitat hinausgehen. Ein gutes Beispiel ist hierfür meines Erachtens „Galaxy Quest“.

Galaxy Quest (c) Kinowelt Home Entertainment

Die Science-Fiction-Komödie liefert nämlich nicht nur die prominent und passend zitierte Aussage „Schächte, immer sind es Schächte“, sondern auch eine Pointe bei der Betrachtung der Pläne für den Bahnhofsumbau. Als der Archäologe Mach die Modelle für Stuttgart 21 sieht, fühlt er sich in eine Serie wie „Raumschiff Enterprise“ oder „Orion“ zurückversetzt. In „Galaxy Quest“ geht es nun gerade darum, dass eine Fernsehserie für die Wirklichkeit, ja, für ein historisches Dokument gehalten wird. Vielleicht sind die Macher von Stuttgart 21 also auch der Versuchung erlegen, fiktionale Möglichkeiten als realistisch zu sehen? Denn anscheinend wollen sie „alles und jeden durch eine Computeranimation“ ersetzen – womit darüber hinaus erneut die Vision von „A.I.“ angesprochen wäre. Bevor ich mich nun aber weiter mit den Anspielungen beschäftige, sei erneut die Warnung wiederholt: Ich werde auf wichtige Teile der Handlung inklusive des Endes des Romans eingehen. Wer Steinfests „Wo die Löwen weinen“ also noch nicht kennt, sollte das Buch besser vorher lesen!

(c) Kinowelt Home

Wird aus Stuttgart „Alphaville“?
Der Roman ist sehr filmisch in drei Teile, einen Vor- sowie Abspann eingeteilt. Jedem Teil sind mehrere Zitate als Motto vorangestellt, die – wie das oben zitierte „Schächte …“ – die Handlung pointieren, aber auch konnotieren. Der zweite Teil des Romans wird unter anderem mit einem Zitat aus Jean-Luc Godards Science-Fiction-Film „Alphaville“ aus dem Jahre 1965 eingeleitet. In dem Film sucht der Geheimagent Lemmy Caution die futuristische Stadt Alphaville auf, die von einem Computersystem namens Alpha 60 gesteuert wird. Als oberstes Prinzip regiert in Alphaville die Logik, Emotionen und Poesie sind hingegen verboten. Wer gegen die Regeln verstößt, wird eliminiert. Nun trifft mit Lemmy Caution ein Agent aus den kapitalistischen und noch freien Außenbezirken in dieser kalten Stadt ein und sorgt mit seinem regellosen Verhalten für Unruhe – er bringt Liebe und Durcheinander in die Stadt.

Geheimagent Lemmy Caution (c) Kinowelt Home

In „Wo die Löwen weinen“ kehrt Kommissar Rosenblüt aus München in seine Heimat Stuttgart zurück und steigt in dem Hotel am Schlossgarten ab, das zwischen dem Oberen Schlossgarten und der Königsstraße, in der Nähe des Planetariums gelegen ist. In diesem Hotel wird er mit dem Satz „Mir geht es ausgezeichnet, danke, bitte!“ begrüßt – ebenso wie Lemmy Caution in seinem Hotel in Alphaville. Beide erhalten das Zimmer mit der Nummer 344. Und fraglos bringt auch Kommissar Rosenblüt Unruhe nach Stuttgart – wenngleich auch keine Liebe. Obwohl er mit Teska Landau eine an Lemmy Cautions Geliebte Natascha dank der traurigen Augen erinnernde mögliche Liebschaft an seiner Seite hätte. Stuttgart könnte also auf dem Weg sein, ein zweites Alphaville zu werden – wenn das S 21-Projekt nicht jeglichen Regeln der Logik widerspräche.

Francis Ford Coppola und „Der Pate“ oder: Abtrünnige und der Oberbürgermeister
Das Hotel kehrt als Handlungsort am Ende von „Wo die Löwen weinen“ wieder. Nach dem Anschlag auf einen seiner Mitarbeiter ist auch Palatin, der im Auftrag der Stadt Stuttgart die Beseitigung des Schloßgarten-Mechanismus beaufsichtigen soll, dorthin gezogen. Eines Abends begegnet er Kommissar Rosenblüt in der Hotellounge. Keiner weiß, warum der andere dort wohnt, sie kennen sich nicht, sondern unterhalten sich einfach über Francis Ford Coppolas „Apokalypse Now“ – ein durchaus vieldeutiger Titel in ihrer Situation. Darüber hinaus handelt der Antikriegsfilm unter anderem davon, dass ein vermutlich wahnsinnig gewordener abtrünniger Soldat in Kambodscha liquidiert werden soll. Auch Palatin muss sich bald mit einem – aus seiner Sicht – Abtrünnigen auseinandersetzen, der nach landläufiger Meinung ebenfalls als verrückt angesehen werden wird. Aber die „Man on Wire“-Aktion von Wolf Mach wird ebenfalls die Absurdität des Stuttgart-21-Baus und vor allem das sinnlose Sprengen des Schloßgarten-Mechanismus entlarven.

Ungeachtet dessen hat Palatin den Abend genossen, schreckt aber mitten in der Nacht aus einem Traum auf. Einen kurzen Moment lang glaubt er, neben ihm auf dem Kopfkissen läge der abgeschnittene Kopf eines Tieres oder vielleicht auch Menschen. Nach dieser Anspielung auf Coppolas „Der Pate“ bemerkt er, dass er von einem Anruf von dem Stuttgarter Oberbürgermeister geweckt wird, der manchmal an einen „schlaksigen Paten“ erinnert.

Die Kraft der Poesie (c) Kinowelt Home

Die Kraft der Poesie
Damit hören an diesem filmischen Ort die Anspielungen nicht auf. Denn Palatin erhält nach dem Anruf und einem Blick aus dem Fenster von einer jungen Hotelangestellten ein Buch, Robert Burtons „Anatomie der Melancholie“, mit einer Widmung von Wolf Mach. Durch dieses Buch hat Mach die schlafende Kriegerin entdeckt – und womöglich hat es ihn zu seiner Aktion am Planetarium inspiriert. Selbst Hans Tobiks finale Entscheidung ist für ihn ein „Akt der Poesie. Denn die Poesie hat Tobik gefangengenommen, wie das die Poesie mitunter tut, wenn ihr danach ist“. Daher wartet er vorerst den Verlauf der Ereignisse in Stuttgart ab und sinniert, dass man das Wort Liebe nicht erklären kann. Die Menschen in „Alphaville“ hingegen wissen schon gar nicht mehr, was Liebe ist. Dort ist es ebenfalls ein Buch („La capitale de la douleur“), das eine Veränderung bewirkt hat – und es ist die Poesie, die Alpha 60 letztendlich zerstört. So bleibt allen Filmzitaten und Anspielungen zum Trotz am Ende die Erkenntnis: „Nach dem Theater ist das Leben“!

(c) Theiss Verlag

Fraglos gibt es in „Wo die Löwen weinen“ noch weitere Filmzitate und Anspielungen, die ich bislang nicht entdeckt habe – oder noch nicht ausreichend interpretieren kann. Dazu gehören beispielweise die Morlocks aus „Der Zeitmaschine“. Hier kenne ich weder Roman noch Film, daher erkenne ich zwar die Anspielung auf Wells, aber nicht mehr. Ähnlich ist es mit der schlafenden Kriegerin, die von „Metropolis“ bis zu „Alien“ gleich eine ganze Reihe Assoziationen hervorruft. Ihr werde ich einen eigenen Beitrag widmen, sobald ich die „Alien“-Filme nochmals gesehen habe. Bis dahin bleibt für mich die Erkenntnis, dass es bei diesem Buch bei jeder Lektüre etwas Neues zu entdecken gibt. Für alle Hinweise und Anregungen bin ich daher sehr dankbar …

(c) Concorce Home Entertainment

Lynch in „Wo die Löwen weinen“ – Heinrich Steinfest und der Film, Teil V

Auch vor meinem zweiten Beitrag zu „Wo die Löwen weinen“ möchte ich nochmals kurz darauf hinweisen, dass ich auf wichtige Teile der Handlung inklusive des Endes des Romans (und auch von „Mulholland Drive“) eingehen werde. Wer den Roman also noch nicht kennt, sollte ihn besser vorher lesen!

Heinrich Steinfest (c) Konrad Theiss Verlag

In einem Podcast zu „Wo die Löwen weinen“ hat Heinrich Steinfest gesagt, dass sich seiner Meinung nach viele Menschen über das Verhalten von Filmfiguren definierten. Fraglos stimmt diese Einschätzung für seine Romanfigur Lynch, einen türkischen Händler und Filmfan. Auf seine Spur kommt Kommissar Rosenblüt – wie könnte es anders sein – durch ein Filmzitat aus „Mulholland Drive“ von David Lynch, das die Romanfigur Lynch gegenüber dem Geologen Uhl als Drohung äußert: „You will see me one more time, if you do good. You will see me two more times, if you do bad“. Zwar tauschte Lynch sehen gegen hören, aber er will – wie der Cowboy in dem Film – einen anderen Mann dazu bringen, etwas Bestimmtes zu tun und sich dem Willen undurchsichtiger Mächte zu beugen.

Steckt er hinter allem? (c) Concorde Home Entertainment

„Mulholland Drive“ und „Wo die Löwen weinen“ – Der Cowboy und Lynch
Im Roman wird der Geologe Uhl keinen weiteren Anruf von Lynch erhalten. Indes auf die Frage, wie oft der Cowboy in „Mulholland Drive“ zu sehen ist, gibt es unterschiedliche Antworten. Bei fast allen Filmen von David Lynch sind zahllose Interpretationen möglich, so ist beispielsweise auch nicht eindeutig, ob der Cowboy tatsächlich im Auftrag der geheimnisvollen Strippenzieher arbeitet oder eher als (vielleicht sogar imaginierter) Beschützer der fragilen Betty/Diane fungiert. Doch in der konkreten Sequenz, in der er den vom Roman-Lynch zitierten Satz äußert, geht der Zuschauer davon aus, dass er im Auftrag der mysteriösen mafiaähnlichen Organisation handelt. Daher glaube ich, dass auch das Zitat in „Wo die Löwen weinen“ auf diese Hintergründe anspielt. Und tatsächlich ist es äußerst vergnüglich, die Runde um den Geologen Fabian als Parallele zu jenen seltsamen älteren Herren aus „Mulholland Drive“ zu sehen.

(c) Concorce Home Entertainment

Daneben könnte eine weitere Aussage des Roman-Lynchs eine zweite Anspielung auf „Mulholland Drive“ sein. Als Rosenblüt auf Lynch vor dessen Laden trifft, entgegnet er auf dessen Frage nach seinem Hund Kepler, ob er ihn kaufen wolle – betont aber schon im nächsten Satz, dass Kepler unverkäuflich sei. Dieser Rückzieher wird von Lynch mit dem Satz kommentiert, dass er sich wie jemand von den Leuten verhalte, „die einen Killer anheuern und es sich dann anders überlegen“. In „Mulholland Drive“ heuert Betty/Diane einen Killer an, der sie explizit fragt, ob sie sich auch sicher sei. Zwar betont sie in dem Gespräch ihre Entschlossenheit, letztendlich scheint sie an ihrer Entscheidung aber zu verzweifeln.

In diese Richtung weist auch ein weiteres Filmzitat vom Roman-Lynch, das allerdings nicht von seinem namensgebenden Lieblingsregisseur stammt: „Gott ist ein Luxus, den ich mir nicht leisten kann“. Diesen Satz sagt der zynische Judah Rosenthal in Woody Allens „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“, in dem ebenfalls ein angeheuerter Killer eine Rolle spielt – in dem es aber auch um Moral, Religion und Ideale, um gute und schlechte Taten und die Reue nach der Anheuerung eines Profikillers geht. Hier besticht schon die Qualität des Zitats – es gibt schlechtere One-Liner! – und der passende Titel.

(c) Theiss Verlag

Die leeren Räume in „Wo die Löwen weinen“
Scheinbar leere Räume spielen in „Wo die Löwen weinen“ eine große Rolle – in einem „schuhschachtelgroßen leeren Raum“ entdeckt Mach letztlich die schwangere Kriegerin, Kommissar Rosenblüt verschwindet für kurze Zeit in einem aus Spiegel konstruierten unsichtbaren Raum. Auch hier musste ich an „Mulholland Drive“ denken, da eine blaue Schachtel eine zentrale Rolle spielt. Es ist nicht eindeutig festzulegen, ob diese Schachtel leer ist oder lediglich die Zeitsprünge symbolisieren soll. Einmal scheinen sogar zwei wichtige Figuren aus dieser Schachtel zu fliehen. Letztendlich bleibt diese Schachtel ebenso mysteriös wie die vermeintlich leeren Räume in „Wo die Löwen weinen“.

Richard III. (c) Kinowelt

Film-Figuren als Modelle
Dass sich Menschen über Filmfiguren definieren, wird aber auch an zahlreichen anderen Stellen des Romans deutlich. Als Hans Tobik über den Niedergang der Sozialdemokratie sinniert, der völlig unkünstlerisch ist und sich daher nicht zur Verfilmung eignet, moniert der Erzähler auch das Fehlen von Helden wie Bruce Willis oder gar Heinz Rühmann, ja, es gebe noch nicht einmal eine „vom Alkohol lädierte und dennoch zauberhafte Simone Signoret“. Für den verachteten Projektsprecher findet Tobik den Namen Ratcliffe, den Getreuen von Shakespeares Richard III., aber er denkt dabei an die Verfilmung von Richard Loncraine mit Ian McKellen in der Titelrolle. Er selbst wird später von Kommissar Rosenblüt in Ermangelung der Kenntnis des wahren Namens als Cady bezeichnet, jener Antagonist aus „Kap der Angst“. Dieser Name verstärkt auch Bedrohlichkeit von Tobik, da auch Cady am Anfang von Scorseses Films unschuldig wirkt – es aber ganz und gar nicht ist.

Ohnehin werden die Hauptfiguren mit Film-Charakteren respektive Schauspielern charakterisiert. Kommissar Rosenblüt sieht aus wie Robert Redford und die neben ihm und Hans Tobik dritte Hauptfigur, Wolf Mach, ist „(m)eilenweit von einem sogar ungeküssten George Clooney entfernt (…) sein Äußeres (entsprach) viel eher dem Woody Allens“.

Und zum Schluss: „Psycho“
Daneben gibt es eine Stelle in „Wo die Löwen weinen“, an der ich mich fragte, ob ich mit dem Gedanken an „Psycho“ wohl alleine stehe. Als Mach mit Palatin, der für die Beseitigung des Schloßgarten-Mechanismus zuständig ist, das erste Mal den Keplersaal betritt, gelangen sie an „einen durchsichtigen Plastikvorhang“, den sie beiseiteschieben müssen. Hier fiel mir eine Stelle aus Steinfests „ Der Umfang der Hölle“ ein, in der der Protagonist Reisiger in einem Restaurant folgende Assoziation hat: „Die mit Reispapier unterlegten gläsernen Tischplatten und dünnhäutigen Kellner besaßen dieselbe vage Transparenz wie im Falle von Objekten, die sich unter einem Duschvorhang abzeichnen (darunter immerhin auch Mörder, wie man weiß)“. Nun ist es erneut ein durchsichtiger Vorhang, eine „vage Transparenz“, hinter der sich – zumindest aus der Perspektive der Maschine – ein Mörder verbirgt. Selbst ohne den Verweis auf den „Umfang der Hölle“ und ungeachtet der Tatsache, dass dieser Vorhang aus Lamellen besteht, hat seit „Psycho“ das Beiseiteschieben eines Vorhangs immer etwas Bedrohliches. Aber vielleicht interpretiere ich auch zu viel hinein …

Im nächsten Teil zu „Wo die Löwen weinen“ geht es dann vor allem um die Frage, ob Stuttgart allmählich zu „Alphaville“ wird …